Ein klassisches Eigentor: „Merci, Mats!“

  • Der einzige gültige Treffer im EM-Spiel der Deutschen gegen Frankreich war der von Mats Hummels ins eigene Tor.
  • Beeindruckend war weniger die Leistung auf dem Platz, sondern dass die Sache im Anschluss komplett weggequasselt wurde.
  • Mal ehrlich: Kann man ein klassisches Eigentor nicht einfach auch so nennen?
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

Deutschland hat einen misslungenen Einstieg in die Fußball-EM erlebt. In der Begegnung mit Weltmeister Frankreich erzielten die Deutschen gestern zwar den einzigen gültigen Treffer des Abends. Doch das Tor, in das Abwehrchef Mats Hummels in der 20. Minute den Ball fliegen ließ, war dummerweise das eigene.

„Merci, Mats!“, schrieben prompt unzählige Franzosen auf Twitter. Einer fügte mit Augenzwinker-Smiley hinzu „et bonne chance au vestiaire“ – „und viel Glück in der Umkleide“.

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Dem damit angedeuteten Szenario – Wut der Mannschaft gegen den Einzelnen – wollte Bundestrainer Jogi Löw offenbar unbedingt vorbeugen. „Dem Mats“, beeilte sich Löw zu sagen, könne niemand einen Vorwurf machen: „Das ist einfach Pech.“ Genau so urteilten dann alle anderen Deutschen vor den Mikrofonen, Mannschafts­mitglieder wie Journalistinnen und Journalisten und Fans.

Immer neue Verteidigungsreden für Hummels

Im Laufe der lauen Juninacht hörte man immer neue Verteidigungsreden für Hummels, teils sympathisch, teils aber auch mit Steigerungen ins Satirereife. Hummels, hob einer an, habe „eigentlich sogar ideal gestanden“. Dann jedoch, wusste der Nächste, sei es „unglücklich gelaufen“. Die gemeinsame Deutung war klar: Ein im Grunde guter Mann wurde zum Spielball der Mächte des Schicksals: „Da kann er nichts dafür.“

Doch jetzt mal ehrlich: Bevor das Verhängnis seinen Lauf nahm, gab es schon noch diese eine Beinbewegung von Hummels. Man will ja niemandem zu nahe treten. Aber diese Bewegung hätte besser weg vom eigenen Tor führen müssen als zu ihm hin.

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Wahrer Trost liegt nicht in der Schönfärberei. Er liegt eher darin, dass so etwas zum Glück selten vorkommt. Der letzte, der eine vergleichbare Fehlleistung bei einem großen internationalen Turnier hinlegte, war Berti Vogts. Der traf 1978 für Österreich.

Ein wichtiger Tag für die ganze Welt

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Relativierend kann es auch wirken, Wichtigeres in den Blick zu nehmen. Der gestrige Tag war keiner, der eine Gravur in der Geschichte hinterlässt. Der heutige 16. Juni 2021 aber könnte so einer werden.

Während in München der Ball noch übers grüne Gras rollte, war US-Präsident Joe Biden bereits in Genf eingetroffen. Laut „Tribune de Geneve“ logiert er im 18. Stock des Hotels Intercontinental in einer Suite mit integrierten Fitnessgeräten und einem 360-Grad-Blick auf die Alpen, die Stadt und den Genfer See.

Heute steht das seit vielen Wochen mit Spannung erwartete Treffen mit Wladimir Putin auf dem Programm. Der Verlauf der Begegnung könnte, im Guten wie im Schlechten, die politische Stimmung zwischen den USA und Russland auf Jahre hinaus prägen.

Biden, ein Altmeister der Außenpolitik, bewegt sich in diesen Tagen durch die europäische Szenerie wie eine schwere Lok auf Schienen. Der neue alte Mann im Weißen Haus sucht nicht nach Orientierung, er bietet sie.

Alles ist durchdacht, auch die Abfolge der Termine. Erst brachte er die G7-Staaten hinter sich, dann die 30 Staaten der Nato. Jetzt tritt er Putin gegenüber, der weltweit keinen einzigen echten Freund hat. Der amerikanische Präsident wird heute, hinter den verschlossenen Türen der Villa la Grange nahe dem See, die Sprache der Macht sprechen.

Der amerikanische Präsident kennt den russischen Präsidenten und vertraut ihm – wohl gerade deshalb – nicht: Joe Biden und Wladimir Putin bei einer Begegnung im Jahr 2011. © Quelle: Maxim Shipenkov/EPA/dpa
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Kann Biden Putin endlich auf einen konstruktiveren, weniger aggressiven Kurs bringen? Dann hätte er etwas geschafft, woran vier amerikanische Präsidenten vor ihm gescheitert sind, Bill Clinton, George W. Bush, Barack Obama und Donald Trump.

Biden sagt, er vertraue Putin keinen Millimeter. Kurioserweise könnte gerade in dieser Art des Herangehens die Grundlage einer realpolitischen neuen Verständigung liegen.

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Zitat des Tages

Ich werde Präsident Putin klarmachen, dass es Bereiche gibt, in denen wir zusammen­arbeiten können, wenn er möchte. Und wenn er sich entscheidet, nicht zu kooperieren, und sich so verhält, wie er es in der Vergangenheit in Bezug auf Cybersicherheit und einige andere Aktivitäten getan hat, werden wir reagieren.

Joe Biden, Präsident der USA

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Heute vor genau 45 Jahren hatte Dagmar Berghoff ihr Debüt als erste „Tagesschau“-Sprecherin. Im Gespräch mit Hannah Scheiwe blickt sie auf die Zeit zurück und erklärt, warum sie gegen die Einführung von Quotenfrauen ist – obwohl sie selbst mal eine war.

Die mRNA-Impfstoffe sind die wichtigste Waffe im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Tausende Leben könnten durch die Impfungen gerettet worden sein. Aber wer hat sie wirklich erfunden? Darüber streiten sich die Forscherinnen und Forscher selbst. Es geht auch darum, wer jetzt eigentlich den Nobelpreis verdient, hat RND-Chefreporter Thorsten Fuchs recherchiert.

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Termine des Tages

Ab 10 Uhr beraten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern über den weiteren Weg Deutschlands durch die Pandemie. Im Fokus stehen diesmal vor allem Kinder und Jugendliche.

Das Münchener Ifo-Institut stellt um 10 Uhr seine neue Konjunkturprognose vor.

In mehreren Gedenk­veranstaltungen in Berlin wird heute des 68. Jahrestages des Aufstands vom 17. Juni 1953 gedacht.

Bei einem Live-Talk des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft treffen heute um 17.30 Uhr die Spitzenkandidaten Annalena Baerbock (Grüne), Armin Laschet (CDU), Christian Lindner (FDP) und Olaf Scholz (SPD) aufeinander.

In Griechenland verabschiedet das Parlament heute ein Gesetz zur Flexibilisierung von Arbeitszeiten. Die Gewerkschaft der Staatsbediensteten hat Streiks angekündigt, betroffen ist vor allem der öffentliche Nahverkehr. Die Billigung des Gesetzes gilt als sicher, weil die Regierung des konservativen Premiers Kyriakos Mitsotakis im Parlament über eine bequeme Mehrheit verfügt.

Wer heute wichtig wird

Er gehört zum kleinen Kreis von Menschen auf der Welt, bei denen jedes einzelne öffentlich gesprochene Wort „marktbewegend“ sein kann: Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Federal Reserve, äußert sich heute Abend um 20.30 Uhr (MESZ) zur Frage möglicher Zinserhöhungen. Zwar wird erwartet, dass die Fed de facto noch nichts ändert. Jede wie auch immer geartete Andeutung Powells aber, dass sich mittelfristig etwas drehen könnte, hätte an den Finanzmärkten Konsequenzen und würde zum Beispiel Aktien weniger attraktiv erscheinen lassen. © Quelle: Manuel Balce Ceneta/AP/dpa

Der Podcast des Tages

Droht Inklusion die Schulen zu überfordern? Wie lässt sie sich am besten organisieren? Darüber hat RND-Hauptstadt­korrespondent Tobias Peter mit dem Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Jürgen Dusel, gesprochen. Dusel, der weitgehend blind ist, berichtet auch über seine persönlichen Erfahrungen aus der eigenen Schulzeit.

„Der Tag“ als Podcast

Die News zum Hören

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Ihr Matthias Koch

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