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Eingeständnis der Niederlage: Frankreich geht wieder in den Lockdown – teilweise

  • Die französische Regierung hat erneut einen Lockdown verhängt – allerdings nicht flächendeckend.
  • Damit setzt das Land weiterhin auf eine den lokalen Begebenheiten angepasste Strategie.
  • Es hofft, einen dritten landesweiten Lockdown umgehen zu können.
Lisa Louis
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Paris. „Die Situation verschlimmert sich, und es ist nun unsere Verantwortung, dass sie uns nicht aus der Hand gleitet“, sagte Frankreichs Premierminister Jean Castex am Donnerstagabend mit ernstem Gesichtsausdruck in einer Fernsehansprache. Dann kündigte er einen vierwöchigen Lockdown in 16 Départements an, zu denen auch die Hauptstadt Paris und ihre Region gehören.

Es ist ein Eingeständnis der Niederlage, denn eigentlich hatte Präsident Emmanuel Macron Ende Januar entschieden, dass es keinen dritten Lockdown geben soll. Dabei hatte er ihn inzwischen für zwei Regionen verhängt, aber nur an den Wochenenden. Dennoch hofft die Regierung noch immer, die neuen Maßnahmen nicht auf das ganze Land ausweiten zu müssen.

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Die angekündigten Regeln gelten in 15 Départements, die von der Pariser Region bis in den hohen Norden reichen, und im südlichen Département Alpes-Maritimes um Nizza herum.

Nur sogenannte essenzielle Geschäfte dürfen offenbleiben – wozu diesmal auch Buchhandlungen und Musikläden gehören. Schulen bleiben ebenfalls geöffnet und Bewohner dieser Gegenden dürfen, anders als während der ersten zwei nationalen Lockdowns, ohne Zeitbeschränkung raus – vorher war der tägliche Spaziergang auf eine Stunde limitiert.

Allerdings muss man sich innerhalb eines Radius von zehn Kilometern bewegen, und interregionale Reisen sind in den betroffenen Regionen verboten. Gleichzeitig hat die Regierung die nächtliche Ausgangssperre, die bisher ab 19 Uhr gilt, um eine Stunde nach hinten verschoben – im ganzen Land.

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Frankreich: Impfstoff von Astrazeneca auch für über 65-Jährige
1:16 min
Im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie weitet die französische Regierung die Anwendung des Impfstoffs von AstraZeneca aus.  © Reuters
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Ein Lockdown Light

Es ist ein Lockdown Light, bei dem die Menschen mehr rausdürfen – weil man inzwischen davon ausgeht, dass die Ansteckungsgefahr draußen nicht so hoch ist. Die Regierung setzt auf den differenzierten Ansatz, weil eben die Inzidenz, – also die Neuansteckungen pro 100.000 Bewohner pro Woche –, in den unterschiedlichen Teilen des Landes weit auseinandergeht.

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In Kontinentalfrankreich reicht sie von 65,6 im Département Pyrénées-Atlantiques im äußersten Südwesten bis zu 544,8 im Département Val-d’Oise nördlich von Paris. In der Pariser Region werden inzwischen um die 1200 Menschen auf Intensivstationen behandelt – mehr als während der zweiten Welle vergangenen November.

Trotzdem scheint der Trend im ganzen Land noch oben zu gehen – die Zahl der täglichen Neuansteckungen steigt seit Wochen, am Donnerstag erreichte sie fast 35.000. Dass die Regierung dennoch glaubt, der territoriale Ansatz reiche aus, liegt auch an der neuen Wunderwaffe: „Der Unterschied zu vorherigen Lockdowns ist, dass wir diesmal eine Perspektive haben – und zwar die Impfung“, sagte Castex.

Das Land will am Freitagmorgen den Impfstoff von Astrazeneca, der wie in Deutschland wegen möglicher Nebenwirkungen zeitweise ausgesetzt worden war, wieder autorisieren. Der Premier selbst lässt sich gleich impfen – damit die Leute dem Vakzin wieder vertrauen. Doch so richtig in Fahrt ist die Impfkampagne bisher noch nicht gekommen.

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Lediglich 5,6 Millionen Franzosen haben mindestens eine Impfdosis bekommen. Und nur 20 Prozent von ihnen vertrauen laut Umfragen noch auf den Impfstoff von Astrazeneca. Der ist ein wichtiger Baustein der französischen Impfstrategie.

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