EuGH: EU-Staaten dürfen trotz Rechtsstaat-Zweifeln nach Polen ausliefern

  • EU-Staaten dürfen ungeachtet wachsender Zweifel an der Unabhängigkeit der polnischen Justiz kein generelles Auslieferungsverbot verhängen.
  • Das entschied der Europäische Gerichtshof am Donnerstag.
  • Es geht um einen in den Niederlanden wegen Drogendelikten festsitzenden Polen, der nicht in seine Heimat ausgeliefert werden will.
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Luxemburg. EU-Staaten dürfen ungeachtet wachsender Zweifel an der Unabhängigkeit der polnischen Justiz kein generelles Auslieferungsverbot verhängen.

Der Europäische Gerichtshof entschied am Donnerstag, dass die Vollstreckung eines Europäischen Haftbefehls weiterhin nur dann verweigert werden darf, wenn der betroffenen Person tatsächlich ein unfaires Verfahren droht. Dies muss im Einzelfall geprüft werden.

Hintergrund des neuen EuGH-Urteil ist ein in den Niederlanden laufendes Verfahren, in dem sich ein wegen Drogendelikten festgenommener Pole gegen seine Überstellung in sein Heimatland wehrt.

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Das mit dem Fall befasste Amsterdamer Gericht wollte vom EuGH unter anderem wissen, ob ein Europäischer Haftbefehl ohne Einzelfallprüfung vollstreckt werden kann, wenn zuvor festgestellt wurde, dass grundsätzlich eine „reelle Gefahr“ eines unfairen Verfahrens besteht, weil die polnischen Gerichte „aufgrund systemischer und allgemeiner Mängel nicht mehr unabhängig sind“.

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EuGH befasst sich mit mehreren Klagen gegen Polen

Die Zweifel an der Unabhängigkeit der polnischen Justiz gibt es wegen umstrittener Reformen der national-konservativen Regierung in Warschau. Sie haben bereits zu einer ganzen Reihe von Klagen vor dem EuGH geführt.

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In Warschau gingen Zehntausende Menschen gegen die Verschärfung der Gesetzeslage auf die Straße.  © Reuters

In einem noch laufenden Verfahren legte der zuständige EuGH-Generalanwalt am Donnerstag ein für die Regierung unangenehmes Gutachten vor. Er kommt darin zu dem Schluss, das ein polnisches Gesetz zum Verfahren zur Beurteilung von Richterkandidaten für das Oberste Gericht gegen EU-Recht verstößt.

Ein Urteil in dem Fall wird nun in der ersten Hälfte des kommenden Jahres erwartet.

RND/cle/dpa

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