Ein Halleluja für US-Korrespondenten

  • Joe Biden ist der 46. Präsident der USA und stellt zugleich eine neue Verlässlichkeit dar.
  • Auch und gerade für unseren Washington-Korrespondenten.
  • In seinem persönlichen Bericht schildert er eindrucksvoll, wie sich sein Leben und Arbeiten seit dem 20. Januar verändert hat.
|
Anzeige
Anzeige

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

endlich wieder Normalität! Es ist unserem US-Korrespondenten Karl Doemens förmlich anzumerken, wie wenig er die Zeit als Berichterstatter vermisst, als der wütende Donald Trump im Weißen Haus regierte und sprichwörtlich keinen Stein auf dem anderen ließ. Planbare Tage? Fehlanzeige! Verlässliche Aussagen? Wo denken Sie hin! Ein angenehmer Umgangston? Nicht mit dem Rumpelstilzchen und seinem Hauptorgan Twitter.

Seit Joe Biden von Donald Trump übernommen hat und als 46. Präsident der Vereinigten Staaten die Geschäfte führt, ist es auch für Karl Doemens ruhiger geworden. Normal eben. Und das ist gut so. Findet Karl Doemens. Als bei der Vereidigung von Joe Biden der Leonard-Cohen-Klassiker „Hallelujah“ lief, war auch Doemens erleichtert.

Anzeige

In seinem sehr persönlichen Bericht aus Washington beschreibt er eindrucksvoll seinen Alltag als US-Korrespondent und was sich seit dem 20. Januar alles verändert hat. Ein Eindruck gefällig? Bitte schön: „Fast alles scheint sich mit dem Einzug von Biden und seiner Frau Jill ins Weiße Haus geändert zu haben. Statt des täglichen Chaos in der Regierungspolitik gibt es plötzlich geregelte Abläufe. Auf dem Twitter-Account des Präsidenten werden keine persönlichen Attacken, sondern offizielle Erklärungen verbreitet. Die Reden des Präsidenten sind konzentriert und knapp, keine endlosen Bewusstseinsströme.“

Aber gibt es auch negative Aspekte an der neuen Entspanntheit und Planbarkeit? Noch mal Karl Doemens: „Nicht nur gab es von Anfang an neben den offiziellen Propagandisten auch eine Reihe von Mitarbeitern im Weißen Haus, die wegen interner Machtkämpfe oder aus Geltungssucht vertrauliche Informationen an die Medien durchstachen. Zugleich war Trump trotz Zehntausender Lügen auf gewisse Weise transparent. Den Gemütszustand des Präsidenten konnte man stets wie auf einem Fieberthermometer bei Twitter ablesen.“

Tja, und so ehrlich müssen wir als Digitalmedium sein: Mit den wütenden Tiraden eines Donald Trump waren manchmal mehr Leser zu gewinnen als mit den Aussagen eines Joe Biden. Trump bot Unterhaltung vom Feinsten. Die Menschen haben sich ergötzt, amüsiert, gewundert über das wirre Wirken des Mannes, der heute Nacht auch in seinem zweiten Amtsenthebungs­verfahren vom US-Senat freigesprochen wurde. Die nötige Zweidrittelmehrheit für eine Verurteilung wurde um zehn Jastimmen verpasst.

Besonders gelohnt hat sich die Ära Trump für Zeitungen wie die „New York Times“ oder die „Washington Post“. Deren Zahl an Digitalabonnenten ging in den vergangenen vier Jahren sprunghaft in die Höhe. Noch nie wollten so viele Menschen für guten Journalismus bezahlen.

Anzeige

Und das ist doch eigentlich die beste Nachricht: Die vierte Gewalt ist weiterhin wichtig in einer Demokratie. Vielleicht sogar so wichtig wie nie zuvor. Halleluja!

Der Tag Wissen, was der Tag bringt: Erhalten Sie jeden Morgen um 7 Uhr das Nachrichten-Briefing vom RedaktionsNetzwerk Deutschland.
Anzeige

Zitat des Tages

Leseempfehlungen

Wegen der Corona-Pandemie kann kein Schwimmunterricht angeboten werden. Schwimmverbände befürchten daher weitreichende Folgen für Nichtschwimmer – besonders für Kinder im Grundschulalter, schreibt unser Autor Sebastian Hoff.

Viele Menschen zieht es heutzutage raus aufs Land – das haben bereits zahlreiche Studien bestätigt. Längst ist die Rede von einem Trend zur Stadtflucht. Der könnte sich im Zuge der Pandemie nun noch deutlich verschärfen, meinen Fachleute. Unser Autor Christoph Höland hat sich die Thematik näher angesehen.

Aus unserem Netzwerk

Anzeige

In Hannover wird seit einem halben Jahr eine Schülerin vermisst. Nun nimmt der Fall eine überraschende Wende. Offenbar ist die 17-Jährige freiwillig untergetaucht. Die ganze Geschichte lesen Sie bei den Kollegen der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“.

Termine des Tages

Seit 0 Uhr: An den Grenzen zu Tschechien und dem österreichischen Bundesland Tirol traten in der Nacht zu Sonntag schärfere Einreiseregeln in Kraft. Aus Angst vor den dort verbreiteten ansteckenderen Varianten des Coronavirus wird an den entsprechenden Grenzübergängen in Bayern und Sachsen scharf kontrolliert.

11 Uhr: Mit der Abfahrt der Herren geht bei der alpinen Skiweltmeisterschaft in Cortina d’Ampezzo am Sonntag die erste Woche zu Ende. Der Deutsche Skiverband hat gleich drei aussichtsreiche Anwärter auf die Topplatzierungen für den Saisonhöhepunkt der Speedfahrer nominiert: Super-G-Vizeweltmeister Romed Baumann, Andreas Sander und Rückkehrer Thomas Dreßen.

Protest: Nach Massendemonstrationen mit mehr als 11.000 Festnahmen haben die Anhänger des inhaftierten Kremlkritikers Alexej Nawalny für Sonntag eine neue Protestform geplant: In ganz Russland sollen Menschen am Valentinstag abends 15 Minuten lang vor ihren Wohnhäusern Taschenlampen in die Höhe halten, um so ihre Solidarität auszudrücken.

Was heute wichtig wird

Anzeige
Achtung, Männer! Heute ist der Tag der Paare und der Verliebten. Bloß nicht eine kleine Aufmerksamkeit vergessen. Wobei das sicher auch in die andere Richtung gilt. Wobei – sollte man einander die Liebe nicht eigentlich immer zeigen? Und nicht nur an einem festgelegten Tag? Besonders schlimm ist der Valentinstag dagegen oft für Singles. Weil sie dann daran erinnert werden, dass sie niemanden an ihrer Seite haben. Zu Zeiten der Corona-Pandemie erst recht. Durchhalten. © Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa

Das Video des Tages

Wer kommt heutzutage noch einen Tag lang ohne Smartphone aus? Die „Nomophobie“ hat drastische Auswirkungen auf unsere Konzentration und unser Glück. Wir haben uns dem Thema in unserer Videoreihe „Auf dem Schirm“ gewidmet.

Video
Niemals ohne Smartphone – die Angst, nicht erreichbar zu sein
4:54 min
Wer kommt heutzutage noch einen Tag lang ohne Smartphone aus? Die „Nomophobie“ hat drastische Auswirkungen auf unsere Konzentration und unser Glück.  © RND/Amandine Cormier

„Der Tag“ als Podcast

Die News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Markus Merz

Abonnieren Sie auch:

What’s up, America? Der wöchentliche USA-Newsletter liefert Hintergründe zu den Entwicklungen in Politik, Gesellschaft und Kultur – immer dienstags.

Die Pandemie und wir: Die wichtigsten Nachrichten der Woche, Erkenntnisse der Wissenschaft und Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.

Das Stream-Team: Die besten Serien- und Filmtipps für Netflix und Co. – jeden Monat neu.

Mit RND.de, dem mobilen Nachrichtenangebot des Redaktions­Netzwerks Deutschland, dem mehr als 60 regionale Medienhäuser als Partner angehören, halten wir Sie immer auf dem neuesten Stand, geben Orientierung und ordnen komplexe Sachverhalte ein – mit einem Korrespondenten­netzwerk in Deutschland und der Welt sowie Digitalexperten aller Bereiche.

Falls Sie Anregungen oder Kritik haben, melden Sie sich gern direkt bei unserem Chefredakteur Marco Fenske: marco.fenske@rnd.de.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen