• Startseite
  • Politik
  • Endlager in Deutschland: Nach Gorleben-Aus stuft BGE 90 Gebiete als mögliche Atommüll-Endlager ein

Atommüllendlager: 90 Gebiete geeignet – Gorleben nicht darunter

  • Welche Gebiete in Deutschland sind für ein Atommüllendlager geeignet?
  • Nun ist klar, welche Regionen dem Bericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung zufolge infrage kommen.
  • 90 Gebiete stuft die BGE als günstig ein – Gorleben ist nicht darunter.
Anzeige
Anzeige

Düsseldorf/Berlin. 90 Gebiete in Deutschland haben nach Erkenntnissen der Bundesgesellschaft für Endlagerung günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüllendlager. Der Salzstock Gorleben in Niedersachsen ist nicht darunter, wie aus dem am Montag veröffentlichten Zwischenbericht Teilgebiete hervorgeht.

Video
Gorleben wird kein Atommüll-Endlager
2:23 min
Das Endlager für hochradioaktiven Atommüll wird nicht im niedersächsischen Gorleben gebaut. Das Lager sei dafür zu Instabil.  © Reuters

Berücksichtigt man die Überlagerung einiger Gebiete, ist laut Bericht in Deutschland ein Anteil von 54 Prozent der Landesfläche als Teilgebiet ausgewiesen. Teilgebiete liegen etwa in Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen, aber auch in den ostdeutschen Ländern.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Eine Vorfestlegung auf einen Standort ist damit aber noch längst nicht verbunden. In den kommenden Monaten und Jahren werden die möglichen Standorte nach und nach weiter eingegrenzt, indem weitere Kriterien – etwa die Bevölkerungsdichte – berücksichtigt werden.

Debatte um Endlagerung nimmt Fahrt auf

Dennoch dürfte die Debatte über die Endlagerung von hoch radioaktivem Atommüll damit in Fahrt kommen – vor allem in den Gebieten, die nun näher unter die Lupe genommen werden sollen.

Anzeige

Das Endlager soll unterirdisch in Salz, Ton oder Kristallin, also vor allem Granit, entstehen. 2031 soll der Standort gefunden sein, ab 2050 sollen Behälter mit strahlendem Abfall unterirdisch eingelagert werden.

Anzeige

Der Bericht listet erst einmal alle Regionen in Deutschland auf, “die günstige geologische Voraussetzungen für die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle erwarten lassen”, so schreibt es das entsprechende Gesetz vor. Deswegen sind es noch ziemlich viele und teils auch recht große Gebiete. Konkreter wird es erst in den kommenden Jahren. Aus den Teilgebieten werden sogenannte Standortregionen ausgewählt, die übertägig genauer erkundet werden. Einige davon werden dann auch untertägig erforscht.

Nach Gorleben-Zoff Prinzip der “weißen Landkarte”

Nach langem Ärger um den Salzstock Gorleben wurde die Endlagersuche komplett neu gestartet. Ausgehend von einer “weißen Landkarte”, auf der erst mal jeder Ort grundsätzlich infrage kommt, werden mögliche Standorte nun nach wissenschaftlichen Kriterien nach und nach eingegrenzt. Am Ende soll dann aber die Politik die Entscheidung über den Standort treffen – basierend auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen. Über verschiedene Formate können sich Bürger, Gemeinden und Organisationen in den Prozess einbringen.

Anzeige

Zoff hatte es vor allem um Gorleben gegeben, das zu einem Symbol der Anti-Atomkraft-Bewegung geworden war. Manche forderten schon vor der Veröffentlichung des Berichts, den Salzstock als “politisch verbrannt” aus der Suche auszunehmen. Aber auch die bayerische Landesregierung hat Ärger auf sich gezogen, weil sie den Suchprozess anzweifelt und darauf pocht, dass der Untergrund in Bayern nicht geeignet sei. Beides stellte das Prinzip der “weißen Landkarte” infrage, die erst nach und nach anhand messbarerer Kriterien eingegrenzt wird.

Auf dieses Prinzip pochen unter anderem die Grünen, deren Wurzeln auch in der Anti-Atomkraftbewegung liegen. “Jetzt ist erst einmal die Wissenschaft am Zuge und die sollte man auch in Ruhe machen lassen”, sagte Bundestags-Fraktionsvize Oliver Krischer der dpa. Im Fall Gorleben habe es in erster Linie eine politische Entscheidung gegeben. In den 70er-Jahren war beschlossen worden, dort ein Endlager einzurichten. Deswegen habe “ein Landstrich fast komplett rebelliert”.

RND/dpa

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen