Ein Sommer allein beendet keine Pandemie

  • In Deutschland wird heute der Höhepunkt der aktuellen Hitzewelle erwartet.
  • Bis zu 35 Grad sind drin, doch das Sommergefühl allein lässt das Coronavirus nicht verschwinden.
  • Etwas wärmer als gedacht ging es auch in Genf zu – beim Treffen zwischen Russlands Präsidenten Putin und US-Präsident Biden.
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Hannover. Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

lange haben wir warten müssen, jetzt ist sie da: die erste Hitzewelle des Jahres. Bis zu 35 Grad werden heute in Deutschland erwartet. Die Freibäder öffnen, in den Cafés kann man wieder draußen sitzen, um sich bei einem Eis abzukühlen, und wem es zu Hause zu warm wird, der kann sich in einem Geschäft fix noch einen Ventilator besorgen. Das alles ist mittlerweile recht unkompliziert möglich, in vielen Bundesländern sogar ohne Testpflicht – vorausgesetzt, die Inzidenz stimmt.

Der beginnende Sommer bringt uns ein Stück Normalität zurück. Das fühlt sich gut an und ist eine Erleichterung nach den Monaten im Lockdown, birgt aber auch ein Risiko. Mit sinkenden Infektionszahlen steigt die Sorglosigkeit im Umgang mit dem Coronavirus. Dabei ist die Gefahr noch immer nicht gebannt. Mit Sorge blicken Experten derzeit nach Großbritannien, wo die Deltavariante die bisher vorherrschende Alphavariante verdrängt. Die Erfahrung hat gezeigt: Was auf der Insel passiert, könnte auch auf den Kontinent schwappen.

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Unsicherheit durch falsche Informationen

Zwar ist der Anteil der Deltavariante unter den Infektionen in Deutschland noch immer gering, wie das Robert Koch-Institut (RKI) gestern mitteilte. Sie liegt derzeit etwa bei 6 Prozent – und hat sich damit im Gegensatz zu den vergangenen Wochen schon stärker ausgebreitet. Die Mutation gilt als sehr viel ansteckender als andere Virusvarianten. „Während in der Wahrnehmung der meisten Menschen also viel für eine Rückkehr zum Alltag spricht, dürfen die politisch Verantwortlichen die Vorsichts­maßnahmen mit Blick auf eine drohende vierte Welle nicht zu schnell zurückfahren“, kommentiert mein Kollege Tobias Peter und plädiert dafür, im Sommer nicht alle Regel zu eilig abzuschaffen.

Die Politik muss sich vorbereiten – anders als im vergangenen Sommer, als Deutschland relativ glimpflich durch die erste Welle gekommen war und das Virus verschwunden schien. Von Reise bis Schule: Es braucht Konzepte, wie eine neue Welle verhindert oder gebrochen werden kann. Immerhin: Die Impfkampagne scheint auf einem guten Weg. Trotz der Lieferengpässe bei Johnson & Johnson, trotz geringerer Liefermengen von Biontech/Pfizer: Bis Ende Juli sollen alle, die wollen, ihre Erstimpfung erhalten. Nicht nur Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hoffen darauf, dass möglichst viele dieses Angebot annehmen werden. Es gibt aber die, die gezielt gegen die Impfungen mobilmachen. Vor allem in den sozialen Netzwerken sorgen riesige Desinformations­­kampagnen für Unsicherheit, wie eine neue Studie zeigt. Mein Kollege Sven Christian Schulz hat sie sich angesehen.

Vorsichtige Annäherung in Genf

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Annäherung in Genf: Russlands Präsident Putin und US-Präsident Biden. © Quelle: imago images/ITAR-TASS

Etwas weniger kühl als erwartet ging es gestern übrigens in Genf zu. Die Erwartungen an das dortige Treffen zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und US-Präsident Biden waren im Vorfeld eher gering gewesen. Das Verhältnis beider Länder gilt derzeit nicht unbedingt als das beste. Dass sich die gegenseitige Sympathie von Biden und Putin eher in Grenzen hält, ist keine Überraschung. Schon als Biden vor zehn Jahren noch US-Vizepräsident unter Barack Obama war, soll er nach eigenen Angaben bei einer Begegnung zu Putin gesagt haben: „Ich glaube, Sie haben keine Seele.“ Der russische Präsident konterte: „Dann verstehen wir uns.“

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Immerhin: Man einigte sich gestern nach fast dreieinhalb Stunden Gespräch zumindest darauf, wieder in den diplomatischen Austausch zu gehen. Beide Staatschefs vereinbarten, ihre Botschafter zurück auf ihre Posten im jeweils anderen Land zu schicken. Überhaupt seien die Gespräche laut Putin „äußerst konstruktiv“ verlaufen. Auch Joe Biden gab ein paar Signale der Entspannung, ohne Putin an der langen Leine zu lassen, schreibt RND-Chefautor Matthias Koch in seiner Analyse zum Gipfeltreffen. Und dennoch: Trotz vorsichtiger Annäherung ist in diesem Sommer was das amerikanisch-russische Verhältnis angeht, wohl eher keine Hitzewelle zu erwarten.

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Zitat des Tages

Wir machen keinen Wahlkampf gegen andere Parteien, sondern gegen die Defizite im Land.

Christian Lindner, FDP-Chef

Vor der Bundestagswahl konzentriert sich die öffentliche Diskussion vor allem auf Union und Grüne. Doch auch die FDP wird im Wahlkampf ihre Rolle spielen – vor allem, wenn es nach der Auszählung der Stimmen um die Bildung einer Koalition geht. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner geht selbstbewusst in die Bundestagswahl. Dabei macht er im RND-Interview aus seiner Nähe zum Unions­kanzler­kandidaten Armin Laschet keinen Hehl. Lindners Distanz zu den Grünen ist deutlich größer.

Leseempfehlungen

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Abnehmen und trotzdem essen: Intervallfasten ist beliebt und gilt als gesund. Eine Studie legt nun nahe, dass das Teilzeithungern im Vergleich zur klassischen Diät jedoch kaum Vorteile bringt. Expertinnen und Experten sehen die Ergebnisse allerdings kritisch, schreibt meine Kollegin Kira von der Brelie.

Voll besetzte Stadien und große Fanmeilen: Corona-Fachleute sind skeptisch, ob die Fußball-EM in dieser Pandemiephase das richtige Zeichen ist. Zwar sinkt das Ansteckungsrisiko im Freien, Hygienekonzepte und Impfungen schützen. Aber eine neue Studie zeigt, womit Infektionen nach dem Stadionbesuch zusammenhängen könnten, berichtet RND-Redakteurin Saskia Heinze.

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Vor allem Kinder und Jugendliche haben unter den Lockdowns der vergangenen Monaten gelitten. Die Stadt Hannover will ihren Jüngsten nun eine besondere Freude machen. Kinder bis 15 Jahre sollen in den Sommerferien kostenlos ins Freibad gehen dürfen. „Wir wollen ihnen Möglichkeiten bieten, verpasste Chancen aufzuholen“, sagte Oberbürgermeister Belit Onay gegenüber der „Hannoverschen Allgemeinen“.

Termine des Tages

Mit einem zentralen Gedenken in Berlin wird um 11 Uhr an die Opfer des DDR-Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 erinnert. Auf dem Friedhof an der Seestraße werden Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) für die Bundesregierung sowie Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) erwartet. Sie wollen Kränze am Mahnmal für die Opfer des Aufstands niederlegen. Geplant ist zudem eine Gedenkminute.

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Der Bundes­gerichtshof in Karlsruhe nimmt ab 10.30 Uhr die Preise für Lebensmittel in Werbeprospekten unter die Lupe. Es geht um die Frage, ob das Pfand für Flaschen oder Gläser direkt mit eingerechnet werden muss – oder auch separat ausgewiesen werden darf.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier reist heute (9 Uhr) zu Gesprächen mit seinem polnischen Amtskollegen Andrzej Duda nach Warschau. Offizieller Anlass ist der 30. Jahrestag der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Nachbarschafts­vertrags. Der Besuch Steinmeiers sei „ein Zeichen des Handreichens und gemeinsamen Nach-vorne-Blickens“ trotz der Schwierigkeiten, die es im Verhältnis der Regierungen gebe, hieß es zuvor aus Kreisen des Bundes­präsidialamtes in Berlin. Duda und Steinmeier wollen außerdem mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus beiden Ländern diskutieren.

Wer heute wichtig wird

Nur wenige Tage nach dem Zusammenbruch ihres Teamkollegen Christian Eriksen steht für die dänische National­mannschaft heute das zweite Spiel bei der Fußball-EM an. Für die Spieler wird die Partie wohl eine emotionale Herausforderung. Trainer Kasper Hjulmand hatte allen im Team freigestellt, ob sie im Spiel gegen Belgien auflaufen wollen oder nicht. „Es sieht bei allen gut aus. Wir haben ein starkes Team. Wir sind bereit für morgen“, sagte der Coach am Mittwoch. Eriksen selbst wird das Spiel aus dem Krankenhaus heraus verfolgen. © Quelle: Wolfgang Rattay/POOL REUTERS/AP/

Der Podcast des Tages

Flugreisen, Stromverbrauch, Müllproduktion: Die Klimabilanz des Fußballs ist verheerend. Allein an einem einzigen Spieltag der Bundesliga verursachen die rund 400.000 Fans in den Stadien 120 Tonnen CO₂ – so viel wie sonst zehn Bundesbürgerinnen und Bundesbürger in einem Jahr. Wie sehr das Reisen ins Gewicht fällt, zeigt auch die Europa­meisterschaft, die aktuell läuft. In elf Städten in elf Ländern Europas duellieren sich die Teams. Einige legen deswegen bereits in der Gruppenphase mehrere Tausend Kilometer im Flieger zurück. Inwiefern ist den Beteiligten ihre Klimabilanz bewusst – und was tun sie dagegen? Stefan Wagner von Sports for Future, Nico Briskorn vom VfL Wolfsburg und Manuel Gaber vom Netzwerk Zukunft Profifußball geben die Antworten.

„Der Tag“ als Podcast

Die News zum Hören

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Ihre Sabine Gurol

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