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  • Erste Corona-Quarantänestation für Obdachlose öffnet in Berlin

Deutschlands erste Quarantäne-Station für Obdachlose in Berlin

  • Berlin kann ab kommender Woche mit Corona infizierte Wohnungslose in einer Obdachlosenunterkunft unter Quarantäne stellen.
  • Die deutschlandweit erste derartige Station für Obdachlose bietet Platz für 16 Frauen und Männer.
  • Für die Dauer der Pandemie hat die Hauptstadt inzwischen mehr als 400 Ganztagsplätze für Obdachlose geschaffen.
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Berlrin. In Berlin öffnet in der kommenden Woche Deutschlands erste Quarantänestation für Obdachlose. Auf dem Gelände der Berliner Stadtmission entstanden in einem früheren Seniorenheim neben einer Ganztagsunterkunft für 110 Menschen auch 16 Plätze für Obdachlose, die sich mit Corona infiziert haben.

Bislang seien ihr in Berlin keine Fälle positiv getesteter Wohnungsloser bekannt, sagte Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Die Linke) am Mittwoch. Das Land stelle auch keine gesonderten Testkapazitäten für die mindestens 36.000 in Berlin lebenden Wohnungslosen zur Verfügung.

“Wir wollen jedoch Infektionen auf der Straße möglichst gering halten”, so Breitenbach. “Die ohnehin prekäre Lebenssituation obdachloser Menschen hat sich in den vergangenen Wochen zugespitzt.”

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Darum hat die Stadt mit einem enormen finanziellen Kraftakt zwei Ganztagsunterkünfte, darunter eine angemietete Jugendherberge, für 300 Obdachlose geöffnet. Weitere 110 Menschen kommen in der von der evangelischen Stadtmission betriebenen Einrichtung unter. Alle sind voll belegt.

Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Die Linke) und Projektkoordinatorin Luise Rust (r.) von der Berliner Stadtmission in einem Zimmer der Corona-Quarantänestation für Obdachlose in Berlin. © Quelle: RND

Breitenbachs Ziel ist, solche Plätze mit Sozialarbeitern sowie medizinischer und psychologischer Beratung dauerhaft zu etablieren. “Wir brauchen auch für die Obdachlosen in dieser Stadt einen sozialen Rettungsschirm”, sagte die Linken-Politikerin. Darum würden Obdachlose in den drei Ganztagseinrichtungen intensiv beraten, um mögliche Leistungsansprüche aus der Wohnungslosenhilfe festzustellen. Sie sollen möglichst raus aus der Obdachlosigkeit.

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In die Quarantänestation gelangen ausschließlich positiv getestete Covid-19-Patienten aus dem Wohnungslosenmilieu, die vom Gesundheitsamt eingewiesen werden. Sie befindet sich über einer Ambulanz für Obdachlose auf zwei Etagen mit sechs Schlafräumen, es sind Bäder, WC, ein Aufenthaltsraum und eine Küche vorhanden. Die Erkrankten erhalten täglich drei Mahlzeiten.

Küche in der Quarantänestation für Obdachlose in Berlin. © Quelle: RND
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Die Mitarbeiter gelangen durch eine Schleuse in den Hochrisikobereich und müssen Krankenhauskleidung und Schutzausrüstung tragen. Die Betreuung übernehmen erfahrene Mitarbeiter. Die medizinische Grundversorgung soll durch Fachpersonal gewährleistet werden.

Schwierig wird die Situation vor allen für infizierte Obdachlose, die abhängig sind von Alkohol und Alkohol. Sie sollen Zigaretten und Bier unter geregelten Bedingungen erhalten. Suchtmediziner sind darauf eingestellt, Substitute für Opiate zu verabreichen.

Koordinatorin Luise Rust von der Stadtmission ist auf kritische Lagen eingestellt. “Wohnungslose sind es generell nicht gewohnt, lange in einem Haus zu bleiben. In Quarantäne müssen sie es 14 Tage in den vier Wänden aushalten.”


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