Erdogan: Ein bisschen mehr Entschlossenheit darf es schon sein

  • Erdogan beleidigt Außenminister Heiko Maas als "Dilettanten".
  • Nicht nur in dem Fall bleibt die Bundesregierung seltsam passiv.
  • Hin und wieder Kontra zu geben, schadet nicht. Im Gegenteil, kommentiert Christian Burmeister.
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Berlin. Es ist ein Trauerspiel: Der türkische Präsident beleidigt Deutschlands Außenminister Heiko Maas als "politischen Dilettanten". Und der lässt es wie ein gescholtener Schuljunge widerspruchslos über sich ergehen. Erdogans Botschafter in Berlin diffamiert Kritik an kriegstaumelnden, militärisch grüßenden türkischen Fußballern als Rassismus. Und türkisch geprägte Moscheen in Deutschland unterstützen vielfach Erdogans Linie. Aufrufe zur Mäßigung gibt es nicht, oder sie klingen halbherzig.

Und die Bundesregierung? Lässt all dies weitgehend unkommentiert stehen und geschehen. Politische Zurückhaltung kann eine Tugend sein. In diesem Fall ist sie es aber nicht. Wenn die Bundesregierung schon nicht bereit ist, die wenigen wirklichen Druckmittel gegen Ankara einzusetzen, könnte sie Erdogans Propaganda wenigstens verbal etwas entgegensetzen.

Angriffsfläche bietet Erdogan eigentlich genug

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Angriffsfläche in dessen Positionen gäbe es genug: Seine Drohung, Millionen Flüchtlinge nach Europa zu schicken, könnte man beispielsweise mit der Frage beantworten, ob es wirklich zu Erdogans Verständnis des Islam gehört, Glaubensbrüder zum Zweck der politischen Erpressung einzusetzen. Zumal er sie doch - nach eigener Aussage - direkt in die Arme von "Faschisten" treiben würde und er durch seine jahrelange Einmischung in Syrien vieler dieser Flüchtlinge selbst "produziert" hat.

Mit der bisherigen verbalen Leisetreterei und Selbstverzwergung hat die Bundesregierung jedenfalls nichts erreicht. Im Gegenteil. Das scheint Erdogan noch zu ermutigen und im seinem Selbstbild als unantastbaren, unfehlbaren Führer zu bestärken. Eine Prise mehr Entschlossenheit in der Rethorik wäre also einen Versuch wert.

So würde sich Berlin womöglich wieder die Möglichkeit erarbeiten, mit robustem Auftritt dem Einfluss Ankaras auf die in Deutschland lebenden Erdogan-Unterstützer etwas entgegenzusetzen und sich verloren gegangenen Respekt zurückholen. Es wäre ein Gebot der innenpolitischen Verantwortung – denn der Konflikt zwischen Deutsch-Türken und Kurden vollzieht sich direkt vor unseren Augen.