Eine Niederlage eröffnet den Wahlkampf

  • Das SPD-Führungsduo Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans hatte eigentlich die Ära der Pragmatiker beenden wollen.
  • Nun haben sie ausgerechnet Olaf Scholz zum Kanzlerkandidaten gemacht.
  • Die Pandemie bleibt ein entscheidender Faktor in der Politik.
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

selten hat eine Parteiführung die eigene Niederlage so eilfertig vollzogen wie das SPD-Führungsduo Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans. Als die beiden vor einem Dreivierteljahr in einem langwierigen Findungsprozess Olaf Scholz ausstachen, hatten sie der Parteibasis eine neue SPD versprochen, eine, die mehr linke Programmatik verkörpert und – vor allem – weniger Olaf Scholz. Nun hat die Pragmatik gegen die Programmatik doch noch gesiegt – wieder einmal. Olaf Scholz wird Spitzenkandidat, vorgeschlagen von seinen innerparteilichen Gegnern.

Wie SPD-Chef Walter-Borjans diese überraschende Wendung verkauft, lesen Sie im Interview mit dem SPD-Chef, das RND-Hauptstadtkorrespondent Andreas Niesmann gestern nach der Entscheidung führen konnte.

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Der Tag Die Themen des Tages und besondere Leseempfehlungen: Das Nachrichten-Briefing vom RedaktionsNetzwerk Deutschland. Jeden Morgen um 7 Uhr.

Entscheidend für Scholz’ Nominierung war wahrscheinlich auch seine Wumms-Rhetorik in der Corona-Krise. Ganz im Stile seines Finanzminister- und nun auch SPD-Kanzlerkandidatenvorgängers Peer Steinbrück in der Finanzkrise 2008 nutzte auch der Hamburger Scholz den Ausnahmezustand, um sich als Krisenmanager ins Bild zu rücken. Bei Steinbrück allerdings blieb neben markigem Auftreten letztlich vor allem ein Foto von seinem ausgestreckten Mittelfinger von der Kandidatur im Gedächtnis. Die Gemeinsamkeiten der beiden werden in den nächsten Wochen vermutlich noch das ein oder andere Mal bemüht werden.

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Olaf Scholz wächst in Hamburg auf. Noch vor dem Abitur tritt er 1975 der SPD-Jugendorganisation bei. Als Student der Rechtswissenschaften wird er 1982 stellvertretender Vorsitzender der Jusos und behält das Amt bis 1988.  @ Quelle: Wikipedia

Dabei steht der Ausgang der Bundestagswahl im Herbst 2021 tatsächlich noch in den Sternen. Niemand kann heute sagen, um welche Probleme es in einem Jahr gehen wird – und welche Fähigkeiten sich die Deutschen von dem Nachfolger Angela Merkels wünschen werden. Das Virus macht auch die politische Landschaft derzeit wenig berechenbar.

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Das ist auch der Grund, warum nicht nur besorgte Bürger, sondern auch Politiker in aller Welt in diesen Tagen sehr genau in die führenden Labore blicken. Die alles entscheidende Frage lautet: Wird es in absehbarer Zeit einen wirksamen Impfstoff geben?

In der ersten Folge unseres neuen RND-Recherchepodcasts “Unsere Story” widme ich mich genau dieser Frage – gemeinsam mit dem RND-Chefreporter Thorsten Fuchs, der seit Anbeginn der Krise mit den führenden Laboren und Virologen des Landes in Kontakt steht, um für uns alle Antworten zu finden. Wer einen Eindruck bekommen möchte, wie es sich in Zeiten der Pandemie recherchiert und wie wenig freundlich man als Journalist mitunter von Impfgegnern empfangen wird, sollte unbedingt reinhören. Der Kollege Thorsten Fuchs ist im Podcast übrigens trotz aller Recherchen – oder wahrscheinlich gerade deshalb – von Grund auf optimistisch: “Ich bin guten Mutes, dass wir Anfang nächsten Jahres einen Impfstoff haben werden”, sagt er. Sie werden auch weiterhin von den RND-Reportern hören: Von jetzt an steht im RND-Podcast “Unsere Story” jeden Dienstag einer unserer Autoren Rede und Antwort, um Ihnen von unserer Recherche der Woche zu berichten.

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Die USA vor der Schicksalswahl

Das Virus und die Impfstoffsuche spielen selbstverständlich auch bei den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA die entscheidende Rolle. Kann Amtsinhaber Donald Trump sein vergeigtes Krisenmanagement durch Erfolgsmeldungen an der Forschungsfront wettmachen? Wenn Sie keine Entwicklung im US-Wahlkampf verpassen wollen, abonnieren Sie am besten noch heute den neuen RND-Newsletter “Die Schicksalswahl – der Kampf ums Weiße Haus”, mit dem unser Washington-Korrespondent Karl Doemens und unsere US-Experten Sie einmal wöchentlich auf dem Laufenden halten. Heute Mittag landet die neueste Ausgabe, wenn Sie möchten, in Ihrem E-Mail-Postfach.

Die Schicksalswahl Der wöchentliche USA-Newsletter mit Hintergründen und Analysen zur Präsidentschaftswahl in den USA.

Das Zitat des Tages

Es wird keinen Maidan geben, egal wie sehr jemand das will.

Alexander Lukaschenko, Staatschef von Belarus
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Leseempfehlungen

Mehr Homeoffice, weniger Dienstreisen – und jeden Tag neue Herausforderungen: In der Arbeitswelt hat die Pandemie viele Umbrüche mit sich gebracht. Manche der Neuerungen werden bleiben, so auch bei Telefónica O₂. Im Gespräch mit unserem Wirtschaftskorrespondenten Frank-Peter Wenzel erzählt Personalvorständin Nicole Gerhardt, warum sie nun massiv auf Homeoffice setzt, Videokonferenzen mit 2000 Teilnehmern kein Problem sind – und die Krise eine Chance für Frauen sein könnte.

Seit fast 27 Jahren ist Kai Pflaume aus dem deutschen Fernsehen nicht mehr wegzudenken. Am Wochenende feiert er die 100. Folge seiner Ratesendung “Kaum zu glauben”. Im Interview mit RND-Redakteurin Lena Obschinsky erzählt der Moderator, warum er trotz Maske ständig erkannt wird, weshalb der Ausfall des Oktoberfests ein großer Verlust ist – und was seine Sendung “Nur die Liebe zählt” damit zu tun hat, dass Menschen sich manchmal auf der Straße vor ihm erschrecken.

Der Regelbetrieb ist am Montag an den Schulen in Berlin und Schleswig-Holstein gestartet. Während in Berlin die Maskenpflicht gilt, trugen sie viele Schüler in Norddeutschland freiwillig. Eine Berliner Schulleiterin warnt vor der Enge in Schulgebäuden und kritisiert die Senatsverwaltung. Gleichzeitig nimmt die Diskussion um die Maskenpflicht im Unterricht an Fahrt auf – und sorgt für ungewohnte Konfliktlinien.

Die Termine des Tages

Es ist erst die zweite Reise seit Beginn der Corona-Krise in eine Region außerhalb der EU: Bundesaußenminister Heiko Maas fliegt für ein Arbeitstreffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow nach Moskau. Zudem reist Maas nach St. Petersburg, um dort der Opfer der Leningrader Blockade von deutschen und spanischen Truppen während des Zweiten Weltkriegs zu gedenken.

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US-Außenminister Mike Pompeo startet eine Europareise. Nach einem Stopp in Tschechien stehen am Nachmittag eine Kranzniederlegung und ein Brauereibesuch in Pilsen auf dem Programm. Die westböhmische Stadt wurde 1945 durch die US-Armee befreit. Weitere Stationen der Reise sind Ljubljana, Wien und Warschau. In Polen soll der Vertrag über die Stationierung von mehr US-Truppen unterzeichnet werden – jene Kontingente, die aus Deutschland verlagert werden sollen.

Das Foto des Tages

In Belarus und den Nachbarstaaten gehen die Proteste gegen das offiziell verkündete Ergebnis der Präsidentschaftswahl weiter. Dieses Bild entstand im polnischen Kraków. © Quelle: imago images/Eastnews

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Ihr Dirk Schmaler, RND-Newsroom

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