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Merkel liegt im Trend: Entschuldigungen sind in der Politik keine Seltenheit mehr

  • Der Papst bat irgendwann um Verzeihung für die Verbrechen der Kirche.
  • Die Schweiz bat um Entschuldigung für die Einlagerung von Nazi-Gold.
  • In der Politik ist ein gewisser Trend zur Entschuldigung zu beobachten – nicht erst seit dem Auftritt von Angela Merkel.
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Berlin. Angela Merkels Entschuldigung für den angeordneten Osterlockdown und dessen Zurücknahme stellen etwas Besonderes dar, weil Regierungschefs so etwas nicht alle Tage machen. Groß ist die Sorge, es könnte als Schwäche gedeutet werden oder dem Image der Unfehlbarkeit schaden.

Dennoch ist die Entschuldigung im politischen Alltagsbetrieb keine Seltenheit mehr. Während sie im historischen Kontext nur bei wirklich weltgeschichtlichen Dimensionen zum Einsatz kam, ist es heute fast schon üblich geworden, dass Politiker für etwas um Entschuldigung bitten.

Historische Beispiele

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  • Am 7. Dezember 1970 fällt Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) vor dem Mahnmal des Warschauer Ghettos auf die Knie und bittet um Vergebung für die Verbrechen der Deutschen im Zweiten Weltkrieg. Eine Entschuldigung, die weltweit Beachtung findet und auch heute immer wieder in Erinnerung gebracht wird.
  • Am 13. April 1990 räumt Präsident Michael Gorbatschow die Verantwortung der Sowjetunion für die Massenmorde von Katyn ein und entschuldigt sich beim polnischen Volk. Hintergrund: Im Frühjahr 1940 hatte der sowjetische Geheimdienst NKWD etwa 4400 polnische Gefangene, zumeist Offiziere, im Wald von Katyn bei Smolensk erschossen und verscharrt.
  • Am 16. Februar 2000 tritt Johannes Rau (SPD) als erster Bundespräsident mit einer Rede vor das israelische Parlament, die Knesset, und bittet um Vergebung „für das, was Deutsche getan haben, für mich und meine Generation“.
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Beispiele aus jüngster Zeit

In jüngster Zeit ging es bei den Entschuldigungen aus deutscher Sicht eher nicht mehr um „große Politik“, sondern mehr um das Management unseres Alltagslebens.

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  • Am 22. April 2020 baut Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erstmals in der Corona-Krisenpolitik vor und sagt: „Wir werden einander in ein paar Monaten wahrscheinlich viel verzeihen müssen.“ Zu der Zeit steht Deutschland mit dem Corona-Management noch gut da. Vielleicht ahnt Spahn, dass es schwieriger werden wird, Beispiel Impfstoffbeschaffung.
  • Am 9. Dezember 2020 entschuldigt sich Angela Merkel nicht direkt, sagt aber in einer emotionalen Rede vor dem Bundestag: „Es tut mir leid, es tut mir wirklich von Herzen leid“, und erläutert dann, weshalb es zu Weihnachten keine Glühwein- und Waffelstände in den Städten geben wird.
  • Ende Januar muss der Stuttgarter FDP-Landtagskandidat Thilo Scholpp zurückrudern, nachdem er Klimaaktivisten in einer internen Mail als „was für Arsch...“ bezeichnet hat. Die Mail ist versehentlich versendet worden und hat für Wirbel gesorgt. Scholpp räumt ein: „Ich habe etwas unflätig reagiert, ich muss mich entschuldigen.“
  • Am 8. Februar 2021 streut sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) etwas Asche aufs Haupt und sagt bei „Bild live“: Erst einmal entschuldige ich mich dafür, dass es so lange dauert.“ Gemeint sind die schleppenden Auszahlungen der Corona-Hilfen für die Wirtschaft. Dann folgen Erklärungen, dass auch die Länder Schuld tragen.
  • Eine Pfarrgemeinde in Aachen hat sich für einen nur an Männer adressierten Ostergruß entschuldigt. Auf vielen Postkarten, die die Gemeinde St. Gregor von Burtscheid verschickt hatte, war bei Eheleuten nur der Ehemann angesprochen worden. „Hierüber möchten wir unser Bedauern zum Ausdruck bringen und entschuldigen uns ausdrücklich bei Ihnen“, hieß es dann in einem zweiten Schreiben.
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