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  • England: Regierung hebt Reiseverbot ab 17. Mai auf - Einführung eines Ampelsystems

Briten heben Reiseverbot auf: Hoffnung auf Vorherrschaft am Hotelpool

  • Ab dem 17. Mai gilt in England ein Ampelsystem für Reisen ins Ausland.
  • Damit hebt die Regierung das strikte Reiseverbot auf.
  • Und die Briten? Die freuen sich bereits auf einen Urlaub ohne deutsche Handtuchscharmützel.
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London. In normalen Zeiten würden sich die Briten bereits für den unvermeidlichen Frotteehandtuchkrieg mit den Deutschen rüsten, der traditionell im Sommer ausbricht. Und in normalen Zeiten, das wissen auch die Briten, würden sie ihn vermutlich wie jedes Jahr verlieren. Sieg oder Niederlage am Hotelpool? Die Scharmützel in den Ferien füllen zur Freude der Boulevardblätter regelmäßig das Sommerloch, das im Englischen die wunderbare Bezeichnung „silly season“ trägt, verrückte Jahreszeit.

Als verrückt darf man auch den Kampf um die Sonnenliegen bezeichnen. Gleichwohl müssen die Zeitungen jährlich eingestehen, dass die Deutschen das System, mit Handtüchern in den frühen Morgenstunden Liegen am Hotelpool zu reservieren, regelrecht in Perfektion beherrschen. Deutsch eben. Dieses Jahr aber könnte sich das Blatt wenden.

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Bisher galt in Großbritannien striktes Reiseverbot

So jedenfalls hoffen sie auf der Insel. Mehr als jeder zweite Erwachsene hat bereits eine erste Impfung erhalten, über 16 Millionen Menschen bekamen beide Dosen verabreicht. Die Infektionszahlen sind zudem so niedrig, dass vor allem Optimismus herrscht. Können die Briten nun endlich ihren Urlaub buchen – und müssen nicht einmal die deutsche Konkurrenz am Mittelmeer fürchten, weil die womöglich nicht verreisen darf?

Die Briten saßen noch im Lockdown und dementsprechend zu Hause fest, als vor einigen Wochen Tausende Deutsche nach Mallorca flogen, um sich am Strand von Corona-Restriktionen und Impfchaos zu erholen. Im Königreich herrschte dagegen neben der strengen „Stay at home“-Regel monatelang auch ein striktes Reiseverbot – und das schloss sogar den Trip in den nahen Wald für einen Spaziergang ein.

Niemand fuhr oder flog irgendwohin. An den Flughäfen kontrollierten Polizisten die wenigen Passagiere, ob sie einen triftigen Grund für ihre Reise nennen konnten, der auch nachgewiesen werden musste. Bis heute gilt: Wer aus dem Ausland auf der Insel landet, muss in zehntägige Quarantäne und vor der Ankunft einen und danach zwei weitere Tests für Hunderte Pfund machen.

Reisende aus besonders von der Pandemie betroffenen Ländern sind sogar gezwungen, zwei Wochen auf eigene Kosten in einem Quarantänehotel zu verbringen. Aber: Alles soll nun anders werden, das Reiseverbot soll in England ab dem 17. Mai aufgehoben werden.

Ampelsystem: Deutschland gehört zu den „gelben“ Ländern

Dann gilt ein Ampelsystem, das internationale Reisen wieder ermöglichen soll, wie Verkehrsminister Grant Shapps am Freitag ankündigte. Abhängig davon, wie Länder eingestuft sind, müssen Touristen andere Formalitäten erfüllen. Für Staaten, die auf der „grünen Liste“ stehen, gilt, dass Reisende nicht in Quarantäne müssen, wenn sie sowohl vor der Einreise als auch bei der Ankunft negativ getestet werden.

Deutschland hat es nicht auf die Liste geschafft, dafür unter anderem Portugal, Gibraltar, Israel, Australien, Neuseeland, Singapur und Island. Die Bundesrepublik gehört zu den „gelben“ Ländern. Rückkehrer und Einreisende müssen vor ihrer Ankunft sowie am Tag zwei und acht nach der Landung in England einen Test machen und für zehn Tage in Quarantäne.

Impfhäme in britischen Zeitungen

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Bereits im Februar versprühten die britischen Zeitungen Hoffnung, als bekannt wurde, dass die Regierung nach den anstrengenden Monaten des harten Lockdowns einen „Weg in die Freiheit“ aufgezeigt hatte, der seit März stufenweise erfolgt. Seit Mitte April etwa sind neben Geschäften auch Pubs und Restaurants zumindest draußen wieder geöffnet. Damals schon titelte die „Sun“ mit Stolz auf den eigenen Impffortschritt in Richtung Deutschland: „Wir beneiden dich nicht.“ Das Blatt verwies auf das „einzige deutsche Wort, das die meisten Briten kennen: Schadenfreude“.

Der Artikel strotzte vor Häme angesichts des Impfchaos in Deutschland, und natürlich – sie konnten es nicht lassen – auch die legendären Handtuchwettstreits zwischen britischen und deutschen Urlaubern haben es prominent in die Berichterstattung geschafft. Ein Hoch auf die Klischees. Die Hoffnung ist nun, dass man endlich am Hotelpool die Vorherrschaft über die Sonnenliegen übernehmen könnte, ohne Deutsche vor Ort.

Dabei scheint den Jubel-Briten zu entgehen, dass in Deutschland trotz höherer Inzidenz und schleppend angelaufener Impfkampagne längst wieder über Urlaub geredet wird. Aber lassen wir ihnen zumindest die Vorfreude.

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