• Startseite
  • Politik
  • Erdogan droht EU mit Flüchtlingen: “Wollen wir euch einmal sehen”

Erdogan droht EU mit Flüchtlingen: “Wollen wir euch einmal sehen”

  • Die Türkei hält wenig von Kritik aus Brüssel.
  • Präsident Erdogan reagiert darauf mit einer Drohung.
  • Er verteidigt zudem seinen Plan für Nordsyrien.
Anzeige
Anzeige

Istanbul. Der türkische Recep Tayyip Erdogan hat mit einer Drohung auf kritische Äußerungen im Europaparlament reagiert. In seinem Palast sagte er, dass "Stimmen, die aus Europa laut werden und durch und durch nach Heuchelei riechen, nicht den geringsten Wert" hätten. Er wiederholte seine Drohung, in der Türkei lebende Flüchtlinge nach Europa durchzulassen. "Wenn ich sage, dass wir die Türen öffnen, werden sie panisch. Nur keine Panik! Wenn es soweit ist, dann können diese Türen auch geöffnet werden. ... Na los, nehmt ihr auch Hunderttausende auf. Wollen wir euch einmal sehen."

Video
Kramp-Karrenbauer will eine internationale Sicherheitszone in Syrien
0:57 min
Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer will Soldaten aus Europa nach Syrien schicken, um für Stabilität zu sorgen.  © dpa

Das EU-Parlament hatte zuvor die türkische Offensive in Nordsyrien verurteilt. Der Einmarsch sei ein Verstoß gegen internationales Recht und habe zur Vertreibung von Hunderttausenden Menschen geführt, hieß es in einer Entschließung. Die Abgeordneten verlangen zudem „gezielte Sanktionen“ gegen türkische Regierungsvertreter, die für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich seien.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Erdogan: Türkei wird Flüchtlinge umsiedeln

Erdogan machte aber deutlich, dass die türkische Regerung an Plänen zur Umsiedlung von Millionen syrischen Flüchtlingen aus der Türkei in eine Pufferzone in Nordsyrien festhalten will. "Wir werden gewährleisten, dass ein bis zwei Millionen Flüchtlinge aus unserem Land in die gesicherten Regionen zurückkehren", sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan in seiner Rede vor Bezirksgouverneuren in Ankara. Dieses Projekt solle mit "der Unterstützung der internationalen Gemeinschaft" realisiert werden. Die Türkei beginne "sofort" mit der Kontaktaufnahme.

Anzeige

Die Türkei hatte am 9. Oktober eine Militäroffensive gegen die kurdische YPG-Miliz im syrisch-türkischen Grenzgebiet begonnen. Die Türkei betrachtet die YPG als Terrororganisation. Ziel war die Kontrolle über einen Grenzstreifen, aus dem sich die Kurdenmilizen zurückziehen sollten und in den Flüchtlinge umgesiedelt werden könnten. Mit den USA und Russland handelte Erdogan später Waffenruhe-Abkommen zum Abzug der YPG und zur teils gemeinsamen Kontrolle von Gebieten aus.

EU-Parlament stellt sich hinter AKK-Plan

Anzeige

Sowohl die Offensive als auch der Plan, in der Pufferzone Flüchtlinge anzusiedeln, war international auf scharfe Kritik gestoßen. Experten und Politiker nannten die Pläne zudem völkerrechtswidrig.

Dass sich das EU-Parlament am Donnerstag in einer Resolution mit großer Mehrheit für eine Schutzzone unter Aufsicht der UN in Nordsyrien ausgesprochen hatte, kommentierte Erdogan nicht. Das EU-Parlament stützte damit einen Vorschlag von Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU).

RND/dpa/pach