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Erst fies, dann sanft, dann mächtig – die neue Rolle von CSU-Chef Söder

  • Mit seinem Auftritt auf dem CDU-Parteitag etabliert sich CSU-Chef Markus Söder als Machtfaktor in der Union.
  • Noch gefällt er sich in seiner neuen Rolle als vernünftiger Stabilisator.
  • Dass sich das auch schnell ändern kann, muss auch CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer wissen, kommentiert Daniela Vates.
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Berlin. Wenige Politiker in Deutschland sind so wandlungsfähig wie Markus Söder. Eben war der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef noch einer der obersten Zuspitzer der Republik, die den Unionsstreit um die Flüchtlingspolitik bis kurz vor den Bruch mit der Schwesterpartei führte.

Er war ein Meister der Stichelei und des Angriffs aus dem Hinterhalt, bereit, die CSU-Wand immer weiter nach rechts zu verschieben.

Eine Schocktherapie

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Nun hat er sich die Rolle des sanften, aber wortgewandten Fürsten aus dem Mitte-Reich übergestreift, und zwar so gründlich, als wäre es nie anders gewesen. Der Absturz der CSU bei der bayerischen Landtagswahl scheint eine Schocktherapie gewesen zu sein.

Für die Union bedeutet das Entspannung, für CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer Entlastung. Mit seinem Auftritt auf dem Parteitag hat Söder den ewig nörgelnden Kanzlerkandidateninteressenten Friedrich Merz noch weiter ins Abseits gestellt, als der es selbst vermocht hat.

Verbissenheit gegen Lässigkeit

Beide meldeten ihre Machtansprüche an, aber wo Merz sich verbissen zeigte, blieb Söder lässig und selbstironisch – und wurde dafür von den Delegierten so gefeiert, wie es sich Merz vermutlich gewünscht hätte.

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Söder hat sich damit in die Riege der Kanzlerkandidaten weit vorn eingereiht. Zugreifen wird er wohl eher nicht. Das Risiko des Scheiterns ist für CSU-Kanzlerkandidaten groß – Edmund Stoiber und Franz Josef Strauß haben es vorgemacht. Und die Position als Chef eines reichen Bundeslandes ist sicher bequemer als die eines Kanzlers mit einer im Zweifel schwierigen Koalition.

Eine neue Machtposition hat Söder nun auf jeden Fall: Die CSU wird bei der Kanzlerkandidatur mit ganz neuer Nachdrücklichkeit mitreden. Söder hat es in der Hand, ob Kramp-Karrenbauer antreten kann oder nicht. Auf dessen Loyalität sollte die CDU-Chefin nicht allzu viel geben. Bei der Kanzlerfrage wird für die CSU Schluss sein mit der Sanftheit.

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