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Eliten in Davos: Wird US-Präsident Trump Greta Thunberg treffen?

  • US-Präsident Donald Trump wird am Dienstag in den Schweizer Alpen erwartet, Greta Thunberg ist schon da.
  • 50 Jahre nach dessen Gründung scheint aus dem Weltwirtschaftsforum ein Weltklimaforum zu werden.
  • Bundesentwicklungsminister Gerd Müller mahnt: Die Wohlhabenden müssen vorangehen.
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Berlin. Die Welt dreht sich in dieser Woche um das Schweizer Bergdorf Davos. Entscheider aus Politik und Wirtschaft reisen dorthin, um in der Abgeschiedenheit der Graubündner Alpen globale Probleme zu bereden und um für ihre Vorstellungen von einer besseren Welt zu werben.

In seiner 50. Ausgabe wartet das Weltwirtschaftsforum in Davos mit einer Premiere auf: Erstmals stehen die Risiken des Klimawandels im Fokus des viertägigen Treffens.

„Die Welt befindet sich in einer Notlage“, sagte der Gründer des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab. Viel Zeit zum Handeln bleibe nicht mehr, mahnte der deutsche Ökonom. So fordert das Weltwirtschaftsforum die in Davos versammelten Wirtschaftsbosse dazu auf, ihre Unternehmen bis 2050 klimaneutral aufzustellen – sie sollen nicht mehr Kohlenstoff ausstoßen als sie binden können. Dafür sollen in den nächsten zehn Jahren eine Billion Bäume auf der Welt gepflanzt werden.

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Dass jedoch der erste prominente Redner des diesjährigen Weltwirtschaftsforums die versammelte globale Elite zu mehr Klimaschutz motiviert, darf bezweifelt werden. Donald Trump hat sich für den Dienstagvormittag angekündigt. Vom menschlichen Einfluss auf das Klima ist Trump nicht überzeugt; eine seiner ersten Amtshandlungen war es, den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen zu verkünden.

Welche Botschaft wird Trump mitbringen?

Irgendeine starke Botschaft wird der US-Präsident in Davos aber bestimmt setzen wollen. Schließlich beginnt am selben Tag in Washington das Amtsenthebungsverfahren gegen Trump. Da wird der US-Präsident die Gelegenheit, selbst die US-Schlagzeilen zu bestimmen und den oppositionellen Demokraten Aufmerksamkeit abzuzwacken, wohl kaum ungenutzt verstreichen lassen.

Zum Beispiel könnte sich Trump mit Greta Thunberg zum Plausch treffen. Bei ihrem ersten Davos-Besuch vor einem Jahr campierte die schwedische Klimaaktivistin noch im Freien. Diesmal darf Thunberg nach Trump auf der Hauptbühne der Tagung sprechen, auf persönliche Einladung des Cheforganisators Schwab.

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„Wir brauchen Systemwandel, keinen Klimawandel“, schrieb der 81-jährige Schwab der 17-jährigen Thunberg in einem Brief, über den der Dokumentarfilmer Marcus Vetter im ARD-Film „Das Forum“ berichtet. „Ich werde die Teilnehmer eine Erklärung unterschreiben lassen, angepasst an die Verantwortung, die sie im Wirtschafts- und Finanzwesen und in der Politik tragen“, sicherte Schwab zu.

Ob sich Thunberg damit zufrieden gibt? Im Namen der von ihr initiierten Bewegung „Fridays for Future“ forderte die junge Schwedin in einem offenen Brief in der britischen Zeitung „Guardian“ alle Davos-Teilnehmer auf, „unverzüglich und vollständig“ sämtliche Investitionen in fossile Brennstoffe beenden.

Blick auf das verschneite Davos. Das Weltwirtschaftsforum in Davos findet 2020 zum 50. Mal statt. © Quelle: Xu Jinquan/XinHua/dpa

Das Thema treibt die Finanzbranche um. Vor wenigen Tagen sprach sich Larry Fink, immerhin Chef des weltweit größten Vermögensverwalters Blackrock, für mehr Umweltbewusstsein aus. Fink kündigte an, sich von Anlagen trennen zu wollen, die mehr als ein Viertel ihrer Einnahmen aus der Kohleproduktion erwirtschaften.

Mit Spannung wird auch der für Donnerstag geplante Auftritt von Kanzlerin Angela Merkel erwartet. Mit dem jüngst beschlossenen Klimaschutzgesetz müht sich die Bundesregierung, Deutschlands ramponiertem Ruf als Klimamusterschüler wieder gerecht zu werden. Angekündigt sind weitere 23 Premierminister, 22 Präsidenten und fünf Angehörige von Königshäusern. Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif sagte seine Teilnahme ab.

Minister Müller wirbt für Klimaneutralität

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Bundesentwicklungsminister Gerd Müller sieht vor allem die Wirtschaft in der Pflicht. „Der Klimawandel ist die Überlebensfrage der Menschheit. Deshalb müssen gerade die Wohlhabenden beim Klimaschutz vorangehen“, sagte der CSU-Politiker dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Mein Appell an Davos ist: Der Veranstalter und die teilnehmenden Organisationen und Unternehmen sollten sich klimaneutral stellen“, sagte Müller.

Er verwies auf eine Initiative seines Ministeriums: „Mit der Allianz für Entwicklung und Klima haben wir ein passendes Instrument entwickelt. Schon 500 Firmen, Verbände und Organisationen machen mit - vom Dax-Unternehmen bis zum Bundesligisten. Emissionen, die sich nicht vermeiden oder verringern lassen, kompensieren sie mit qualitätsgeprüften Klimaschutzprojekten in Entwicklungs- und Schwellenländern.“

Grüne warnen vor "Klima-Charity"

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter warnt vor Schaufensterprojekten beim Klimaschutz. „Die Wirtschaft darf den nötigen ökologischen Wandel nicht oberflächig angehen“, sagte Hofreiter dem RND. „Wer als Unternehmen verantwortlich und vorausschauend handeln will, muss den Klimaschutz tief im eigenen Geschäftsmodell verankern, Investitionen in klimaschädliche Geschäftsbereiche drastisch zurückfahren und stattdessen in neue, saubere Produkte und Technologien investieren“, forderte der Grünen-Bundestagsabgeordnete. Mit „Imagekampagnen und Klima-Charity-Veranstaltungen“ sei es nicht getan.

Zur jährlichen Davos-Tradition gehört inzwischen auch die Veröffentlichung des Oxfam-Ungleichheitsberichts. Der Hilfsorganisation zufolge ist der globale Wohlstand sehr ungleich verteilt – zwischen Reichen und Armen, aber auch zwischen Männern und Frauen. Demnach besitzen Männer 50 Prozent mehr Vermögen als Frauen. Dass unbezahlte Kümmerer-Arbeit wie Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder Sorge für den Haushalt meist Frauen abverlangt wird, sei ein zentraler Grund hierfür.

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