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  • Ernährungsreport 2020: Weniger Fleischkonsum, Flexitarier und Tierwohl? So ernährt sich Deutschland

Ernährungsreport: Deutschland isst mit schlechtem Gewissen

  • Der “Ernährungsreport 2020” von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner zeugt von einer tiefen Kluft zwischen dem Reden und dem Handeln der Bundesbürger.
  • Viele halten sich für “Flexitarier” und geben an, sehr viel mehr Geld für tierwohlgerecht produziertes Fleisch ausgeben zu wollen.
  • Im Ernst? Wohl kaum, kommentiert Marina Kormbaki, denn die Absichtsbekundungen widersprechen den Zahlen zum realen Fleischkonsum.
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Berlin. Bundesagrarministerin Julia Klöckner verspricht im Titel ihres “Ernährungsreports 2020” einen Einblick in die Ernährungsweise der Bundesbürger. “Deutschland, wie es isst”, steht da geschrieben, darunter die Zeichnung einer Pfanne mit Paprika, Tomate, Möhren, Aubergine, Salat und einer kleinen Wurst.

Treffender wäre wohl der Titel: “Deutschland, wie es gern essen würde”. Die Befragung der Bundesbürger nach ihren Essgewohnheiten offenbart hohe ethische und ökologische Ansprüche – die aber selten mit der Wirklichkeit auf den Tellern übereinstimmen. Deutschland isst mit Gewissensbissen.

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Die Kluft zwischen erwünschtem und tatsächlichem Verhalten zeigt sich vor allem beim Fleischkonsum. Fleisch ist ein Politikum. Die Missstände der Fleischproduktion mit Blick auf Arbeitsbedingungen, Tierwohl und Klimafolgen sind bekannt. Sie treiben die Menschen um.

15 Euro mehr das Kilo Fleisch?

Nur noch jeder Vierte gibt an, täglich Fleisch zu essen. 55 Prozent bezeichnen sich gar als “Flexitarier”, also als Menschen, die sich überwiegend vegetarisch ernähren und nur gelegentlich zu Fleisch greifen, das dann aber biologisch produziert sein muss. Beachtliche 45 Prozent erklären sich bereit, 15 Euro pro Kilo Fleisch mehr zu zahlen, wenn Tierwohl gewahrt wird. Im Ernst?

Wohl kaum. Die Selbstauskünfte widersprechen den Fakten. 2019 aß jeder Bundesbürger im Durchschnitt 59,5 Kilo Fleisch. Der Marktanteil von Biofleisch liegt bei unter 2 Prozent. Deutschland ist gewiss kein Flexitarierhabitat.

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Die Politik ist in der Pflicht - und die Verbraucher auch

Der Widerspruch zwischen Reden und Handeln erzeugt Frust beim Einzelnen und in der Gesellschaft. Ernährungsdebatten weisen oft Züge von Kulturkämpfen auf. Die Politik kann den Frust mindern, indem sie den Menschen erleichtert, sich ihren Idealen gemäß zu ernähren, etwa mit einem ökologischen Umbau von Subventionen und dem Verbot tierquälerischer Stallpraktiken.

Sie kann dem Verbraucher aber nicht die Last der Verantwortung nehmen. Er oder sie entscheidet, was auf den Tisch kommt.

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