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Taliban knüpfen Leiche von mutmaßlichen Entführern an Kran auf

  • Durch einen detonierten Sprengsatz an einem Konvoi der militant-islamistischen Taliban ist im Osten Afghanistan mindestens ein Menschen gestorben.
  • Sieben weitere Personen sind laut Medienberichten verletzt worden.
  • Seit der Machtübernahme der Taliban häufen sich die gezielten Tötungen und Explosionen in dem ehemaligen Gebieten des IS.
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Islamabad. Unter den Taliban in Afghanistan mehren sich Anzeichen für eine Rückkehr drakonischer Methoden aus der Zeit ihrer früheren Herrschaft. Auf dem Hauptplatz der Stadt Herat im Westen des Landes hätten Mitglieder der militant-islamistischen Gruppe eine Leiche an einem Kran aufgehängt, berichtete der Augenzeuge Wasir Ahmad Seddiki der Nachrichtenagentur AP.

Er betreibt nach eigenen Angaben eine Apotheke am Rande des Platzes. Dorthin seien vier Leichen gebracht worden, drei seien später an anderen Orten der Stadt öffentlich zur Schau gestellt worden. Dann hätten die Taliban verkündet, dass die vier Personen zuvor eine Entführung verübt hätten, jedoch von der Polizei getötet worden seien, sagte Seddiki. Der von den Taliban gestellte Vizegouverneur Maulaui Schir Achmed Amar sagte, Taliban-Kämpfer hätten die Männer bei Gefechten getötet und ihre Gefangenen befreit.

Die Männer „wurden aufgehängt, damit niemand es mehr wagt, solche Verbrechen zu begehen“, sagte Amar der Deutschen Presse-Agentur. Im Internet kursierten Videos aus Herat, die eine am Kran aufgehängte Leiche und mit dem Handy filmende Schaulustige zeigten.

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Taliban will Hinrichtungen und Amputationen wieder einführen

Siaulhak Dschalali, ein zum Bezirkspolizeichef in Herat ernannter Taliban, sagte später, Mitglieder der militant-islamistischen Gruppe hätten einen Vater und dessen Sohn gerettet, die von vier Entführern verschleppt worden seien. Bei der Konfrontation sei es zu einem Schusswechsel gekommen, bei dem ein Taliban-Kämpfer und ein Zivilist verletzt worden seien. Doch seien die vier Entführer erschossen worden.

Mullah Nooruddin Turabi, einer der Mitbegründer der Taliban, sagte erst diese Woche der AP, dass seine Bewegung Hinrichtungen und rigide Strafen wie die Amputation von Gliedmaßen wieder einführen werde. Die Strafen würden aber vermutlich nicht vor den Augen der Öffentlichkeit vollstreckt, ergänzte er.

Taliban-Mitglied bei Explosion getötet

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Zudem kam bei einer Explosion eines Sprengsatzes bei einem Konvoi der militant-islamistischen Taliban im Osten Afghanistans mindestens ein Mensch ums Leben. Sieben weitere Personen seien bei dem Vorfall am Samstagmorgen in der Provinz Nangarhar verletzt worden, berichteten örtliche Medien und Quellen.

Ein Talibansprecher bestätigte der Deutschen Presse-Agentur eine Explosion in der Provinzhauptstadt Dschalalabad, ohne Details zu nennen. Örtliche Medien berichteten unter Berufung auf Augenzeugen, eine am Straßenrand versteckte Bombe sei detoniert, als der Konvoi das Gebiet durchquerte.

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IS reklamiert jüngste Anschläge für sich

In Nangarhar, einst Hochburg der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), hat die Zahl der gezielten Tötungen und Explosionen zugenommen, seit die Taliban Mitte August die Kontrolle über Afghanistan übernommen haben. Der IS hatte einige der jüngsten Anschläge für sich reklamiert. Die Taliban und der IS haben in der Vergangenheit gegeneinander gekämpft.

Mitte August überrannten die Taliban nach einer Blitzoffensive die Hauptstadt Kabul und übernahmen die Kontrolle über das ganze Land. Seitdem steht die Frage im Raum, ob Afghanistan eine Neuauflage der drakonischen Taliban-Herrschaft der 90er Jahre blüht.

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In den 1990er Jahren nutzten die Taliban unter anderem das Olympische Stadion in Kabul, um dort öffentliche Hinrichtungen vor Hunderten männlichen Zuschauern abzuhalten. In den vergangenen Wochen haben Taliban-Kämpfer bereits öffentliche Strafen ausgeteilt, etwa Diebe mit gefesselten Händen zur Schau gestellt und gedemütigt.

RND/dpa

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