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Union verliert überall, SPD im Norden stark: die wichtigsten Daten auf einen Blick

  • Dass die Bundestagswahl 2021 für die Union insgesamt kein Erfolg war, zeigte sich schon in den ersten Prognosen am Abend.
  • Allerdings kommen CDU und CSU auch nach dem Ende der Auszählung in keinem der Wahlkreise wirklich gut weg.
  • Im Gegenteil: Sie verlieren in allen 299 Wahlkreisen Stimmen, ebenso wie die Linke. Die wichtigsten Daten zur Wahl.
Johannes Christ
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Wer 2017 nach der Bundestagswahl auf die Karte der Wahlkreise schaute, sah vor allem eines: schwarz. 231 Direktmandate holten CDU und CSU gemeinsam – ein Großteil der 299 über die Erststimme zu vergebenden Plätze. Vier Jahre später hat sich auf der Wahlkarte einiges getan und bereits auf den ersten Blick wird klar: Die Bundestagswahl 2021 war vor allem für die Union ein Desaster, aber auch die Linke musste massive Stimmenverluste hinnehmen. Ein Überblick über die wichtigsten Ergebnisse in Daten.

Bundestagswahl 2021: Union büßt in allen Wahlkreisen Stimmen ein

Wie hart die Verluste für die Union wiegen, lässt sich insbesondere am niedersächsischen Wahlkreis Cloppenburg-Vechta ablesen. Er gilt als absolute CDU-Hochburg – 2017 konnte CDU-Kandidatin Silvia Breher noch 57,7 Prozent der Erststimmen gewinnen, bei den Zweitstimmen gewann die Union mit 53,1 Prozent deutlich.

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In diesem Jahr reiht sich der Wahlkreis in den bundesweiten Abwärtstrend der Union ein. Fast 15 Prozentpunkte weniger Zweitstimmen erhielt die CDU – eine herbe Niederlage. Tatsächlich kann keine der Schwesterparteien in einem der Wahlkreise Stimmen hinzugewinnen. In allen 299 verlieren CDU und CSU gegenüber 2017 an Zustimmung.

In unserer interaktiven Karte können Sie sich sowohl die jeweils stärkste Kraft bei den vergangenen Bundestagswahlen anzeigen lassen als auch die Hochburgen der jeweiligen Parteien.

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Bundestagswahl 2021: SPD holt in Ostfriesland bestes Ergebnis

Die Linke teilt derweil das Schicksal der Union. Auch sie verliert ausnahmslos in allen 299 Wahlkreisen an Stimmen. Einen umgekehrten Effekt erleben SPD und Grüne. Sie können fast überall Stimmen hinzugewinnen. Besonders starke Zugewinne verzeichnet die SPD in Mecklenburg-Vorpommern ab. Im Wahlkreis Mecklenburgische Seenplatte II – Landkreis Rostock III erreicht sie 15,4 Prozentpunkte mehr als noch vor vier Jahren. Ihr stärkstes Ergebnis fährt sie in Ostfriesland ein. Im Wahlkreis Aurich-Emden gewinnen die Sozialdemokraten mit 43,3 Prozent der Zweitstimmen.

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Wo die Parteien Stimmen hinzugewonnen oder verloren haben – und wie hoch Gewinne und Verluste sind, zeigt die folgende Grafik.

Bundestagswahl 2021: SPD holt Wahlkreise im Norden

Auch bei den Direktmandaten muss die Union zahlreiche Wahlkreise an die Konkurrenz abtreten. Die Sozialdemokraten sind vor allem im Norden stark und holen insgesamt 121 Direktmandate. 2017 waren es noch fast halb so viele. Im Osten profitiert die AfD von der Schwäche der CDU. Vor vier Jahren konnte sie allein in Sachsen drei Direktmandate für sich entscheiden. Bei dieser Bundestagswahl sind es insgesamt 16 – in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

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Auffällig: In allen neu gewonnenen Wahlkreisen hat die AfD die Stimmenanteile kaum steigern können. Sie holt die Mandate, weil die CDU abstürzt – und die SPD nicht genug Stimmen hinzugewinnen kann.

Bundestagswahl 2021: AfD mit Verlusten im Osten

Wie sehr die AfD vom schwachen Abschneiden der Ost-CDU profitiert, zeigt auch ein Vergleich der Zweitstimmen zur vergangenen Bundestagswahl. Im Gegensatz zu 2017 verlor die AfD in Ostdeutschland sogar Stimmenanteile im Osten. Weil CDU und Linke allerdings ebenfalls massiv verlieren, steht die Partei in vielen Wahlkreisen als Gewinner da.

Diese Entwicklung sehen auch Parteienforscher. „Wenn die Union schlechter abschneidet, lässt das die AfD stärker erscheinen. Das heißt aber nicht, dass die AfD stärker geworden ist, sondern die Union schwächer“, sagt etwa der Chemnitzer Politikwissenschaftler Eric Linhart.

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Bundestagswahl 2021: FDP bei Jungwählern überraschend stark

Überraschend ist der Blick auf die Stimmverteilung nach Altersgruppen. Vor allem die FDP schneidet bei den Jungwählern erstaunlich gut ab – sie liegt bei den 18- bis 24-Jährigen nur knapp hinter den Grünen. Bei den Erstwählern sind die Liberalen sogar stärkste Kraft. Die Union hingegen muss vor allem bei ihrer Stammwählerschaft ab 60 Verluste hinnehmen. Hier holt vor allem die SPD Stimmenanteile auf.

Nur geringfügige Unterschiede ließen sich dagegen beim Wahlverhalten zwischen den Geschlechtern feststellen. Während die SPD und Grüne etwas mehr Stimmen bei Frauen gewinnen konnten, stimmten mehr Männer für FDP und AfD.

Klimaschutz mit Abstand wichtigstes Thema, Union verliert viele Stimmen an Nichtwähler

Thematisch dürfte vor allem der Klimaschutz eine Rolle gespielt haben. So gaben laut einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen 46 Prozent der Befragten an, dass Klimaschutz und Umwelt für sie das wichtigste Problem sei. Dies deckt sich auch mit den Zahlen der Wählerwanderung. Hier profitierten vor allem die Grünen. Sie gewannen insgesamt 2,69 Millionen Stimmen hinzu. Die Union verlor allein gut eine Millionen Wähler an die selbst ernannte Klimaschutzpartei.

Profitieren von der Wählerwanderung konnte auch die SPD. Sie gewann 1,8 Millionen Wähler hinzu, davon 1,36 Millionen von der Union. Auch die Kanzlerkandidaten und die Kanzlerkandidatin hatte nach Auswertung der Forschungsgruppe Wahlen Auswirkungen auf den Wahlausgang. Für 67 Prozent der Deutschen eignete sich Olaf Scholz als Regierungschef. Bei Armin Laschet (CDU/CSU) sahen das nur 29 Prozent so, bei Annalena Baerbock (Grüne) sogar nur 23 Prozent.

Die folgende Grafik zeigt, wie viele Wähler die Parteien verloren haben – und wohin sie gewandert sind.

Insgesamt waren am Sonntag mehr als 60 Millionen Wahlberechtigte in Deutschland aufgerufen, einen neuen Bundestag zu wählen. Die Wahlbeteiligung lag mit 76,6 Prozent auf dem Niveau der vergangenen Wahl (76,2).

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