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Vereine sollen Energie sparen

Sportministerkonferenz sichert Hilfen zu: Sportvereine geraten durch Energiekrise unter Druck

Steigende Gaspreise machen Sportvereinen, insbesondere mit eigenen Sportstätten, wie Schwimmbädern, zu schaffen.

Steigende Gaspreise machen Sportvereinen, insbesondere mit eigenen Sportstätten, wie Schwimmbädern, zu schaffen.

Berlin/Köln. Etwa 18.000 bis 20.000 Euro mehr muss der MTV Köln 1850 durch gestiegene Gaspreise für sein Sportzentrum stemmen – die Gasumlage noch nicht eingerechnet. „Das trifft uns schon hart“, sagt Vorstandsvorsitzender Holger Dahlke. Man suche derzeit intern nach Möglichkeiten, Energie zu sparen, zum Beispiel durch die Absenkung der Wassertemperatur im vereinseigenen Schwimmbad.

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Noch seien die Kosten tragbar, auch weil der größte Breitensportverein in Köln erst Anfang des Jahres die Mitgliedsbeiträge angehoben hatte, um Verluste durch die Corona-Pandemie auszugleichen. Aber Dahlke betrachtet die Zukunft seines Vereins mit Sorge. „Wir werden uns überlegen müssen, welche Maßnahmen wir vornehmen können. Viele Möglichkeiten gibt es da aber nicht. Wir könnten aufwendigere Angebote runterfahren oder ganz einstellen. Aber dann verlieren wir auch wieder Mitglieder. Das ist die Wahl zwischen Pest und Cholera.“

Verpflichtende Sparmaßnahmen für den Vereinssport gibt es noch nicht, weder vonseiten der Stadt, dem Land noch dem Bund. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) kündigte zuletzt an, dass im Rahmen eines neuen Energiesicherungspakets zum Beispiel private Pools nicht mehr mit Gas beheizt werden dürften. Schwimmbäder wie das des MTV gelten durch das Kursangebot jedoch als öffentlich.

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Doch die Debatte und auch erste Sparschritte haben den Breitensport längst erreicht. Bei der Sportministerkonferenz am Dienstag in München sicherten die Landesvertreter bereits Hilfe bei der Bewältigung der Energiekrise zu. „Die Sportvereine haben schon unter den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie leiden müssen“, sagte Bayerns Sportminister Joachim Herrmann. „Wir plädieren deshalb dafür, Sportstätten und -hallen möglichst lange offen zu halten.“

In Nürnberg und Dresden ging es den öffentlichen Schwimmbädern schon an den Kragen, sie mussten zeitweise schließen. In Sporthallen wurde in einigen Kommunen das Warmwasser abgestellt oder die Temperatur gesenkt. Von Schließungen ist aber noch nicht die Rede.

DOSB appelliert an Kommunen

Der Deutsche Handballbund (DHB) plädiert dafür, Sportstätten auf jeden Fall geöffnet zu lassen: „Dies ist mit Blick auf die physische und psychische Gesundheit essenziell, insbesondere für den Kinder- und Jugendhandball, der während der Corona-Pandemie mit am meisten mit Einschränkungen zu kämpfen hatte“, sagte der DHB-Vorstandsvorsitzende Mark Schober dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Doch auch der Leistungssport dürfe nicht außer Acht gelassen werden: „Gute Trainingsbedingungen in den Hallen sind ein wesentlicher Baustein dafür, um Verletzungsprophylaxe zu betreiben und damit die Gesundheit der Spielerinnen und Spieler zu schützen.“

Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) appelliert an Kommunen, Sporthallen und Schwimmbäder geöffnet zu halten. Vereine und Verbünde sind sich trotzdem einig, dass auch der Sport seinen Teil zum Energiesparen leisten muss. Der DOSB hat den Sportvereinen dafür Leitfäden zur Verfügung gestellt.

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Zu den empfohlenen Maßnahmen gehören dabei auch die Absenkung der Wassertemperatur oder die reduzierte Nutzung der Flutlichtanlage. Diese Maßnahme hat der Karlsruher SC am vergangenen Wochenende erprobt – in der ersten Halbzeit blieb das Licht aus. Via Twitter erklärte der ehemalige Bundesligist: „Gemeinsam mit der DFL prüfen wir heute, wie die Lichtverhältnisse am TV und im Stadion sind, wenn wir bei Mittagsspielen das Flutlicht auslassen, um Strom zu sparen.“

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Ob solche Maßnahmen letztlich ausreichen, um die immensen Mehrkosten auszugleichen, bleibt offen. Der DOSB fordert deshalb finanzielle Unterstützung: „Neben Entlastungen für Privatpersonen und Unternehmen braucht es deshalb ausreichende Kompensationen für die Belastung für die Vereine, ansonsten kann nicht ausgeschlossen werden, dass Vereinen der finanzielle Ruin droht“, erklärte er dem RND.

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Etwa 30 Prozent der Sportstätten sei über 40 Jahre alt und stark sanierungsbedürftig – also noch stärker von steigenden Energiekosten beeinflusst. In dem Hinblick sei das neu gestartete Förderprogramm des Bundes zur Sanierung kommunaler Sportstätten ein wichtiger Schritt.

Aber die Fördersumme, bis 2027 stehen insgesamt 476 Millionen Euro zur Verfügung, sei deutlich zu gering: „Der Handlungsbedarf ist enorm – ebenso aber das Potential. Eine umfassende, flächendeckende energetische Sanierung und Modernisierung der Sportstätten kann dabei helfen, die gesteckten Klimaziele der Politik zu erreichen“, heißt es vom DOSB.

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