Erdogan, der Zyniker

  • Der türkische Präsident Erdogan will in Nordsyrien angeblich eine “Sicherheitszone” schaffen.
  • Seine Offensive bewirkt genau das Gegenteil.
  • Höchste Zeit, dass EU und Nato der Türkei Grenzen aufzeigen, kommentiert Marina Kormbaki.
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Berlin. „Friedensquelle“ – der Titel der türkischen Offensive in Nordsyrien hätte nicht zynischer sein können. Nur Stunden nach Beginn wurden Todesopfer vermeldet. Auf den Straßen stauten sich Autos mit kurdischen Zivilisten auf der Flucht.

Präsident Erdogan will in der Region eine „Sicherheitszone“ schaffen – mit Panzern und Bomben gelingt ihm das sicher nicht. Die Ausweitung der Kampfzone bringt bloß noch größeres Unheil über das Kriegsland Syrien.

Inhumane Logik

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Belege dafür, dass aus der Region eine Gefahr für die Sicherheit der Türkei ausgeht, bleibt Erdogan schuldig. Und seine Pläne, dort Siedlungen für zwei Millionen syrische Flüchtlinge zu bauen, sind nichts als Spinnereien. Sie offenbaren eine zutiefst inhumane Logik: Wer Flüchtlingen zur Rückkehr verhelfen will, indem er andere Menschen zur Flucht zwingt, darf nicht erwarten, als Wohltäter gefeiert zu werden.

Die Präsenz der Weltmacht USA im Nahen und Mittleren Osten hat bestehende Probleme in der Region vergrößert und neue geschaffen. Ihre Abwesenheit könnte allerdings zu noch größerem Chaos führen. Jedenfalls ist dieser Tage wie im Zeitraffer zu beobachten, was passiert, wenn ein US-Präsident ohne Abstimmung mit Amerikas Partnern, ja nicht einmal mit seiner Regierung, den Rückzug antritt.

Erdogan nutzt die Gelegenheit

Erdogan stößt in die Lücke vor, die Trump hinterlässt. Stur und brutal sichert er der Türkei die Mitsprache bei der Neugestaltung Syriens und baut ihre Macht in der Region aus.

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Europa steht derweil paralysiert am Rande, mahnt und warnt und hofft, dass es nicht allzu schlimm wird. Höchste Zeit, dass es aus dieser Schockstarre herauskommt. Höchste Zeit, dass EU und Nato der Türkei Grenzen aufzeigen.