Ex-Minister Jung: Ich habe mich nach Kundus korrekt verhalten

  • 90 Menschen verloren nach dem Luftangriff im afghanischen Kundus am 4. September 2009 ihr Leben.
  • Der damals verantwortliche Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) rechtfertigt auch zehn Jahre später sein Verhalten.
  • Ihm habe man gesagt, es sei ein Schlag gegen die Taliban gewesen – nicht gegen Zivilisten.
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Berlin. Der ehemalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hat sein Agieren nach dem Luftangriff von Kundus in der Nacht zum 4. September 2009 am Mittwoch vor zehn Jahren gerechtfertigt. „Ich hatte damals zunächst keine andere Information als die, dass der Schlag gegen die Taliban gelungen sei“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Als ich erfahren habe, dass es doch zivile Opfer gab, habe ich selbstverständlich meine Anteilnahme und mein Bedauern zum Ausdruck gebracht. Von daher habe ich mich korrekt verhalten.“

Der Opferanwalt Karim Popal sagte dem RND, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte werde nun verhandeln, ob bei der Entscheidung zum Angriff die Europäische Menschenrechtskonvention berücksichtigt worden sei. „Unsere Beschwerde ist seit einem Jahr anhängig“, sagte er. „Jetzt hat man uns mitgeteilt, dass darüber verhandelt wird. An der Verhandlung werden sogar Opfervertreter aus Afghanistan teilnehmen.“

Verhandlung vor Europäischem Gerichtshof

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Durch den von Oberst Georg Klein veranlassten Angriff starben damals 90 Menschen, darunter überwiegend Zivilisten. Es gab eine lange politische Kontroverse über den Angriff selbst, aber ebenso über die anschließende Informationspolitik. Jung verlor als Spätfolge sein Amt als Arbeits- und Sozialminister, Staatssekretär Peter Wichert und Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan mussten ebenfalls gehen.

Der Angriff von Kundus gilt als folgenreichste deutsche Militäroperation seit Ende des Zweiten Weltkriegs.

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