EU-Kommission verhängt Fangstopp für Dorsch in der Ostsee

Die EU-Kommission hat einen Fangstopp für Dorsche in der Ostsee verhängt.

Die EU-Kommission hat einen Fangstopp für Dorsche in der Ostsee verhängt.

Brüssel. In großen Teilen der Ostsee darf bis Ende des Jahres kein Dorsch mehr gefangen werden. Das beschloss die EU-Kommission am Dienstag. Die Anordnung gelte mit sofortiger Wirkung, teilte die Brüsseler Behörde mit. Der Fischbestand soll sich dadurch erholen.

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Mit ihrer Entscheidung ging die EU-Kommission sogar über die Empfehlungen von Experten hinaus. Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) hatte Ende Mai zu einem Fangstopp für den sogenannten Östlichen Dorsch vom kommenden Jahr an geraten. Während die Grünen in Brüssel den Fangstopp für die gewerbliche Fischerei lobten, kam Kritik von europäischen Konservativen.

In den Gewässern östlich der Insel Rügen dürfen Fischer bis zum 31. Dezember 2019 keine Dorsche mehr fangen, heißt es in der EU-Verordnung. Ausgenommen sind Fischer, die in Küstennähe arbeiten.

Bestand seit Jahren gefährdet

Der Östliche Dorsch galt bis vor einigen Jahren als eine der wichtigsten Fischsorten in der Ostsee. Mehr als 7000 Fischer aus den acht Ostsee-Anrainerstaaten, die zugleich EU-Mitgliedsländer sind, gehen auf Dorschfang.

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Der Bestand ist allerdings seit Jahren gefährdet. Vor allem erreichen viele Dorsche nicht mehr die zulässige Mindestlänge von 35 Zentimetern. Dafür werden neben der Überfischung auch Umwelteinflüsse verantwortlich gemacht. Die Fangquoten sanken von mehr als 69 000 Tonnen im Jahr 2014 auf nur noch gut 24 000 Tonnen in diesem Jahr.

„Der Einfluss von Umweltfaktoren wie der Landwirtschaft zeigt, dass wir einen ganzheitlichen Ansatz benötigen, um Ökosysteme und Fischerei in der Ostsee zu schützen und zu stärken“, sagte Ska Keller, Fraktionschefin der Grünen im Europaparlament, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Der Dorschbestand in der Ostsee sei in einem schlechten Zustand. „Zu diesem Zeitpunkt helfen nur drastische Maßnahmen wie Fangstopps.“ Das könne allerdings dazu führen, dass „sich der Fischereidruck jetzt auf andere Bestände verschiebt, die sich nur langsam erholen“, so Keller weiter.

Konkurrenz aus dem Baltikum

Kritik an der Entscheidung der EU-Kommission kam dagegen von den europäischen Konservativen. „Der Fangstopp kann für etliche Fischer existenzbedrohend werden“, sagte der schleswig-holsteinische Europaabgeordnete Niclas Herbst (CDU) dem RND. Herbst forderte Mittel aus dem EU-Fischereifonds, um die betroffenen Fischer finanziell zu unterstützen.

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Der CDU-Europaabgeordnete erwartete, dass nun Fischereiboote aus Polen und dem Baltikum in die westliche Ostsee ausweichen, wo der Fangstopp nicht gilt. „Das wird natürlich die Konkurrenzsituation für die Fischer zum Beispiel aus Mecklenburg-Vorpommern verschärfen“, sagte Herbst.

Ob der Fangstopp auch im nächsten Jahr gilt, entscheiden die EU-Fischereiminister im Herbst.

Von Damir Fras/RND

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