Ex-Generalstaatsanwalt: Amri erschien kaum gefährlich

  • Der frühere Generalstaatsanwalt Ralf Rother hat die verminderten Überwachungsaktivitäten zu dem Berliner Attentäter Anis Amri verteidigt.
  • Polizei und Staatsanwaltschaften sahen das Problem bei Amri eher im Rauschgifthandel als im Islamismus.
  • “Den kann man bald außer acht lassen”, habe es damals geheißen.
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Berlin. Die reduzierte Überwachung des späteren Berliner Attentäters Anis Amri in den Monaten vor dem Anschlag 2016 war aus Sicht des früheren Generalstaatsanwalts Ralf Rother verständlich. Die Einschätzung von Amri durch Polizei und Staatsanwaltschaften habe sich im Sommer und Herbst 2016 "weg vom Problemfall des Islamisten hin zur normalen Kriminalität" entwickelt, sagte Rother am Freitag als Zeuge im Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses.

Im Spätsommer 2016 habe es über Amri die Bewertung gegeben: "Den kann man bald außer acht lassen", so Rother und nannte auch die Begründung: weil Amri sich vor allem im Bereich des Rauschgifthandels bewegt und sich weniger um das Thema Islam und religiöse Vorschriften gekümmert habe.

Polizei schaut weg, Amri radikalisiert sich

Genauso hatten das in den vergangenen Jahren bereits die befragten Vertreter der Berliner Kriminalpolizei dargestellt. Inzwischen weiß man durch zahlreiche Berichte und Untersuchungen aber, dass Amri sich gerade im Herbst 2016, als die Polizei ihn kaum mehr im Blick hatte, wegen seiner fehlenden Perspektive zunehmend radikalisierte und den Anschlag plante.

Der Tunesier Amri hatte 2016 zwölf Menschen getötet, als er einen Lastwagen stahl und damit auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche fuhr. Mehr als 70 Menschen wurden verletzt.

RND/dpa