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Selbstversuch in Berlin

Ende der Maskenpflicht: Wer trägt jetzt noch Mundschutz?

Mit oder ohne? Ab diesem Wochenende gilt keine Maskenpflicht mehr im Einzelhandel. Wie viele Kundinnen und Kunden gehen trotzdem auf Nummer sicher?

Berlin. Die meisten Schilder sind verschwunden. Die meisten Masken auch? Im Drogeriemarkt Müller in der Berliner East Side Mall ist noch ein Hinweis zu lesen: „In unserem Geschäft gilt das Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes.“ Die Kassiererin sagt allerdings: „Auch bei uns gilt keine Maskenpflicht mehr.“

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Das Schild? Wohl noch ein Überbleibsel der bisherigen Regelung. Erst einen Tag zuvor, am 1. April, sind die bundesweiten Regelungen in Berlin abgeschafft worden. Gut möglich, dass da noch nicht alle Hinweis­schilder abgehängt wurden.

Die Bundesregierung hatte die Corona-Maßnahmen zum 20. März auslaufen lassen, bis zu diesem Wochenende galt eine Übergangs­frist. Die anderen Bundesländer folgen spätestens am Montag. Nur Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern haben sich zum Hotspot erklärt und behalten dadurch strengere Maßnahmen bei.

Blick in den Supermarkt: noch Masken auf?

Nun gilt also nur noch ein Basisschutz. Das heißt: Maskenpflicht in Bussen und Bahnen sowie Kliniken und Pflegeheimen. In Supermärkten, Drogerien und anderen Geschäften des Einzelhandels darf man nun einkaufen, ohne vor der Ladentür anzuhalten, um schnell die Maske aus der Jackentasche zu fischen.

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Doch wie sieht die Realität aus? Nutzen die Kundinnen und Kunden die neuen alten Regelungen oder bleiben sie vorsichtig? Freedom Day oder Verantwortung?

In Berlin ist die Antwort recht eindeutig: Verantwortung. Ob zwischen Bananen und Äpfeln im Supermarkt, in der Schlange bei dm oder vor der Kleiderstange in einem Shop von H&M: Die meisten tragen nach wie vor Maske.

Einzelhandel verzichtet auf Hausrecht

Und das, obwohl die Einzel­handels­ketten nicht dem Wunsch von Bundes­gesund­heits­minister Karl Lauterbach (SPD) gefolgt sind. Er hätte es befürwortet, wenn Super­markt­ketten und Veranstalter trotz Wegfall der staatlichen Vorgaben weiterhin eine Maskenpflicht für ihre Innenräume vorschreiben würden. Die großen Ketten verzichten allerdings darauf, sich auf ihr Hausrecht zu berufen. Sie würden den Regeln der Bundes­regierung folgen und höchstens daran appellieren, eine Maske zu tragen.

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„Leider hat der Gesetzgeber mit der Novelle des Infektions­schutz­gesetzes entschieden, dass die Pflicht zum Tragen von Masken nur noch in Ausnahmefällen und in besonderen Hotspots angeordnet werden kann“, hatte der Edeka-Verbund im Vorfeld gegenüber der Deutschen Presse-Agentur kritisiert. „Man kann daher nun nicht erwarten, dass wir mithilfe des Hausrechts weiterhin eine Maskenpflicht durchsetzen.“

„Meine Gesundheit geht vor“

So hält es auch die Modekette H&M: Neben dem Eingang klebt lediglich ein Zettel, auf dem das Tragen einer Maske und die übrigen Hygiene­maßnahmen empfohlen werden. Auch hier sind jene in der Mehrzahl, die mit Mund-Nasen-Schutz einkaufen. „Ich fühle mich mit Maske einfach sicherer“, sagt, darauf angesprochen, eine Kundin. Am Appell am Eingang liegt es also nicht. „Heute wurde ich dafür nicht komisch angeguckt, nächste Woche ändert sich das bestimmt – aber meine Gesundheit geht vor.“

Die Corona-Schutzmaßnahmen sind zum ersten Aprilwochenende weggefallen. In Berlin hängt am Eingang eines H&M-Stores ein Appell an die Kundinnen und Kunden.

Die Corona-Schutzmaßnahmen sind zum ersten Aprilwochenende weggefallen. In Berlin hängt am Eingang eines H&M-Stores ein Appell an die Kundinnen und Kunden.

Damit entspricht sie dem zweiten Appell von Bundes­gesund­heits­minister Lauterbach. Nicht nur von den Einzel­handels­ketten hatte er sich Eigeninitiative gewünscht. Auch gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern hatte er eine Bitte geäußert: „Der Einzelne sollte sich von den Lockerungen jetzt nicht irritieren lassen. Die Pandemie ist noch nicht vorbei“, sagte Lauterbach vor dem Wegfall der staatlichen Vorgaben. „Bitte tragen Sie freiwillig Masken in Innenräumen.“

Diese seien ein besonders wirksamer Schutz und sollten so viel wie möglich genutzt werden. Die Gefahr, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, sei aktuell so hoch wie nie zuvor.

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Nicht nur in der East Side Mall scheinen viele Shopper Lauterbachs Meinung zu teilen. Auch andernorts sind jene, die ihre Masken weiterhin aufbehalten, in guter Gesellschaft.

Zehn Personen stehen auf einer Rolltreppe in der Mall of Berlin in der Nähe des Potsdamer Platzes. Nur zwei von ihnen tragen keine Maske. Seltsame Blicke oder Sprüche erntet an diesem ersten maskenfreien Samstag niemand – weder jene, die sie freiwillig tragen, noch die, die ihre Freiheit auskosten.

Ob nun weniger Kunden in die Shopping­zentren gehen, aus Angst vor einem höheren Infektions­risiko? Nein, sagt eine Mitarbeiterin am Infopoint der Mall of Berlin. Und auch in der East Side Mall seien so viele Menschen unterwegs wie an anderen Samstagen, heißt es dort.

Ende der Maskenpflicht: Freedom Day in Deutschland?

Ab dem 2. April gilt das neue Infektionsschutzgesetz. Viele Corona-Schutzmaßnahmen fallen dann weg. Was ist ab Samstag wieder erlaubt – und was nicht?

Für den öffentlichen Nahverkehr gelten die Lockerungen nicht. Führt das zu Verwirrung? Offenbar nicht. In den S- und U‑Bahnen tragen die allermeisten Passagiere ihre Masken. Diejenigen, die ihre Maske nur über dem Mund tragen, gab es ja auch schon zu Beginn der Maskenpflicht.

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Ob sich der Eindruck vom ersten maskenfreien Samstag verstetigt und die Vorsicht überwiegt – oder ob die meisten Menschen noch nichts von den Neuerungen mitbekommen haben, werden die nächsten Tage am Super­markt­regal zeigen.

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