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  • Erdgas-Konflikt: Griechenland und Türkei wollen Streit beilegen

Annäherungen im Konflikt zwischen Griechenland und Türkei

  • Die beiden verfeindeten Nato-Partner Griechenland und Türkei wollen an einer Beilegung ihrer Streitfragen arbeiten.
  • Das unterstrichen die Außenminister beider Länder am Montag in Athen.
  • Aber der Konflikt um die Erdgasvorkommen im Mittelmeer schwelt weiter.
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Athen. Umarmungen zur Begrüßung, Umarmungen zum Abschied: Griechenlands Außenminister Nikos Dendias empfing am Montag seinen türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu wie einen alten Freund.

Nicht nur die Körpersprache der beiden Minister signalisierte Entspannung. Auch bei ihren gemeinsamen Pressestatements gaben sich beide alle Mühe, Harmonie zu demonstrieren. Dendias gratulierte dem „lieben Mevlüt“ zum Titelgewinn von Anadolu Efes Istanbul in der Basketball-Euroleague, Cavusoglu bedankte sich dafür ausführlich bei seinem „lieben Freund Nikos“.

Die Außenminister stritten vor laufenden Kameras

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Die Freundschaftsbekundungen waren umso erstaunlicher, als Dendias und Cavusoglu erst vor sechs Wochen bei einem Treffen in Ankara hart aneinander geraten waren. Vor laufenden Kameras machten sie sich damals bei einer Pressekonferenz schwere Vorwürfe. Diesen Eklat will man offenbar hinter sich lassen und nach vorn blicken.

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Cavusoglu twitterte: „Die Wiederbelebung unseres Dialogs ist ein wichtiger Schritt.“ Nächste Station bei der Annäherung: In zwei Wochen wollen sich der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan treffen. Die Begegnung soll am 14. Juni in Brüssel am Rand des NATO-Gipfels stattfinden.

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Im vergangenen Sommer gab es eine schwere Krise zwischen Griechenland und der Türkei

Griechen und Türken waren erst im vergangenen Sommer an den Rand eines kriegerischen Konflikts geraten. Damals kreuzte die Türkei mit Bohr- und Kriegsschiffen in Seegebieten auf, die nach den Regeln der UNO-Seerechtskonvention Griechenland und Zypern als Ausschließliche Wirtschaftszonen (AWZ) zustehen. In der Region werden große Erdgasvorkommen vermutet.

Deutschland versuchte anfangs vergeblich, als Vermittler den Konflikt zu entschärfen. Erst als die EU der Türkei mit Sanktionen drohte, zog diese ihre Schiffe zurück. Griechenland und die Türkei sondieren nun seit Januar in bilateralen Gesprächen, wie der Streit um die Wirtschaftszonen beigelegt werden kann – bisher aber ohne greifbare Ergebnisse.

Ein Durchbruch ist unwahrscheinlich

Dass es bei dem geplanten Treffen zwischen Mitsotakis und Erdogan zu einem Durchbruch kommt, ist zwar nicht sehr wahrscheinlich. Aber beide Regierungen stehen unter wachsendem Druck der Nato und der Europäischen Union, im Gasstreit einen Kompromiss zu finden, um einen gefährlichen Krisenherd im östlichen Mittelmeer zu entschärfen.

Griechenland hat vorgeschlagen, den Streit dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag zur Schlichtung vorzulegen. Die Türkei lehnt das bisher ab.

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Der Konflikt schwelt also weiter. Außenminister Cavusoglu unterstrich bei seinem Besuch, dass die Türkei an ihren Ansprüchen im östlichen Mittelmeer festhält. Und der türkische Energieminister Fatih Dönmez kündigte erst vergangene Woche neue Gasbohrungen vor Zypern an.

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