Ein wacher Blick in die Welt

  • Corona, Impfen, Urlaub: In Deutschland läuft seit Monaten eine nationale Nabelschau – nonstop.
  • Dabei wäre es in diesem Sommer mal wieder Zeit für einen wachen Blick in die weite Welt, vor allem nach China.
  • Die Konflikte, die sich im Südchinesischen Meer zusammenbrauen, könnten die ganze Welt ins Chaos stürzen.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

die meisten Deutschen haben es allenfalls aus den Augenwinkeln wahrgenommen: In Wilhelmshaven ist gestern die Fregatte „Bayern“ in See gestochen, zu einer sechs Monate dauernden Mission, die sie weit weg führen wird von Nordsee, Ostsee und Atlantik. Das deutsche Kriegsschiff soll vom Herbst an im Südchinesischen Meer ein Zeichen setzen für die Freiheit der Seefahrt in internationalen Gewässern.

Doch wo genau endet das internationale Gewässer? Und wo beginnt chinesisches Hoheitsgebiet? China definiert das seit vielen Jahren immer ausufernder – mit dem Effekt, dass es fast schon das gesamte Südchinesische Meer als eigenes Gebiet betrachtet.

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Was soll die Weltgemeinschaft tun?

Der Internationale Schiedshof in Den Haag hat den chinesischen Expansions­versuchen schon im Jahr 2016 klare Grenzen gesetzt. Präsident Xi Jinping indessen will sich daran nicht halten. Stattdessen lässt er immer mehr Kriegsschiffe, Flugzeuge und Raketen bauen. Und spricht von „einer großen Mauer aus Stahl, die 1,4 Milliarden Chinesen geschmiedet haben“.

Was soll die Weltgemeinschaft tun in einem solchen Fall? Vor dem Unrecht zurückweichen, weil das Land, das das Unrecht begeht, leider ziemlich mächtig und leider ziemlich aggressiv ist? Dies wäre, die Geschichte hat es gezeigt, der falsche Weg.

In unserem Feature „Showtime im Meer des Drachen“ beleuchten wir heute die seit Langem wachsenden Spannungen in der Weltregion, in die die „Bayern“ hineinfährt. Sollte sich China eines Tages stark genug fühlen für eine Invasion von Taiwan, könnten die politischen und militärischen Kettenreaktionen die ganze Welt ins Chaos stürzen. Wie Taiwan selbst auf diesen Konflikt blickt, erklärt uns Taiwans Außenminister Joseph Wu im RND-Videointerview.

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Video
Taiwans Außenminister: „China wird gefährlich, wenn es unter Druck gerät“
6:07 min
Taiwans Außenminister Joseph Wu fürchtet, sein Land könne eines Tages zum Sündenbock für Chinas innere Probleme werden.  © RND

Wie Peking einen Grünen ausgrenzt

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Wie aber dämmt man China ein? Muss man im 21. Jahrhundert, wie es schon die alten Römer empfohlen haben, „Krieg vorbereiten, wenn man Frieden will“?

Sogar die Grünen sind mit Blick auf die Führung in Peking für einen Kurs der Festigkeit. „Appeasement verhindert im Fall von China nicht die Kriegsgefahr“, sagte ihr China-Experte im Europa­parlament, Reinhard Bütikofer, dem RND.

Bütikofer war Mitinitiator mehrerer kritischer Resolutionen des Europa­parlaments zu China, die in Peking als Frechheit empfunden wurden – zu Zeiten Maos hätte man gesagt: als Kritik am „großen Steuermann“. Zu den Themen gehörten die Menschenrechts­verletzungen an den Uiguren in der Provinz Xinjiang und die Niederschlagung der Demokratie­bewegung in Hongkong.

Dass ihn die Volksrepublik mittlerweile mit Sanktionen belegt hat und er als einer von zehn europäischen Xi-Jinping-Kritikern nicht mehr einreisen darf, sieht Bütikofer als Auszeichnung. Er könne ja immer noch in ein freies China fahren, sagt Bütikofer: nach Taiwan.

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Zitat des Tages

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Es wird schlimmer werden.

Anthony Fauci, US-Corona-Experte, warnt seine Landsleute vor der nächsten Infektionswelle.

Leseempfehlungen

Kinderzimmer­dealer: Aktuell ist die dritte und finale Staffel der Erfolgsserie „How to Sell Drugs Online (Fast)“ auf Netflix streambar. Und nun legt der Streamingdienst nach mit einer Doku über den echten „Kinderzimmer­dealer“, der als Inspiration für die fiktive Serie diente. In „Shiny Flakes“ geht es um den Leipziger Maximilian Schmidt, gegen den aktuell erneut ermittelt wird. RND-Kritiker Martin Schwickert hat sie sich vorab angesehen.

Russen in Tokio: Offiziell ist Russland wegen des Staats­doping­skandals von 2015 bei Olympia in Tokio nicht zugelassen. Russische Athleten dürfen aber unter der Flagge des Russischen Olympischen Komitees (ROC) antreten. Die russische Staatsmacht fühlt sich zu Unrecht diskriminiert und formuliert unter dem Hashtag #WeWillROCYou eine Kampfansage, berichtet unser Russland-Korrespondent Paul Katzenberger.

Aus unserem Netzwerk: Stau am Flughafen

Am Flughafen Hannover in Langenhagen brauchen Passagierinnen und Passagiere derzeit bei der Abfertigung Geduld und Nerven. Der Flughafen spricht von längeren Wartezeiten, bedingt unter anderem durch Personal­mangel. Reisende schildern Fälle mit chaotischen Zuständen, wie die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ berichtet.

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Termine des Tages

Heute wird das Vereinshaus der Naturfreunde-Ortsgruppe Biesenthal am Hellsee in Brandenburg zu ungeahnter Prominenz kommen. Annalena Baerbock und Robert Habeck von den Grünen stellen hier ein „Klimaschutz-Sofort­programm“ vor.

Die Koalitions­verhandlungen in Sachsen-Anhalt zwischen SPD, CDU und FDP gehen heute weiter.

Um 11 Uhr gibt, live im MDR, Thüringens FDP-Landes­chef Thomas Kemmerich ein Sommerinterview. Prominente Auftritte Kemmerichs werden stets von Feinden und Freunden der FDP aufmerksam verfolgt. Der Mann, der sich mit Stimmen der AfD für kurze Zeit zum Minister­präsidenten hatte wählen lassen, ist immer für eine Überraschung gut.

Der Tag in Tokio

10.05 Uhr: Bahnrad – Mannschafts­verfolgung der Frauen. Nach ihrem Weltrekord gestern haben die vier deutschen Frauen beste Goldchancen.

13.45 Uhr: Handball – Viertelfinale der Männer, Deutschland spielt gegen Ägypten.

14.50 Uhr: 200-Meter-Finale der Frauen.

+++ Alle Infos zu den Olympischen Spielen finden Sie in unserem Liveblog +++

23.30 Uhr: Zehn Kilometer Freiwasser­schwimmen der Männer. Nachdem Florian Wellbrock Gold zweimal verpasst hat, will er nun erneut angreifen.

Video
Gold, Silber, Bronze: der deutsche Medaillen­check zu Olympia am Dienstag
1:06 min
Wie steht es um die deutschen Medaillen­chancen beim Olympia­wettkampf? Jens Kürbis gibt einen Überblick für Dienstag.  © RND

Wer heute wichtig wird

Die US-amerikanische Turnerin Simone Biles sorgte für einen der denkwürdigsten Momente der Olympischen Spiele: Sie hat das Mehrkampf­finale im Team wegen mentaler Probleme abgebrochen und anschließend sämtliche Gerätefinals abgesagt. Bis jetzt: Denn der amerikanische Verband meldete sie für das Finale am Schwebebalken, das heute um 10.50 Uhr stattfindet. Die viermalige Olympia­siegerin wahrt damit die Chance, von diesen Spielen nicht ohne Edelmetall nach Hause zu fahren. © Quelle: Gregory Bull/AP/dpa

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Die News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Matthias Koch

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