Zweite Welle womöglich im Januar

Bei neuer Mobilmachung: Estland will keine flüchtenden Russen ins Land lassen

Bei der Mobilmachung eingezogene russische Reservisten stehen beim Training vor einem Panzer.

Bei der Mobilmachung eingezogene russische Reservisten stehen beim Training vor einem Panzer.

Nachdem der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow die russische Bevölkerung in einer Videoansprache vor einer neuen Mobilmachungswelle in Russland gewarnt hat, wächst die Sorge vor einer neuen Fluchtbewegung. Estlands Außenminister Urmas Reinsalu sagte nun im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dass Estland nicht bereit sei, Russen ins Land zu lassen, wenn sie vor einer erneuten Mobilisierung aus Russland flüchten.

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Die Flucht vor dem Kriegsdienst sei sicherlich kein Argument, einen Antrag auf Einreise nach Estland zu stellen, so Reinsalu. Die Grenzpolizei werde Maßnahmen ergreifen, um illegale Grenzübertritte zu verhindern. Zwischen 700.000 und einer Million Russen hatten ihr Land nach der ausgerufenen Mobilmachung verlassen, berichtet „Forbes“, davon etwa 200.000 nach Kasachstan und Zehntausende nach Georgien und Finnland. Estland hat seine Grenzen schon früh für Russen geschlossen.

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Dass im Januar eine zweite Einberufungswelle in Russland stattfinden könnte, geht schon länger als Gerücht umher. Das kremlkritische Portal Verstka hatte darüber berichtet, dass die russischen Behörden unter Hochdruck daran arbeiten, die Fehler der ersten Mobilisierungswelle zu beheben, um für die nächste Einberufungswelle nach Neujahr bereit zu sein. Estlands Außenminister erklärte, ihm lägen keine Informationen vor, die die Aussage des ukrainischen Verteidigungsministers zu den Planungen einer neuen Mobilmachung bestätigen oder widerlegen.

Resnikow hatte die russische Bevölkerung gewarnt, dass die russischen Behörden Anfang Januar die Grenzen für Russen schließen, das Kriegsrecht ausrufen und eine weitere Mobilisierungswelle einleiten würden. Bereits ab dem 5. Januar könnten erste Maßnahmen nach Angaben eines Sprechers im ukrainischen Verteidigungsministerium getroffen werden.

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„Wir brauchen eine enorme Menge an Munition. Wir brauchen Ersatzteile“, sagte der Norweger in einem BBC-Gespräch am Wochenende.

Estlands Sprecher im Verteidigungsministerium, Taavi Laasik, betonte am Montag, dass in Russland kontinuierlich verdeckte Mobilisierungen stattfinden würden. Sollte es zu einer erneuten Mobilisierungswelle kommen, sei die Qualität der rekrutierten Soldaten noch geringer als bei der ersten Mobilmachung, so Laasik.

Am 21. September hatte der russische Präsident Wladimir Putin schon einmal die Mobilmachung von 300.000 Reservisten und Rekruten ausgerufen. Hintergrund sind die enormen Verluste in der russischen Armee, vor allem bei den professionellen Vertragssoldaten, und die immer neuen Rückschläge der russischen Streitkräfte in der Ukraine.

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Die neuen Soldaten sollten laut des Kremlchefs die mehr als 1000 Kilometer lange Frontlinie sichern und die Rückeroberung durch die ukrainische Armee verhindern. Militärexperten wiesen jedoch auf das schlechte Ausbildungs- und Ausrüstungsniveau der neu mobilisierten Truppen hin. Dies habe zur Folge, dass sie nicht für Offensivoperationen eingesetzt werden könnten, sondern eher für Verwaltungstätigkeiten in besetzten Gebieten, wie unter anderem Russland-Experte Vladimir Frolov vom Moskauer Carnegie-Thinktank glaubt. Dadurch würden jedoch kampferfahrene Soldaten frei, die an der Front eingesetzt werden könnten.

Trotzdem hielten Militärexperten es für unwahrscheinlich, dass der Kriegsverlauf durch die Mobilmachung beeinflusst wird. Putin müsse grundlegende Mängel des russischen Militärpersonals und in den Ausrüstungssystemen beheben, wenn die Mobilmachung einen Effekt haben soll, heißt es in einer Analyse des Institute for the Study of War (ISW). „Die Qualität der Reservisten ist schlecht und ihre Kampfmotivation wohl noch schlechter.“

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