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Die EKD hat eine neue Ratsvorsitzende: Wer ist Annette Kurschus?

  • Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat eine neue Ratsvorsitzende.
  • Annette Kurschus ist Nachfolgerin des bayrischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm.
  • Die EKD hat mit der Wahl der 58-Jährigen nun ein Frauentrio an der Spitze.
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Berlin. Monatelang wurde in der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) über die Chancen von Annette Kurschus orakelt. Seit den Wahlen in den Rat der EKD am Dienstag stand die westfälische Präses Annette Kurschus mit ihrem Ergebnis als Favoritin für den EKD-Vorsitz fest.

Nun hat sie es geschafft: Kurschus, in den vergangenen sechs Jahren Stellvertreterin des obersten EKD-Repräsentanten Heinrich Bedford-Strohm, ist neue Ratsvorsitzende.

Mit Kurschus‘ Wahl und der Bestimmung von Hamburgs Landesbischöfin Kirsten Fehrs (60) zu ihrer Stellvertreterin stehen nun erstmals in der Geschichte der EKD drei Frauen an der Spitze. Im Frühjahr war bereits die 25-jährige Studentin Anna-Nicole Heinrich zur Präses der EKD-Synode gewählt worden.

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Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, ist die neue EKD-Ratsvorsitzende. © Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Die 58-jährige Kurschus, geboren im hessischen Rotenburg, wuchs in einem evangelischen Pfarrhaus auf. Ärztin wollte sie werden, Gemeindepfarrerin wurde sie. Die Theologin übernahm schnell Verantwortung in ihrer Kirche. Seit 2011 ist sie leitende Geistliche der Evangelischen Kirche in Westfalen, 2015 übernahm sie den Vizeposten im Rat der EKD.

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Die neue Ratsvorsitzende ist keine Frau, die in die Öffentlichkeit drängt. Dabei ist sie eine brillante Predigerin – dafür erhielt sie Ende Oktober den diesjährigen Ökomenischen Predigtpreis fürs Lebenswerk.

Der Bonner Theologieprofessor Eberhard Hauschildt begründete die Entscheidung der Jury so: Die Theologin habe „bereits Standards dafür gesetzt, was Predigt einer Kirchenrepräsentantin etwa in öffentlicher Trauer bei Katastrophen leisten kann“.

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Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck, ist stellvertretende Ratsvorsitzende der EKD. © Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Gemeint ist Kurschus‘ Predigt beim zentralen Trauergottesdienst für die Opfer des Germanwings-Flugzeugabsturzes 2015 im Kölner Dom, als sie das Entsetzen über das Unglück mit 150 Toten einfühlsam in Wort fassen konnte. Auch ihre Osterpredigt beim ZDF-Gottesdienst während des ersten Corona-Lockdowns 2020 ist vielen Gläubigen in Erinnerung geblieben.

Jetzt ist es an der neuen EKD-Ratsvorsitzenden, das Kirchen-Schiff wieder in ruhigere See zu steuern - wenn das überhaupt möglich ist.

Die evangelische Kirche wird vermutlich in diesem Jahr noch die Mitgliedermarke von 20 Millionen unterschreiten. Ein strikter Sparkurs führt in allen Mitgliedskirchen zu Belastungsproben. „In unserer Kirche steht eine Erneuerung an, deren Ausmaß und deren Radikalität wir wohl alle erst zaghaft ahnen“, sagte Kurschus in ihrer Bewerbungsrede.

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Von Vertuschung und Aufarbeitung – Sexueller Missbrauch in der Kirche
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Lisa Meyer (Name geändert) wurde als Kind von einem Diakon schwer missbraucht. Jahrzehnte später kämpft sie um die Aufarbeitung.  © epd

Die Kirche hat Nachwuchsprobleme und ringt um ihre Relevanz in der Gesellschaft. Dazu kommt das verloren gegangene Vertrauen in der Folge der aufgedeckten Missbrauchsfälle und die schleppende Aufarbeitung, die viele Opfer beklagen.

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Heinrich Bedford-Strohm war sieben Jahre Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland. © Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/

Es spricht vieles dafür, dass sich die Kirche unter Kurschus stärker um sich selbst kümmern wird – und weniger in den gesellschaftlichen Diskurs einsteigt, als es in der Amtszeit von Bedford-Strohm geschah. Der hatte gern in gesellschaftlichen Debatten multimedial mitgemischt – ob es um Migration, Seenotrettung oder andere politische Debatten ging. Dafür wurde der Vorgänger von Kurschus auch Ziel vieler Anfeindungen.

Die ersten Fingerzeige ihres Kurses gab die Ratsvorsitzende in ihrer Bewerbungsrede für den Rat am vergangenen Sonntag. „Ich setze auf die Kraft geistlich-theologischer Akzente“, hatte sie betont. Und setzte nach: „Wo wir uns als Rat öffentlich zu Wort melden, sollte das erkennbar begründet und wohlüberlegt sein.“

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Kurschus‘ zentrale Frage ist: Was genau erwartet die Gesellschaft von der Kirche? Ihre Antwort: „Wir können nicht nur Kirche für die Menschen sein, sondern auch eine Kirche, von der sich die Menschen vertreten und gesehen fühlen. Dazu lohnt es sich, das Theologische und Geistliche hervorzuholen, die Quellen, aus denen wir ursprünglich leben.“

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