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  • Einigungsvertrag: Günther Krause darf nicht zur Einheitsfeier – “Strukturelle Benachteiligung der Ostdeutschen”

Verhandler des Einigungsvertrags: Günther Krause darf nicht zur Einheitsfeier

  • Er unterschrieb für die DDR den Einigungsvertrag: 30 Jahre später darf Günther Krause zum ersten Mal nicht zum zentralen Festakt kommen.
  • Der Ex-“Dschungelcamp”-Teilnehmer sieht darin eine “strukturelle Benachteiligung der Ostdeutschen”.
  • Die Potsdamer Veranstalter führen Corona-Regeln zur Begründung an.
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Potsdam. Er verhandelte für die DDR-Seite den Einigungsvertrag, unterzeichnete ihn zusammen mit Wolfgang Schäuble. Günther Krause (67) ist ohne Zweifel eine zentrale Figur des deutschen Einigungsprozesses. Die vergangenen Jahre war er auch jedes Mal zum zentralen Festakt am 3. Oktober eingeladen. “Ich saß immer in der vierten Reihe”, erinnert sich Krause.

Ausgerechnet zum 30. Jubiläum der Einheit ist damit Schluss. Zum Festakt in der Metropolishalle in Potsdam-Babelsberg ist Krause nicht eingeladen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) werden sprechen. Krauses früherer Verhandlungspartner, der heutige Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble wird teilnehmen. Ebenso höchstwahrscheinlich Krauses frühere politische Weggefährtin aus Mecklenburg-Vorpommern, Bundeskanzlerin Angela Merkel.

“So eine Wende wie die in der DDR hätten die im Westen gar nicht hingekriegt”: Günther Krause in seinen Empfangsräumen in einer Brandenburger Villa unbekannter Besitzer.
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Krause selbst aber muss draußen bleiben. Dabei wohnt er ganz in der Nähe in Werder (Havel). Und er wäre der einzige Teilnehmer, der das RTL-“Dschungelcamp” besucht hat, im fernen Januar 2020. Er fuhr in einer Limousine mit schwarz-rot-goldener Standarte vor – musste aber bereits nach einem Tag wegen Kreislaufproblemen wieder ausscheiden.

Für Günther Krause, Bundesverkehrsminister a. D., begann sein Dschungelabenteuer staatsmännisch – endete aber auch schnell. © Quelle: TVNOW

Dass er beim Festakt nicht berücksichtigt wurde, ist für Krause ein Zeichen von struktureller Benachteiligung von DDR-Bürgern. Dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) sagt er: “Warum sollte es mir anders gehen als anderen Ostdeutschen, die als Menschen zweiter Klasse behandelt werden?”

Die Potsdamer Staatskanzlei des (ostdeutschen) Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) möchte das so nicht stehen lassen. Wegen der Corona-Beschränkungen dürfen an der Einheitsfeier in der größten Halle der Landeshauptstadt nur 235 Menschen teilnehmen. Fast die Hälfte der Plätze sind an Bürgerdelegationen aus allen Bundesländern vergeben, die mit zusammen 111 Personen kommen werden. “Es war uns sehr wichtig, dass möglichst viele Bürgerinnen und Bürger am Festakt teilnehmen können”, sagt Regierungssprecherin Eva Jobs dem RND.

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Die restlichen Plätze werden an Funktionsträger nach aktueller protokollarischer Rangfolge vergeben. Krause aber hat seit seinem Rücktritt als Bundesverkehrsminister 1993 kein öffentliches Amt mehr inne.

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