Erreger in der Luft, Erregung auf den Straßen

  • Die Corona-Pandemie treibt Virologen, Forscher und Ärzte um.
  • Ein Bestandteil der Untersuchungen: Aerosole in der Luft. Die kleinen Partikel spielen eine große Rolle.
  • Dagegen wird alles, was die Pandemie eindämmen kann, von Tausenden Demonstranten in Berlin ignoriert.
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

Die Botschaft konnte eindeutiger nicht sein. “Wir sind die zweite Welle”, riefen 20.000 Menschen gestern auf den Straßen von Berlin. Schutzmasken suchte man in den Gesichtern der Protestierenden vergebens. Auch den angeordneten Abstand hielten die Teilnehmer nicht ein. So sah sich die Polizei gezwungen, erst den Demonstrationszug und später auch die Kundgebung aufzulösen.

Der Protest richtete sich gegen alle Maßnahmen, die ein erneutes Aufkeimen der Corona-Pandemie unterbinden sollen. Dass Freunde und Verwandte ernsthaft erkranken oder das Land erneut in einen milliardenschweren Lockdown laufen könnte – geschenkt. Der Preis, gelegentlich eine Maske zu tragen und einen respektvollen Abstand zu den Mitmenschen zu halten, scheint für diesen Teil der Bevölkerung einfach zu hoch zu sein. Für die Demonstrationsteilnehmer ging es gestern um die Freiheit, etwa keinen Mundschutz tragen zu müssen.

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1,3 Millionen Protestierende, wie der Veranstalter von der Bühne rief, waren es an diesem Tag in Berlin zwar nicht, aber dennoch war die Zusammenkunft aus Verschwörungsideologen und selbst ernannten “Corona-Rebellen” die bisher größte ihrer Art seit Beginn der Pandemie. RND-Reporter Felix Huesmann hat den Protest begleitet und zeigt in seiner Reportage die gefährliche Durchmischung des Protestzugs mit Verweigerern, Verschwörern und Rechtsextremen auf.

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20.000 Demonstrierende in Berlin: “Wir sind die zweite Welle”
1:22 min
20.000 Menschen haben am Samstag an einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Berlin teilgenommen.  © RND

Bei den Protestierenden ist offensichtlich auch die Botschaft des Virologen Christian Drosten aus dem Frühjahr auf taube Ohren gestoßen: Aerosole sind vielleicht der entscheidende Faktor in der Pandemie. Das Coronavirus verbreitet sich in der Luft. In geschlossenen Räumen gilt daher: Lüften ist wichtiger als Händewaschen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dagegen hatte Aerosolen anfangs weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Obwohl mehr als 200 Mediziner mit der Aufforderung an die WHO herangetreten waren, der Übertragung von Sars-CoV-2 durch Aerosole eine stärkere Bedeutung zuzuschreiben.

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Im Gespräch mit meiner Kollegin Laura Beigel erklärt Professor Martin Kriegel, was Aerosole sind, wie sich diese in geschlossenen Räumen verbreiten und was wir tun können, um die Gefahr einer Ansteckung zu minimieren.

Der Leiter des Hermann-Rietschel-Instituts an der Technischen Universität Berlin hat diese Partikel als Ursache für die Ansteckung gleich in mehreren Studien untersucht. Aerosole spielen hier eine zentrale Rolle, etwa in der Studie zur “Risikobewertung von Innenräumen zu virenbeladenen Aerosolen”.

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Dabei ist auch interessant, wie sich Aerosole in einem Klassenzimmer verbreiten. Es wurde festgestellt, dass innerhalb von zwei Minuten der gesamte Raum voll mit diesen kleinsten Partikeln ist. Entsprechend sorgenvoll blickt Martin Kriegel auf den bevorstehenden Schulstart in den ersten Bundesländern – und sieht dabei vor allem einen Regelbetrieb kritisch.

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Leseempfehlung

Die Kulturszene feiert an diesem Sonntag gleich zwei runde Geburtstage: Schauspieler Mathieu Carrière, der sich selbst nicht als solchen bezeichnet und mit zwielichtigen Rollenfiguren Filmkarriere machte – ein Auftritt im Dschungelcamp inklusive –, wird 70. Ebenfalls seinen 70. Geburtstag feiert der dänische Krimi-Bestsellerautor Jussi Adler-Olsen. Er erzählt, wie er die Corona-Zeit erlebte – und warum er manchmal viel lieber andere Dinge tut, als zu schreiben.

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Die Termine des Tages

Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, fliegt am Sonntag für ein paar Tage nach Griechenland. Für Montag ist ein Treffen mit der Regierung in Athen angesetzt, am Dienstag besucht er die Flüchtlingslager auf der Insel Lesbos.

Kann Lewis Hamilton beim Großen Preis von Großbritannien siegen? Immerhin startet der sechsfache Formel-1-Weltmeister in sein Heimrennen in Silverstone von der Pole-Position.

Der Schnappschuss des Tages

Brennt für seinen Job: Ein Soldat der weißrussischen Fallschirmbrigade performt anlässlich einer Militärshow zum 90. Jahrestag der Luftlandetruppen mit einer brennenden Jacke. © Quelle: Sergei Grits/AP/dpa

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Aus dem Newsroom: Markus Merz

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