Alle wichtigen Fragen und Antworten

Neuer Raketenschutzschirm für Europa: Was kann der European Sky Shield?

Eine Arrow-3-Abfangrakete startet von einem israelischen Militärstützpunkt an der Mittelmeerküste.

Eine Arrow-3-Abfangrakete startet von einem israelischen Militär­stützpunkt an der Mittelmeerküste. Mit einem europäischen Raketen­schutz­schirm wollen sich Deutschland und 14 weitere europäische Staaten vor Luftangriffen schützen. In diesem Zusammenhang wurde am Donnerstag die sogenannte European Sky Shield Initiative, ein Projekt zum Aufbau eines besseren europäischen Luft­verteidigungs­systems, auf den Weg gebracht.

Neben 14 weiteren Staaten hat Deutschland die sogenannte European Sky Shield Initiative, ein Projekt zum Aufbau eines besseren europäischen Luft­verteidigungs­systems, auf den Weg gebracht. Bundes­verteidigungs­ministerin Christine Lambrecht unterzeichnete am Donnerstag am Rande eines Nato-Treffens in Brüssel mit Kolleginnen und Kollegen eine Erklärung zu dem Projekt. Ziel ist es, bestehende Lücken im derzeitigen Schutzschirm für Europa zu schließen. Wir blicken auf die wichtigsten Fragen und ihre Antworten rund um den neuen Raketen­schutz­schirm.

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Warum ist ein neuer Raketenschutzschirm notwendig?

Der aktuelle Schutzschirm in der Verteidigung Deutschlands, aber auch der Nato-Alliierten in Europa hat einige Lücken. Defizite gibt es dort beispiels­weise im Bereich ballistischer Raketen, die auf ihrer Flugbahn große Höhen erreichen, aber auch bei der Abwehr von Drohnen und Marsch­flug­körpern. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die Sicherheitslage in Europa nach Einschätzung der Nato fundamental verändert und macht deswegen zusätzliche Anstrengungen bei der Luft­verteidigung in Europa notwendig. Bislang war die Raketenabwehr in Europa vor allem auf mögliche Bedrohungen aus dem Iran ausgerichtet.

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Welche Staaten sind an dem neuen Raketenschutzschirm beteiligt?

Wie das Verteidigungsministerium am Donnerstag mitteilte, haben sich insgesamt 15 Staaten dem Projekt um eine gemeinsame Beschaffung eines europäischen Luft­verteidigungs­systems angeschlossen. Zur Unterzeichnungszeremonie am Donnerstag­morgen kamen Vertreter aus Großbritannien, der Slowakei, Norwegen, Lettland, Ungarn, Bulgarien, Belgien, Tschechien, Finnland, Litauen, den Niederlanden, Rumänien und Slowenien. Zudem will nach Angaben von Diplomaten auch Estland mitmachen. Unter dem Hashtag #StrongerTogether gab das Ministerium den Auftakt des Projekts in den sozialen Medien bekannt.

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Welche Waffen sind aktuell im Einsatz?

Derzeit hat Deutschland für den näheren Bereich und die Bekämpfung von Flugzeugen und Hubschraubern die Flugabwehrrakete Stinger im Einsatz, die für einen Abschuss von der Schulter aus auch in die Ukraine abgegeben wurde. Auf die mittlere Distanz wirkt das größere Patriot-System. Deutschland verfügt noch über zwölf Abschussanlagen – was aber bei Weitem nicht für den Schutz des gesamten Landes reicht. Bei der Abwehr ballistischer Raketen, die auf ihrer Flugbahn große Höhen erreichen, wird der Bundeswehr sogar eine „Fähigkeitslücke“ bescheinigt.

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Wie soll der Schutzschirm aussehen?

Als wahrscheinlichste Option gilt die Anschaffung des israelischen Systems Arrow 3. Zudem ist der Kauf weiterer Patriot- und Iris-T-Systeme im Gespräch.

Was kann Arrow 3 leisten?

Arrow 3 bildet die höchste Stufe von Israels mehrstufiger Raketenabwehr und kann angreifende Waffen­systeme in einer Entfernung von bis zu 2400 Kilometern und bis über 100 Kilometer Höhe außerhalb der Atmosphäre im beginnenden Weltraum treffen. Das System arbeitet demnach sogar in der Stratosphäre. Damit vergrößert sich auch die am Boden geschützte Fläche und Sprengköpfe werden weit vom Ziel entfernt zerstört. Sollte eine der rund sieben Meter langen Abwehrraketen dennoch ihr Ziel verfehlen, ist sie mit einem Näherungs­zünder ausgestattet, der bei nahen Vorbeiflügen auslöst und einen Splitter­sprengkopf explodieren lässt. Damit kann eine Arrow-3-Rakete bis zu 50 Meter entfernte Ziele effektiv bekämpfen.

Und was ist mit dem Iron Dome?

Im Zusammenhang mit der Raketenabwehr Arrow 3 fällt häufig der Name Iron Dome. Hierbei muss jedoch zwischen den Systemen um Iron Dome und Arrow 3 unterschieden werden. Iron Dome bezeichnet das israelische Raketen­abwehr­system. Dieses richtet sich gegen Raketen mit sehr kurzer Reichweite und Artilleriemunition – vor allem aus dem Gazastreifen. Das System wäre für Deutschland aufgrund der Funktionsweise aber wenig geeignet. Arrow 3 hingegen richtet sich gegen hoch und lang fliegende ballistische Raketen. Hinzu kommt David’s Sling, das gegen ballistische Raketen mit einer Reichweite von bis zu 300 Kilometern sowie gegen Flugzeuge eingesetzt werden kann.

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Soll eine feindliche Rakete abgewehrt werden, wird zunächst von einem Radarsystem ein möglicher Treffpunkt berechnet. Nach dem Abschuss der Abwehrrakete kann diese mithilfe schwenkbarer Triebwerke ihre Richtung ändern, sodass auch gelenkte Geschosse getroffen werden können. Wie der „Spiegel“ im März schrieb, soll eine Arrow-3-Rakete eine bis zu neunfache Schallgeschwindigkeit erreichen können. Die Abschussbatterien von Arrow 3 können innerhalb von 30 Sekunden bis zu fünf Raketen abfeuern.

Nato unterstützt die Luftverteidigung der Ukraine

In Brüssel haben sich die Verteidigungsminister der Nato-Staaten und auch Vertreter der Ukraine Defense Contact Group getroffen.

Wo liegt der Ursprung des Arrow-Abwehrsystems?

Dem „Spiegel“-Bericht zufolge geht die Arrow-Technologie zurück auf die „Krieg der Sterne“-Wahnidee des früheren US-Präsidenten Ronald Reagan. Dieser träumte während der Achtzigerjahre davon, im Ernstfall einfliegende Sowjet-Atomraketen auch mit weltraum­basierten Laserwaffen abschießen zu können. Obwohl das Gesamtprojekt scheiterte, konnte es dennoch den Auftakt zu erfolgreichen Teilentwicklungen, wie etwa dem Arrow-Abwehrsystem, setzen. Ein israelisches Unternehmen wurde 1988 mit dessen Entwicklung beauftragt, ehe der erste Arrow-Start im Jahr 1990 stattfand.

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Wo ist Arrow 3 bereits im Einsatz?

Israel ist bislang das einzige Land, das über Arrow 3 verfügt. Allerdings haben sich in der Vergangenheit immer wieder Länder um die Anschaffung des Raketen­abwehrsystems beworben. Darunter befanden sich Indien, die Türkei, das Vereinigte Königreich, Japan und Singapur. Der Export aus Israel scheiterte jedoch immer an politischen Gründen oder der Absage der USA. Deutschland wäre somit das erste Land, in das das Arrow-System exportiert werden darf.

Wann könnte das Raketenabwehrsystem in Betrieb gehen?

Im September äußerte Verteidigungs­ministerin Christine Lambrecht die Vermutung, dass Arrow 3 für Deutschland frühestens 2025 in Betrieb genommen werden könnte. „Sollten wir uns für das System entscheiden und jetzt sofort Verträge abschließen und sollte die Industrie dann auch umgehend liefern können, dann könnten wir im Idealfall nächstes Jahr mit der Ausbildung anfangen“, sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Demnach könne das System „unter optimalen Bedingungen frühestens 2025 in Betrieb genommen werden“.

Wo liegen die Kosten von Arrow 3?

Zuletzt wurden die Kosten von Arrow 3 auf rund 2 Milliarden Euro geschätzt, berichtet die „Tagesschau“ im August. Je größer der Kreis der europäischen Partner ist, umso günstiger könne sich das Projekt dem Bericht zufolge gestalten.

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mit dpa

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