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Macron zu Gast bei Merkel – „Weil Frankreich gewonnen hat, könntest du beginnen“

  • Nach monatelangen Videokonferenzen empfängt Bundeskanzlerin Angela Merkel erstmals wieder einen ausländischen Gast im Kanzleramt.
  • Mit Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron spricht sie über den Umgang mit der Pandemie, das Verhältnis zu Russland und zur Türkei.
  • Und die Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich in der Europameisterschaft spielt auch eine Rolle.
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Berlin. Es gibt gerade viele letzte Male bei Angela Merkel, da kann etwas Abwechslung ganz gut tun: eine Premiere zum Beispiel, auch das gibt es noch so kurz vor Dienstende. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron ist dafür nach Berlin gekommen.

Abendessen in Berlin statt in Paris also, das ist für Staatschefs nicht komplett ungewöhnlich, nach einem Jahr Pandemie dann aber eben doch: Macron ist der erste ausländische Staatsgast, den Merkel in diesem Jahr im Kanzleramt empfängt. In Nicht-Corona-Zeiten wäre im Juni so ungefähr der Zwanzigste dran gewesen.

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Macron zu Gast bei Merkel in Berlin
1:08 min
Der französische Präsident Emmanuel Macron ist zum ersten Mal seit der Corona-Pandemie bei Bundeskanzlerin Angela zu Gast.  © Reuters
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Zeichen des Fortschritts

„Ich freue mich, dass er heute wieder da ist“, sagt Merkel. Es sei „ein gutes Zeichen“, weil das nur möglich sei wegen der Fortschritte in der Pandemiebekämpfung.

Das ist sehr technisch und dadurch ein klein wenig uncharmant. Aber das mit dem Charme holt Merkel noch nach, es gibt noch ein herzliches Willkommen an den „lieben Emmanuel“.

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Es geht ja an diesem Abend nicht nur ums nette Zusammensitzen, bei dem man ein bisschen plaudern kann, zum Beispiel darüber, was Merkel künftig so macht, wenn sie mal nicht mehr Kanzlerin ist. Es sind ja nur noch ein paar Monate bis dahin.

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Macron zu Gast bei Merkel in Berlin
1:08 min
Der französische Präsident Emmanuel Macron ist zum ersten Mal seit der Corona-Pandemie bei Bundeskanzlerin Angela zu Gast.  © Reuters
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Aber erst mal ist sie noch im Amt, und Macron hat schon im Februar mal erklärt, man werde „bis zur letzten Sekunde“ zusammenarbeiten. Und so freundlich ist es ja gar nicht immer gewesen zwischen Macron und Merkel – der Franzose stürmte mit europäischen Initiativen voran und fühlte sich von der Kanzlerin alleingelassen.

Nun betonten beide den „deutsch-französischen Motor“ Europas.

Verhältnis zu Russland

Einige Brocken stehen ja an auf dem EU-Gipfel: Es geht um das Verhältnis zu Russland, wo Macron zwischendurch auch mal mehr Gesprächskanäle getestet hat. Nach dem Treffen von US-Präsident Joe Biden und Russlands Staatschef Wladimir Putin wird nun auch in der EU ein neuer Ton gesucht. „Wir sind uns beide bewusst, dass es die Notwendigkeit gibt, gemeinsame Regeln für ein Verhältnis mit Russland zu finden“, sagt Macron.

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Man müsse „mit Russland im Gespräch bleiben, so schwer es auch ist“, sagt Merkel.

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Und das Verhältnis zur Türkei ist auch noch so eine Sache. „Es gibt Meinungsverschiedenheiten, aber wir sind aufeinander angewiesen“, sagt Merkel. Das gelte für die Themen Migration, für den Konflikt in Syrien und in Libyen.

Bei der Migration müssten alle EU-Staaten „eine bestimmte Form der Solidarität“ zeigen, um weitere Flüchtlingsdramen auf dem Mittelmeer zu verhindern, sagt Macron. Man sei da „nicht am Ziel“, räumt Merkel ein. Aber man habe wenigstens „Initiativen gestartet“.

Ob es eine gute Idee sei, das Endspiel der Fußball-Europameisterschaft in Großbritannien auszutragen, wo die besonders ansteckende Delta-Variante des Coronavirus vermehrt auftritt, fragt ein Journalist noch. Merkel rettet sich mit der Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich. „Weil Frankreich gewonnen hat, könntest du beginnen“, so schiebt sie Macron die erste Antwort zu.

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„Wir sind sehr aufmerksam“, sagt der mehrfach. Und dann ist Merkel doch noch etwas eingefallen.

„Wir können nicht so tun, als wäre Corona schon vorbei“, sagt sie. Die Lage könne sich schnell wieder ändern. „Vorsicht ist weiter notwendig.“ Auch wenn der Sommerabend noch so lau sei.

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