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Entlassungsurkunde für Merkel – das Erfolgsrezept bleibt

  • Mit der Konstituierung des neuen Bundestags bekommt Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Entlassungs­urkunde und bleibt nur noch geschäfts­führend im Amt.
  • Während SPD, FDP und Grüne bislang ruhig ihre neue Regierung vorbereiten, zeigt sich die Union unsortiert und überspannt.
  • Zu den Lehren der Merkel-Ära gehört aber, dass Sachlichkeit ein Erfolgsrezept ist, kommentiert Daniela Vates.
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Berlin. Ab Dienstagabend hat Angela Merkel es Schwarz auf Weiß: Ihre Zeit als Bundes­kanzlerin ist vorbei.

Wenige Stunden nach der Konstituierung des neuen Bundestags überreicht der Bundes­präsident ihr und ihren Ministern die Entlassungs­urkunden. Sie sind dann noch geschäftsführend im Amt, bis die neue Regierung steht. Aber im Grund genommen war’s das: Aus „Merkel muss weg“, dem schlichten Schlachtruf auch mancher ihrer inner­parteilichen Gegner, wird un­wieder­bringlich: Merkel ist dann mal weg.

Merkels Abschied ist ein Umbruch, nicht nur, weil sie anders als alle ihre Vorgänger aus freien Stücken geht und auch nicht wegen eines Skandals. Im Kanzleramt wechselt die Parteifarbe.

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Die CDU landet ohne ihre einstige Chefin erstmals seit 16 Jahren in der Opposition, und zwar völlig zerrupft und zerfleddert: Die CDU hat die zweieinhalb Jahre seit Merkels erstem Rück­zugs­schritt, der Aufgabe des Parteivorsitzes, nicht genutzt, um neuen Schwung zu holen, sondern sich in einem Machtkampf in Dauerschleife aufgerieben. Das Ende ist noch nicht abzusehen.

Platte Warnung

Der Regierungswechsel geht im Vergleich zum CDU-Führungswechsel bislang geradezu entspannt und geschäftsmäßig vonstatten. Umso unprofes­sioneller und peinlicher mutet es da an, wenn aus den Reihen der Union immer wieder Unter­gangs­szenarien beschworen werden und die so platte wie absurde Warnung vor sozialistischen Verhältnissen die Kritik in der Sache ersetzt.

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Angela Merkel hat gerade in einem Interview auf die Frage, ob sie gut schlafen könne, wenn ein SPD-Kanzler das Land regiere, mit einem schlichten „Ja“ geantwortet, ohne Nebensatz, ohne Relativierung.

Sachlichkeit war eine der großen Stärken der Kanzlerin Angela Merkel, es hat ihr über viele Jahre hohe Zustimmungswerte gesichert.

Olaf Scholz hat dieses Erfolgs­rezept begriffen. Die Unions­parteien werden sich nur erholen, wenn sie sich auf darauf besinnen.

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