Erdogan-Schulen in Deutschland? Keine so gute Idee!

  • Die türkische Regierung will in Deutschland drei Schulen bauen.
  • Es wäre keine gute Idee, das zuzulassen, kommentiert Christian Burmeister.
  • Denn Erdogan hat seine unguten Absichten oft genug unter Beweis gestellt.
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Berlin. Die Regierung von Recep Tayyip Erdogan will in Deutschland drei türkische Schulen bauen lassen. Die Bundesregierung verhandelt darüber seit dem Sommer mit Ankara. Das ist an Naivität kaum zu überbieten. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass diese Schulen zu einem Hort der Liberalität und der Integration würden, liegt nahe null. Aber nur das wäre im deutschen Interesse.

Das Argument, es gebe ja auch drei deutsche Schulen in der Türkei, ist ein formalistisches. Denn es kommt darauf an, wer hinter einer Lehreinrichtung steht. Es macht einen Unterschied, ob eine Auslandsschule von demokratischen, offenen Staaten wie Frankreich oder eben Deutschland gebaut wird oder von autoritär regierten Ländern wie China oder der Türkei.

Zwar dürfte der türkische Staat die Schulen nicht direkt betreiben, das müssten Vereine übernehmen. Und eine deutsche Schulaufsicht gäbe es auch. Aber glaubt wirklich jemand, dass die Türkei für viele Millionen Schulen in Deutschland bauen lässt, um sie dann durch Freigeister vom Schlage der säkularen Muslimin Seyran Ates oder des Grünen-Politikers Cem Özdemir mit seinem „verdorbenen Blut“ (Zitat Erdogan) leiten zu lassen? Wohl kaum.

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Ditib-Moscheen als abschreckendes Beispiel

Wie geschickt und skrupellos Erdogan darin ist, seine nationalistisch-islamistische Ideologie in Deutschland zu verbreiten, lässt sich gut an den Moscheen beobachten, genauer an den Gotteshäusern des Moscheevereins Ditib. Dieser erhält Weisungen direkt aus Ankara, auch wenn er das jahrelang bestritten hat. Das Ergebnis: In einigen der Ditib-Moscheen wurde nachweislich für den Erfolg von Erdogans Großmachtfantasien in Syrien gepredigt oder Gläubige zur Meldung vermeintlicher Putschsympathisanten in Deutschland aufgerufen.

Erdogan ist ein sendungsbewusster Politiker. Und er macht aus seiner Weltsicht keinen Hehl. Assimilation – und damit ein Stück weit auch Integration – ist für ihn ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, wie er 2010 in Köln sagte. Die Bundesregierung sollte sich mit Blick auf sowieso schon vorhandene Parallelgesellschaften also sehr gut überlegen, ob dieser Geist nun auch noch in Schulen auf deutschem Boden wehen soll.

Gut möglich, dass Erdogan damit droht, die Schulen in der Türkei zu schließen, sollte er nicht seinen Willen bekommen. Mit diesem Schritt würde er aber vor allem seinem eigenen Land schaden. Die Bundesregierung muss sich also nicht erpressen lassen. Sie sollte Erdogan freundlich, aber bestimmt sagen: Herr Präsident, danke fürs Angebot. Aber wir haben es uns überlegt und momentan kein Interesse an dieser Idee.

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