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Fremdschamduell um US-Präsidentschaft: Sagt die weiteren TV-Debatten ab

  • Bei der ersten Präsidentschaftsdebatte in den USA präsentierte sich keine stolze Führungsnation, sondern der Wilde Westen.
  • Mit seinem Pöbelauftritt dürfte Donald Trump seine rechte Basis unterhalten haben. Für den Rest des Landes war es eine Qual.
  • Herausforderer Joe Biden sollte sich und den Bürgern einen Dienst erweisen und die weiteren Duelle absagen, kommentiert Karl Doemens.
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Washington. Der Verlierer des TV-Duells um die US-Präsidentschaft ist leicht auszumachen: Es ist die amerikanische Demokratie. Wer bislang noch nicht begriffen hat, in welchem dramatischen Zustand sich die zerrissene Gesellschaft der einstigen westlichen Führungsmacht befindet, der muss seine Fremdscham überwinden und die anderthalb Stunden dieser Präsidentschaftsdebatte anschauen. Nicht nur wurde kein einziges ernsthaftes Argument ausgetauscht. Die Grundregeln eines zivilisierten Miteinanders, zu denen das Einhalten vereinbarter Regeln und das Ausredenlassen gehören, wurden vom Präsidenten der USA systematisch mit Füßen getreten. Da präsentierte sich nicht die selbst ernannte “größte Nation der Welt”, sondern der finsterste Wilde Westen.

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Schlüsselpassage war Trumps Hinweis an die extreme Rechte
8:11 min
Constanze Stelzenmüller, Außenpolitik-Expertin in Washington, analysiert im Gespräch mit RND-Korrespondentin Marina Kormbaki das TV-Duell Trump gegen Biden.

Die rechte Basis steht sowieso hinter Trump

Schwerer ist die Frage zu beantworten, wer bei dieser desaströsen Veranstaltung als Sieger vom Platz gegangen ist. Chris Wallace, der eigentlich erfahrene und renommierte Moderator, bestimmt nicht. Seine Aufgabe war im Grunde unlösbar. Donald Trump hatte sich nämlich von Anfang an vorgenommen, keinerlei Gespräch aufkommen zu lassen und stattdessen mit dauernden Zwischenrufen, Beleidigungen, Pöbeleien und Lügengeschichten ein möglichst irres Chaos zu verursachen.

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Chaotisches TV-Duell zwischen Trump und Biden
3:40 min
Die etwa 90-minütige Debatte war geprägt von gegenseitigen Beleidigungen und persönlichen Angriffen, streckenweise verlief sie regelrecht chaotisch.  © Reuters

Seinen Anhängern dürften die Ausfälle des testosterongetriebenen Rüpels gegen das vermeintliche Weichei Joe Biden gefallen haben. Doch die rechte Basis steht ohnehin hinter Trump. Jene 30 bis 40 Prozent des Landes aber reichen nicht, um eine Wahl zu gewinnen. Dazu braucht Trump mehr Stimmen von weiblichen Vorstadtbewohnerinnen. Dass er bei denen gepunktet hat, ist höchst unwahrscheinlich.

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Biden hat nicht gepatzt

Sein Herausforderer Joe Biden auf der anderen Seite tritt mit dem Anspruch an, als Versöhner die Seele Amerikas zu heilen. An der Wirtshausschlägerei konnte er sich daher nicht beteiligen, weshalb er trotz einiger Konter (“Würden Sie mal die Klappe halten, Mann?”) zeitweise in der Defensive war und selten ausreden konnte. Das wirkte manchmal etwas blass, war taktisch aber sicher klüger, als sich auf das Niveau des Präsidenten zu begeben.

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In den Umfragen liegt Biden seit Wochen vor Trump. Er musste daher nicht unbedingt glänzen, durfte aber auch nicht patzen. Das ist ihm gelungen. Er hat bewiesen, dass er nicht jener senile Tattergreis ist, als den Trump ihn zu karikieren versucht. Sein politisches Programm aber kann er besser in Reden und Diskussionen mit Wählern ausbreiten. Eine weitere Schlammschlacht braucht er dafür nicht. Biden könnte sich, dem Land und der Demokratie einen großen Gefallen tun, wenn er die geplanten zwei weiteren Duelle mit dem Pöbelpräsidenten einfach absagt.

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