Erste Zeichen von Rot-Grün?

  • Auch im dritten und letzten Triell vor der Bundestagswahl liegt SPD-Kandidat Olaf Scholz in der Zuschauergunst vorn.
  • Bemerkenswert war allerdings ein besonderer Moment zu Beginn der Sendung.
  • War dies ein erstes Zeichen von Rot-Grün?
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

beim TV-Triell gab es gestern Abend einen sehr spannenden Moment. Als Armin Laschet auf Konfrontationskurs mit seinen Triellgegnern ging und Annalena Baerbock überraschend konterte, stand Laschet plötzlich mit dem Rücken zur Wand. „Ich habe jetzt nicht verstanden, worauf ich eingehen soll“, stammelte Laschet und wirkte sichtlich angespannt.

Moderatorin Linda Zervakis spielte den Ball weiter zu Scholz und fragte ihn: „Haben Sie es verstanden?“ Ja, Olaf Scholz hatte das Argument von Baerbock verstanden und erklärte mit ruhiger Stimme, dass er die Kritik der Grünen-Kandidatenkollegin durchaus berechtigt finde.

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Für einen Moment schien es, als zeichne sich hier bereits ein rot-grünes Bündnis ab. Wie groß die inhaltlichen Überschneidungen von SPD und Grünen sind, wurde beim Triell einmal mehr deutlich. „Wir brauchen in der Tat 2 Prozent der Landesfläche für Windkraft“, meinte Scholz und wies mit einer Handbewegung zu Baerbock neben ihm, die genau dies vor wenigen Minuten noch gefordert hatte. Auch in der Sozialpolitik ähneln sich die Programme von SPD und Grünen an zahlreichen Stellen. Beide sprechen sich zum Beispiel für einen Mindestlohn von 12 Euro aus und für höhere Steuern bei sehr hohen Einkommen.

Olaf Scholz (SPD) springt seiner Konkurrentin Annalena Baerbock zur Seite, als Laschet ihr in die Parade fahren will. © Quelle: imago images/Rene Traut

Laschet versuchte später, Scholz beim Mindestlohn zu stellen. Die Sozialdemokraten wollten doch starke Gewerkschaften haben, diese müssten die Löhne aushandeln, nicht der Staat. Scholz schießt zurück und teilt gegen Laschet aus: Es gehe ihm um die Würde der Bürgerinnen und Bürger. „Das ist das, was uns vielleicht unterscheidet.“

Dass Laschet – wie bereits beim zweiten TV-Triell – auf Angriff setzte, hat ihm in der Zuschauergunst offenbar nicht viel helfen können. In der Nachbefragung gaben 42 Prozent des befragten Publikums an, dass Olaf Scholz beim Triell die bessere Figur gemacht habe. „Der SPD-Mann war an vielen Stellen in dem Triell wieder präziser als der CDU-Chef“, schreibt die stellvertretende Leiterin des RND-Hauptstadtbüros, Kristina Dunz. „Die Wahl wird sich zwischen Laschet und Scholz entscheiden.“

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Überraschen dürften die guten Werte für Scholz längst niemanden mehr. Schließlich lag der SPD-Kandidat schon bei den vergangenen Triellen und in den letzten Vorwahlumfragen deutlich vorn. Dass Scholz in diverse Skandale verwickelt war, wurde beim TV-Triell zwar kurz angesprochen, scheint ihm offenbar aber nicht zu schaden. Wirecard, Cum-ex, Anti-Geldwäsche-Behörde FIU – Scholz hatte stets die Schuld von sich gewiesen und Aufklärung und Transparenz versprochen. Am Montag muss Scholz erneut antreten und unangenehme Fragen im Finanzausschuss beantworten. Es geht um die überforderte FIU und eine Hausdurchsuchung im Bundesfinanz­ministerium in diesem Zusammenhang. Die Opposition erhöht den Druck und fordert eine Ehrenerklärung von Scholz, dass es nach der Wahl keine neuen Enthüllungen geben werde.

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Zitat des Tages

Wir sind keine Terroristen.

Matiullah Ruhani, Talibansprecher in Kundus

Die Ressourcen werden knapp: Die Taliban im nordafghanischen Kundus bitten die internationale Gemeinschaft um humanitäre Hilfe. In Afghanistan droht vier Millionen Menschen nach UN-Angaben ein „Nahrungsmittel­notstand“.

Leseempfehlungen

Landtagswahl Berlin: Am Tag der Bundestagswahl ist auch die Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin. Die frühere Bundesfamilien­ministerin und SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey hat passable Chancen – trotz ihres aberkannten Doktortitels. Mit chronisch guter Laune versucht sie, die Berlinerinnen und Berliner im Wahlkampf für sich zu gewinnen – doch ein Volksentscheid bereitet ihr riesige Probleme. Eine Reportage von RND-Reporter Tobias Peter.

Landtagswahl MV: Der Landtags­wahlkampf im Nordosten hat nichts von der Schärfe und Spannung des Rennens ums Kanzleramt. In Mecklenburg-Vorpommern profitiert SPD-Minister­präsidentin Manuela Schwesig von ihrem Kümmererimage. Konkurrent Michael Sack von der CDU ist hilflos, analysiert RND-Hauptstadt­korrespondent Jan Sternberg.

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Aus unserem Netzwerk: Demo in Leipzig eskaliert – schon wieder

Am Wochenende brannte es wieder im Leipziger Stadtteil Connewitz. Nach dem offiziellen Ende der „Wir sind alle Linx“-Demonstration werden im Leipziger Stadtteil Connewitz Barrikaden errichtet und angezündet, wie die „Leipziger Volkszeitung“ berichtet. Der Leipziger Oberbürgermeister, Burkhard Jung von der SPD, fordert: „Von dieser Demonstration müssen sich Demokraten distanzieren.“

Video
Demonstration in Leipzig: Steinwürfe und brennende Barrikaden
1:05 min
Im Zuge einer Demonstration unter dem Motto „Wir sind alle Linx“ ist es am Samstag in Leipzig zu Ausschreitungen gekommen.  © dpa

Termine des Tages

10 Uhr: Heute beschäftigt sich der Finanzausschuss mit der Durchsuchung im Finanzministerium im Zusammenhang mit der Anti-Geldwäsche-Einheit FIU. Die CDU fordert, dass SPD-Spitzenkandidat und Finanzminister Olaf Scholz dem Gremium persönlich Rede und Antwort steht. Scholz wird am Montag zu Wahlkampf­auftritten in Baden-Württemberg erwartet.

Ganztägig: Kanadas Premier Justin Trudeau hat Neuwahlen ausgerufen. Hintergrund: Er möchte aus seiner Minderheits­regierung eine Führung mit absoluter Mehrheit im Parlament machen. Umfragen sehen bislang keine großen Veränderungen zum Status quo. Es gibt mehr Briefwählerinnen und ‑wähler als normalerweise. Die spätere Auszählung dieser Stimmen könnte Einfluss auf die Verkündung des Ergebnisses haben.

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Wer heute wichtig wird

Der Strafprozess des Landgerichts Braunschweig gegen vier Angeklagte im VW-Abgasskandal geht weiter. Es geht um die Rolle der Manager in der Dieselaffäre, die im September 2015 an die Öffentlichkeit kam. © Quelle: Julian Stratenschulte/dpa Pool/d

Der Podcast des Tages

Minimaler Aufwand, maximale Punktzahl: Tobias Brandt hat nach seiner Schulzeit ein Buch mit dem Titel „Der entspannte Weg zum 1er-Durchschnitt“ geschrieben. Wir haben mit dem heute 24-Jährigen darüber gesprochen, mit welchen Tricks Schülerinnen und Schüler ihre Noten einigermaßen mühelos verbessern können – und welche Grenzen diese Strategien haben.

„Der Tag“ als Podcast

Die News zum Hören

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Sven Christian Schulz

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