Eine mühsame Woche

  • Die Aktionswoche zum Impfen geht zu Ende. Den großen Durchbruch hat sie wohl nicht gebracht.
  • Was muss jetzt folgen, damit Deutschland halbwegs sicher durch Herbst und Winter kommt?
  • Die Debatte über eine Impfprämie nimmt Fahrt auf. Andere Länder in Europa wählen einen anderen Weg: Sie erhöhen den Druck.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

der Druck auf Menschen, die nicht gegen Corona geimpft sind, wächst in Deutschland praktisch jeden Tag. Was also sollen die Ungeimpften tun? Die einfachste Antwort wäre: sich impfen lassen. Ganz so leicht aber geht es wohl nicht, die Behörden registrieren vielmehr auch eine wachsende Zahl von Betrugsversuchen. In Hamburg ist in der vergangenen Woche eine Fälscherwerkstatt für die gelben Pässe aufgeflogen, und in den Apotheken fallen häufiger Menschen auf, die sich eine digitale Impfbescheinigung mit manipulierten Papieren erschleichen wollen – oft übrigens zu erkennen an Rechtschreibfehlern in den Dokumenten.

Apothekerinnen und Apotheker würden über solche Fehler gern lachen, wenn die Lage insgesamt nicht so traurig wäre. Die Impfwoche, die am Sonntag zu Ende geht, scheint Deutschland bei der Quote nicht entscheidend vorangebracht zu haben. Ja, es gab spontane Impferfolge in Fußgängerzonen und vor Clubs. Aber es gab eben auch Tage, an denen die bundesweiten Impfzahlen stagnierten. So geht Deutschland wohl kaum sicher in den Herbst und Winter. Was aber folgt jetzt auf Appelle und Angebote in einer Aktionswoche? Eine Prämie fürs freiwillige Impfen – oder vielleicht doch mehr gesetzlicher Druck?

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Italien hat eine deutlich höhere Impfquote als Deutschland. Gleichwohl hat die Regierung in Rom gerade beschlossen, dass alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer künftig nachweisen müssen, dass sie geimpft, genesen oder getestet sind. Können sie das nicht, wird ihnen der Lohn gestrichen. In Deutschland dagegen dürfen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ihre Beschäftigten in Großraumbüros nicht einmal fragen, ob sie geimpft sind. Dass die Berliner Politik beim Gesundheitsschutz allein auf Freiwilligkeit setzt, hat natürlich auch mit dem Wahlkampf zu tun – eine Pflichtdebatte will sich auf den letzten Metern niemand erlauben.

Die Wahl ist so offen wie schon lange nicht

Wird es am Ende vielleicht doch noch einmal knapp? Vor einem Monat haben die Meinungsforscherinnen und ‑forscher zum ersten Mal einen Vorsprung der SPD vor der Union gemessen, der Trend blieb stabil. Auch eine Woche vor der Wahl liegen Olaf Scholz und die Sozialdemokraten vorn, die Union mit Armin Laschet an der Spitze aber holt auf. Die Demoskopen sprechen bei ihren aktuellen Zahlen denn auch von einer Momentaufnahme – fast 16 Prozent der Befragten in den Umfragen geben an, dass sie sich noch nicht endgültig entschieden haben. Damit hat diese Wahl schon jetzt eine ganz besondere Bedeutung, schreibt Eva Quadbeck, stellvertretende RND-Chefredakteurin, in ihrem Leitartikel: „Am Ende der Ära Merkel gibt es ein Vakuum namens Kanzleramt.“

Der Zweikampf zwischen Olaf Scholz und Armin Laschet geht auf die Zielgerade. © Quelle: Arne Dedert/dpa
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Zitat des Tages

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Man muss jetzt realistisch sein und kleinere Brötchen backen.

Markus Söder, CSU-Chef, über das Ziel von 30jProzent für die Union bei der Bundestagswahl

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Cannabiskonsum ist in Deutschland verboten. Dennoch gehört der gelegentliche Joint für Hunderttausende zum Leben wie für andere ein Glas Wein. Kommt nach der Wahl Bewegung in die Debatte um die Legalisierung? Jan Sternberg aus dem RND-Hauptstadtbüro gibt in seinem Cannabis-Report die Antwort.

Dieses Jahr fällt die Wiesn wegen der Pandemie zum zweiten Mal aus. Stattdessen startet heute die Wirtshauswiesn in München. Wieso das für ihn kein „Ersatz“ ist und wie die Pläne für das Oktoberfest 2022 aussehen, erzählt Wiesnchef Clemens Baumgärtner im Gespräch mit RND-Redakteurin Hannah Scheiwe.

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Vor 30 Jahren griff ein rassistischer Mob in Hoyerswerda die Wohnheime von Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeitern und Geflüchteten an. Die Stadt erinnert an diesem Wochenende an die Ausschreitungen des Septembers 1991. In der „Leipziger Volkszeitung“ blicken Menschen, die damals schon in der Stadt gewohnt haben, zurück auf die bewegenden Ereignisse.

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Termine des Tages

Demonstration gegen Strafverfolgung von Trump-Anhängern in Washington: Trump-Unterstützer hatten am 6. Januar das Kapitol gestürmt. Seitdem wurde Anklage gegen Hunderte Menschen erhoben. Der Organisator der Demonstration – ein früherer Mitarbeiter von Trumps Wahlkampfteam – hält die Strafverfolgung für politisch motiviert. Er fordert, Anklagen gegen diejenigen fallenzulassen, die nicht gewalttätig waren. Befürchtet werden erneute Ausschreitungen.

Neues Lager in Griechenland: Auf der Insel Samos wird ein neues Auffanglager für Flüchtlinge eröffnet. Zuvor lebten dort zeitweise Tausende Menschen in einem provisorischen Lager. Samos ist dann die erste Insel, die über ein modernes Lager verfügt; auf Lesbos und Chios sollen weitere entstehen. Hilfsorganisationen kritisieren die neuen Lager, an deren Aufbau auch die EU beteiligt ist und die vorsehen, dass die Menschen sie nicht ohne Weiteres verlassen dürfen.

Gipfel in Mexiko: Beim Treffen der Gemeinschaft Lateinamerikanischer und Karibischer Staaten (Celac) kommen die Staats- und Regierungschefs in Mexiko-Stadt zusammen. Alle Staaten der Region haben mit enormen Migrationsproblemen zu kämpfen – der Zusammenhalt der Regierungen ist jedoch längst nicht so groß wie etwa in Europa.

Wer heute wichtig wird

Jahrzehntelang hatte das Künstlerehepaar Christo (1935–2020) und Jeanne-Claude (1935–2009) das Projekt geplant. Heute wird es verwirklicht: Der Triumphbogen in Paris wird verhüllt. Bis zum 3. Oktober ist das Kunstprojekt zu sehen. © Quelle: imago images/IP3press
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Der Podcast des Tages

Geyer & Niesmann durchleuchten mit Ann-Kathrin Hipp („Tagesspiegel“) und Carolin Kock (NDR) die Lage in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern vor den Landtagswahlen, das gemeinsame Erfolgsgeheimnis der Spitzenkandidaten Scholz, Schwesig und Giffey, wer vom Lagerwahlkampf zwischen Union und SPD profitiert und ob sich die Jugend tatsächlich für Politik interessiert.

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Ihr Jörg Kallmeyer

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