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Ex-Botschafter Emerson: Biden wird „schnell mit Wiederaufbau unserer Allianzen“ beginnen

  • John Emerson war Obamas Botschafter in Deutschland – und kennt Joe Biden aus der gemeinsamen Partei- und Regierungsarbeit.
  • Im Interview zeigt er sich zuversichtlich, dass ein Präsident Biden die Kooperation mit Berlin schnell wieder verbessert – etwa beim Klimaschutz.
  • Aber Streitpunkte bleiben, etwa die Nato-Zielvorgabe für höhere deutsche Verteidigungsausgaben.
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John B. Emerson war von 2013 bis 2017 Barack Obamas Botschafter in Deutschland, zuvor leitete er die Privatkundenabteilung der billionenschweren US-Investmentgesellschaften Capital Group und unterstützte die Demokraten im Wahlkampf für Obama und dessen Vize Joe Biden. Emerson war von 1993 bis 1997 hochrangiger Stabsmitarbeiter im Weißen Haus von Bill Clinton und von 2010 an Mitglied in Obamas Beratungskomitee für Handelspolitik.

Seit seiner Abberufung aus Berlin durch Donald Trump lebt Emerson mit Ehefrau Kimberly Marteau Emerson in Los Angeles und arbeitet wieder bei der Capital Group, inzwischen als deren Vize-Vorsitzender. Seit 2018 ist er zudem Vorsitzender des American Council on Germany, eine nichtstaatliche Schwesterorganisation der Atlantik-Brücke.

Im RND-Interview spricht Botschafter a.D. Emerson über seine Erwartungen an eine Präsidentschaft von Joe Biden und dessen transatlantische Agenda.

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Mr. Emerson, Sie kennen Joe Biden, seit Sie für die Demokraten und später als Berater und Botschafter für die Obama/Biden-Regierung gearbeitet haben. Was denken Sie wird ihm in den ersten 100 Tagen als Präsident am wichtigsten sein?

Ich habe ihn als einfühlsamen, treusorgenden, empathischen und anständigen Mann kennen gelernt, der an Gott und die Menschen glaubt – und sich wirklich um sie kümmert. Er hat klar herausgestrichen, dass seine oberste Priorität sein wird, die Coronavirus-Epidemie in den Vereinigten Staaten unter Kontrolle zu bekommen.

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Bidens Siegesrede – „Lasst uns einander eine Chance geben!“
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In seiner Siegesrede nach der US-Präsidentenwahl kündigte der Demokrat an, das tief gespaltene Land zu einen.  © Reuters

Donald Trump hat bislang eine reguläre Amtsübergabe verweigert, zudem wollte ihn fast die Hälfte der Wähler als Präsident behalten. Was muss geschehen, damit Biden das polarisierte Volk wieder vereinen kann?

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Joe Biden hat unterstrichen, dass er der Präsident aller Amerikaner sein wird und dass er genauso hart für alle arbeiten wird, die ihn nicht gewählt haben, wie für jene, die ihn wählten. In seiner ersten Rede als gewählter Präsident betonte er auch: Wenn Demokraten und Republikaner sich zuletzt dagegen entschieden hatten zusammenzuarbeiten, können sie nun auch entscheiden, es künftig zu tun. Er steckt der Opposition die Hand entgegen - ich hoffe, das wird erwidert.

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Vor vier Jahren haben Sie korrekt vorausgesagt, dass Präsident Trump einen Besuch in Deutschland vermeiden wird, weil er hier so unpopulär ist. Den Wahlsieg von Biden hat sich dagegen eine große Mehrheit erhofft, würden Sie ihm zu einem baldigen Besuch hier raten?

Joe Biden war als Vizepräsident mehrmals in Deutschland, er hat zum Beispiel mehrfach auf der Münchner Sicherheitskonferenz gesprochen. Leider ist es schwer zu sagen, wann er als Präsident nach Deutschland kommen wird, denn derzeit hängt alles von der Coronavirus-Epidemie ab. Es gibt aber keinen Zweifel daran, dass er schnell mit dem Wiederaufbau unserer Allianzen beginnen wird.

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Ein Unterstützer des US-Präsidenten Donald Trump trägt Socken mit dem Muster der US-Fahne bei einer Demonstration vor dem Kapitol des Bundesstaates Pennsylvania.  @ Quelle: Julio Cortez/AP/dpa

Was werden seine Schwerpunkte dabei sein?

Ich bin sicher, dass die Biden/Harris-Regierung sich für die transatlantische Partnerschaft einsetzen und sich auf die vielen Felder konzentrieren wird, auf denen wir zusammenarbeiten können – etwa im Klimaschutz. Der Fokus wird nicht mehr einzig und allein auf Themen liegen, in denen wir unterschiedlicher Meinung sein mögen, wie es in den letzten Jahren war.

Ein großer Streitpunkt waren die Militärausgaben: Weil Deutschland sie nicht auf die NATO-Zielgröße von 2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erhöht hat, wollte Trump die US-Truppen abziehen. Ihr Nachfolger als Botschafter hatte kaum ein anderes Thema, viele Deutsche fühlten sich davon bedrängt. Wird das unter Präsident Biden so weitergehen?

Ich möchte nicht spekulieren, was er dazu sagen wird. Aber Fakt ist: Die Idee einer gerechteren Verteilung diese Lasten wurde zuerst von der Obama/Biden-Regierung angesprochen.

Sie wurden relativ kurz als Botschafter hier, haben deutsche Wurzeln und immer noch enge Verbindungen nach Deutschland. Wäre es nicht das Einfachste für den seit Monaten verwaisten US-Botschafterposten, wenn Joe Biden einfach Sie noch einmal nach Berlin schickt?

Kurz war meine Zeit in Berlin nicht: Ich habe meinen Posten als weltweit erster Botschafter in Präsident Obamas zweiter Amtszeit angetreten, und meine Frau und ich blieben im wahrsten Wortsinn bis zum ersten Tag von Präsident Trumps Amtszeit. Wir lieben die Wohnung, die wir uns in Berlin gekauft haben, und verbringen viel Zeit in Deutschland. Was Joe Bidens Berufungen angeht, weiß ich zwar nicht, wie er seine Regierung besetzen wird, aber ich bin sicher, dass er einen großartigen Botschafter für Deutschland benennt. Ich bin aber genauso sicher, dass ich das nicht sein werde! Präsidenten schicken Botschafter nicht in Länder zurück, in denen sie schon einmal gedient haben.

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