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Einsatzleiter zu Halle-Anschlag: Erst spät von Schusswechsel erfahren

  • In Sachsen-Anhalt befasst sich der Landtag mit möglichen Versäumnissen der Polizeiarbeit beim Anschlag auf die Synagoge in Halle im Oktober 2019.
  • So hat der Einsatzleiter eigenen Angaben zufolge erst spät von wichtigen Details erfahren.
  • Der Täter steht ab Dienstag vor Gericht.
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Magdeburg. Der Leiter des Polizeieinsatzes beim rechtsextremen Anschlag in Halle hat erst spät von einem Schusswechsel zwischen dem Täter und Polizisten erfahren. Die Sicherheitskräfte vor Ort hätten auf die Frage, ob sie geschossen hätten, nicht geantwortet, sagte der Beamte der Polizeiinspektion Halle am Donnerstag im Untersuchungsausschuss des Landtages in Magdeburg.

Er vermute, sie hätten so unter dem Eindruck des Einsatzgeschehens gestanden, dass sie die Frage nicht gehört hätten. Die Beamten hätten die Schüsse melden müssen. Stattdessen seien diese erst nach der Festnahme des Täters knapp zwei Stunden später bekannt geworden. Der Beamte sagte, auf den Einsatz habe das keine Auswirkungen gehabt.

Kein Einsatz ohne Fehler

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Auch dass andere Polizisten den Täter bei dessen Flucht über die Autobahn aus den Augen verloren hätten, sei bei ihm mit erheblicher Verzögerung angekommen, berichtete der Einsatzführer, der seit 35 Jahren bei der Polizei arbeitet. Es gebe keinen Einsatz ohne Fehler.

Am 9. Oktober hatte ein schwerbewaffneter Mann versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen, in der Gläubige den höchsten jüdischen Feiertag begingen. Als er scheiterte, erschoss er in der Nähe eine 40-Jährige und einen 20-Jährigen. Auf der Flucht verletzte der Täter ein Paar schwer, bevor er bei Zeitz von zwei Polizisten festgenommen wurde.

Der zum Tatzeitpunkt 27 Jahre alte Deutsche hat den Anschlag gestanden und rechtsextreme und antisemitische Motive eingeräumt. Vom kommenden Dienstag an steht er in Magdeburg vor Gericht.

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Täter von Halle gesteht rechtsextremistisches Motiv
0:55 min
Der Todesschütze von Halle hat die Tat gestanden und auch ein rechtsextremistisches, antisemitisches Motiv bestätigt.  © dpa
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Mögliche Versäumnisse seit Februar untersucht

Das Ziel, den Täter zeitnah zu stellen und weitere Gefahr für die Bevölkerung abzuwenden, sei erreicht worden, führte der befragte Polizist vor den Parlamentariern aus. 90 Minuten nach dem ersten Notruf wurde der Attentäter nach einem Unfall gefasst. Dass Polizisten aus Zeitz den Mann so festnahmen, sei "hart erarbeitetes Glück" gewesen, sagte der damalige Einsatzleiter. "Wir hätten ihn kurze Zeit später auch so gehabt."

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Seit Februar befasst sich der Untersuchungsausschuss im Landtag mit dem Polizeieinsatz und möglichen Versäumnissen sowie mit der Sicherheit der jüdischen Gemeinden in Sachsen-Anhalt.

RND/dpa

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