Elterngeld: Jede vierte Frau bekommt nur den Mindestsatz

  • Viele Frauen in Deutschland erhalten nur 300 Euro Elterngeld, wie aus einer Linken-Anfrage hervorgeht.
  • Die Partei fordert deshalb die Erhöhung des Mindestbetrags und eine Anpassung an die Inflation.
  • Es wird klar: Noch immer deutlich mehr Mütter Elterngeld in Anspruch – und das auch deutlich länger als Väter.
Antea Obinja
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Berlin. Mehr als ein Viertel aller Mütter, die Elterngeld beziehen, bekommt nur den Mindestbetrag von 300 Euro im Monat. Das geht aus einer Kleinen Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

Besonders hoch ist der Anteil der Frauen, die nur den Mindestbetrag bekommen, in Bremen, im Saarland und in Nordrhein-Westfalen. Unter den Vätern fällt die Zahl deutlich geringer aus, nur rund 9 Prozent der leistungsberechtigen Väter erhalten den Mindestbetrag.

Elterngeldberechtigt sind Beschäftigte und Selbstständige, die ihr Kind selbst betreuen und höchstens 30 Stunden pro Woche arbeiten. Beim Elterngeld stehen den Eltern gemeinsam vierzehn Monate zu, die sie sich frei untereinander aufteilen können. Ein Elternteil kann dabei mindestens zwei und höchstens zwölf Monate in Anspruch nehmen. Nimmt beispielweise der Vater die ihm zustehenden zwei Monate nicht in Anspruch, verfallen sie.

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Elterngeld Plus soll Flexibilität ermöglichen

Beim Elterngeld Plus haben Eltern die Möglichkeit, Elterngeld länger in Anspruch zu nehmen – allerdings sinkt dann die Höhe der monatlichen Zahlungen. Jeder reguläre Elterngeldmonat kann in zwei Elterngeld-Plus-Monate getauscht werden.

Das Ziel der 2015 verabschiedeten Neuregelungen war es, dass Eltern Erwerbs- und Familienarbeit flexibel und gerechter untereinander aufteilen können. Aus der aktuellen Anfrage geht allerdings hervor, dass die Unterschiede in der Bezugsdauer des Elterngeldes noch immer groß sind: Im vergangenen Jahr bezogen rund 1,9 Millionen Menschen in Deutschland Elterngeld. Darunter waren allerdings lediglich 462.300 Männer, nur rund 25 Prozent. Diese wiederum nahmen mehrheitlich nur zwei Monate Elterngeld in Anspruch.

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Zum Vergleich: Frauen planten im Schnitt 14,5 Monate Elternzeit. Die Unterschiede in der Bezugsdauer haben sich seit der Einführung von Elterngeld Plus im Jahr 2015 kaum verändert: 2020 planten Männer im Schnitt 3,7 Monate Elterngeldbezug, vor fünf Jahren waren es 3,3 Monate.

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Die Linke fordert Erhöhung des Mindestbetrags um 54 Euro

Katrin Werner, familienpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Die Linke, sagte: „Wir haben einen Reformstau beim Elterngeld, der zu einer Benachteiligung von ärmeren Familien führt.“ Der Mindestbetrag, der seit 2007 nicht mehr erhöht wurde, werde jedes Jahr ein Stückchen mehr von der Inflation aufgefressen.

„Um diese Entwicklung auszugleichen, muss der Mindestbetrag beim Elterngeld von 300 Euro auf 354 Euro und beim Elterngeld Plus von 150 Euro auf 177 Euro aufgestockt werden“, forderte Werner. Außerdem brauche es eine jährliche Anpassung des Mindestbetrags an die Inflation.

Mit Blick auf die großen Unterschiede zwischen Vätern und Müttern in der Bezugsdauer forderte die Linken-Politikerin: „Es braucht zwölf Monate Elterngeldanspruch pro Elternteil, und zwar nicht übertragbar.“ Viele Paare würden sich gerechtere Aufteilung von Sorge- und Erwerbsarbeit wünschen, dies könnte mit dem Elterngeld deutlich besser gefördert werden, sagte Werner.

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