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EKD-Chef Bedford-Strohm unzufrieden mit kirchlicher Missbrauchsaufarbeitung

Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der EKD, wird sein Amt nach sieben Jahren abgeben.

Berlin.Der scheidende EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm ist unzufrieden mit dem Stand der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen und der Präventionsstrategie in der Evangelischen Kirche Deutschlands. „Wir haben es versucht. Aber ich bin trotz aller Anstrengungen und allem Erreichten nicht zufrieden mit dem Ergebnis“, sagte Bedford-Strohm im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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„Die EKD hat einen elf Punkte umfassenden Plan aufgestellt und ist ihn Schritt für Schritt gegangen. Dennoch ist es uns nicht gelungen zu vermitteln, dass wir das konsequent tun, und es ist uns vor allem auch nicht gelungen, das Vertrauen wiederzugewinnen, das verloren gegangen ist“, räumt der bayrische Landesbischof selbstkritisch ein. Er sagte weiter: „Die Fälle sexualisierter Gewalt in unserer Kirche belasten mich extrem. Deshalb bedauere ich sehr, dass wir in meiner Amtszeit als Ratsvorsitzender trotz aller Anstrengungen nicht noch weitergekommen sind.“

Die „moralische Fallhöhe“ sei bei den Kirchen besonders hoch

Die Missbrauchsskandale sind auch Thema der am Sonntag beginnenden Herbstsynode der EKD in Bremen, bei der Bedford-Strohm sein Amt nach sieben Jahren abgeben wird. Er appelliert an seine und auch an die katholische Kirche, bei der Aufarbeitung nicht nachzulassen.

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Von Vertuschung und Aufarbeitung – Sexueller Missbrauch in der Kirche

Lisa Meyer (Name geändert) wurde als Kind von einem Diakon schwer missbraucht. Jahrzehnte später kämpft sie um die Aufarbeitung.

„Es ist nachvollziehbar, dass wir als Kirchen gemeinsam im Fokus stehen, so unterschiedlich die Betroffenheiten jeweils sind. Die moralische Fallhöhe ist bei keiner anderen Institution so hoch“, betonte Bedford-Strohm. „Darum stehen wir in der Pflicht, konsequent so zu handeln, dass Risiken so weit wie irgend möglich minimiert werden.“

EKD-Chef erwartet von Politik mehr Klimainvestitionen

Beim Thema Politik erwartet Bedford-Strohm von einer künftigen Ampelkoalition, die Maßgabe der ausgeglichenen Haushalte zugunsten einer klimagerechteren Zukunft aufzugeben. „Es wäre unverantwortlich, wenn wir zum Beispiel unter Berufung auf eine schwarze Null in unserem jetzigen Haushaltsbudget die Investitionen unterlassen, die notwendig sind, weil dadurch später noch viel höhere Kosten von anderen übernommen werden müssen – nämlich von unseren Kindern, Enkeln und Urenkeln“, sagte der bayrische Landesbischof.

Bedford-Strohm erhofft sich von einer Ampelkoalition auch eine Erneuerung der politischen Kultur. „Politische Debatten können nicht immer nur freundlich sein. Da geht es zur Sache, und es kann auch mal hart werden“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende. „Aber hinter allem Streiten um den richtigen Weg muss immer der Mensch gesehen werden. Das ist für mich ein unumstößliches Kriterium. Ich bin davon überzeugt, dass die Glaubwürdigkeit einer politischen Kultur, die von Humanität, Achtung und Respekt geprägt ist, immer auch am eigenen Verhalten hängt.“

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Als Beispiel nannte Bedford-Strohm die scheidende Bundeskanzlerin. „Angela Merkel bewahrt immer die Ruhe, selbst bei persönlichen Angriffen. Sie ist sich immer treu geblieben, auch wenn sie heftig und auch ungerecht kritisiert wurde. Angela Merkel selbst hat nie Menschen herabgewürdigt“, sagte der Bischof.

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