Ein großer Dienst für die Politik

  • Die Rettungsaktion der Bundeswehr in Afghanistan ist vorerst abgeschlossen. Sie hat bemerkenswert gut funktioniert.
  • Die Bundesregierung kann sich bei den Soldatinnen und Soldaten für die Schadens­begrenzung beim Afghanistan-Debakel bedanken.
  • Für die Amerikaner aber ist der Krieg noch nicht beendet.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

erst tiefe Verzweiflung. Dann Erleichterung, die sich kaum in Worte fassen lässt: Sie habe sich wie im Traum gefühlt, als die Lufthansa-Maschine aus Taschkent in Frankfurt gelandet sei, berichtete eine Afghanin gestern in einem Deutschland­funk-Interview. Die Frau ist den Taliban in Kabul über die Luft­brücke der Bundes­wehr entkommen. Sie berichtet von furchtbaren Szenen vor dem Flug­hafen – aber auch von einer gut organisierten Rettungs­aktion, nachdem sie es endlich in die Nähe des ersten Bundeswehr­­soldaten auf dem Airport geschafft hatte.

Die deutschen Streit­kräfte haben ihre bislang schwerste und gefährlichste Evakuierungs­mission hinter sich gebracht. Sie bekommen viel Lob dafür. Mehr als 5000 Männer, Frauen und Kinder haben die Soldaten gerettet, bisweilen unter Einsatz ihres eigenen Lebens. Sie haben damit auch der Bundes­regierung einen großen Dienst erwiesen – dem Versagen der Politik beim Thema Afghanistan folgte zum Glück eine professionelle Rettungs­aktion.

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Ändert das Afghanistan-Debakel vielleicht generell den Blick auf unsere Streit­kräfte? „Viele, die ein distanziertes Verhältnis zur Bundes­wehr hatten, werfen jetzt einen neuen Blick auf die Truppe, nicht aus Begeisterung fürs Militärische, aber aus Einsicht in ein Dilemma“, schreibt RND-Chefautor Matthias Koch in seinem Leitartikel.

„Am Hindukusch findet eine für pazifistische Fundis verwirrende Lehr­vorführung statt: Nicht nur die Entsendung, sondern auch der Abzug westlicher Truppen will gut überlegt sein, auch und gerade in moralischer Hinsicht.“ Vor Ort in Kabul sind jetzt nur noch amerikanische Soldaten, sie sind nach den Anschlägen vom Donnerstag einer besonderen Gefährdung ausgesetzt. US‑Präsident Joe Biden hat indirekt zugesichert, die rund 1000 immer noch im Land befindlichen Amerikaner mit Geheimdienst­aktionen heraus­zuholen. „Eigentlich wollte er den Krieg in Afghanistan beenden, nun steckt er mittendrin“, urteilt RND-Washington-Korrespondent Karl Doemens in seiner Analyse.

Ein Signal vom Bahnchef

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Bahnchef Richard Lutz

Über zwei Dinge konnte sich ganz Deutschland in diesem Sommer ärgern: Über das Wetter und über die Bahn. Das Wetter war unbeständig, die Bahn rollte dafür verlässlich in den Sommer­ferien in den nächsten Streik. Der nächste Ausstand ist wohl schon in Sicht, sehr zum Ärger von Bahn­chef Richard Lutz. „Da werden gerade Wunden geschlagen, die nur schwer wieder verheilen“, sagt Lutz im RND-Exklus­iv­interview. Der Bahn­chef fürchtet um das Betriebs­klima – und verantwortlich ist aus seiner Sicht die Eisenbahner­gewerkschaft GDL: „Wie Herr Weselsky in dieser Situation agiert und vor allem, wie er redet, ist absolutes Gift für das Zusammen­gehörigkeits­gefühl der Eisenbahner­familie.“

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Zitat des Tages

Die Bundesregierung hat sich durch eigene Untätigkeit erpressbar gemacht.

Omid Nouripour, außenpolitischer Sprecher der Grünen, zu möglichen Verhandlungen mit den Taliban in Afghanistan

Leseempfehlungen

„Es wird noch weitere Anschläge geben“: Peter R. Neumann, Experte für islamistischen Terror und Gründer des International Centre for the Study of Radicalisation am Londoner King’s College, spricht im RND-Interview über den afghanischen IS‑Ableger und die Sicherheit in Kabul.

Super­foods wie Acai, Goji, Chia und Moringa wird oft eine positive Wirkung auf die Gesundheit nachgesagt. Doch wissenschaftliche Belege dafür fehlen, wie RND-Redakteurin Anne Grüneberg berichtet. Statt­dessen seien die exotischen Lebens­mittel häufig mit Pestiziden, Schwer­metallen oder Bakterien belastet. Außerdem könnten sie Allergien oder Wechsel­wirkungen mit Medikamenten auslösen. Besonders problematisch sind demnach Super­foods, die als Nahrungs­ergänzungs­mittel in Pulver- oder Kapsel­form angeboten werden, weil sie zu einer erhöhten Aufnahme unerwünschter Stoffe führen können.

Aus unserem Netzwerk: Ärger im Männerkeller

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Das Lokal Männer­keller sorgt für Empörung in Greifswald: Chauvinistisch sei der Name, lauten die Vorwürfe, die sogar in Graffiti­schmierereien endeten. Doch was ist dran? Die „Ostsee-Zeitung“ hat mit Inhaber Maik Fritzke gesprochen. Er erklärt, was hinter dem Namen steckt und warum Frauen sogar gern ihre Männer in seine Bar mitnehmen.

Termine des Tages

Der Bund der Vertriebenen (BdV) richtet in Berlin seinen traditionellen Tag der Heimat aus. Auf dem Programm steht unter anderem eine Rede von CSU-Chef Markus Söder.

Beim Bundesdelegiertentag der Frauen-Union gibt es Neuwahlen. Außerdem wird Unions­kanzler­kandidat Armin Laschet eine Rede halten.

Treffen in Bagdad: Der Irak richtet eine Konferenz aus, um regionale Spannungen abzubauen. Dabei soll es neben einer Annäherung der beiden Erzfeinde Iran und Saudi-Arabien auch um deren Stellvertreter­konflikte in der Region gehen. Beide Länder sind bei der Konferenz vertreten – erwartet werden auch Ägypten, die Türkei und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

Wer heute wichtig wird

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Österreichs Kanzler Sebastian Kurz stellt sich in St. Pölten auf dem Parteitag der ÖVP zur Wieder­wahl als Partei­chef. Das Ergebnis dürfte auch als Hinweis darauf bewertet werden, ob seine Partei­freunde mit der Corona-Politik der Regierung Kurz zufrieden sind. © Quelle: Helmut Fohringer/APA/dpa

Der Podcast des Tages: Geyer & Niesmann

Geyer & Niesmann klären mit Rena Lehmann von der „Neuen Osnabrücker Zeitung”, was CDU-Kanzler­kandidat Armin Laschet für eine Schubumkehr im Wahlkampf tun müsste, wie Olaf Scholz mit der SPD an der Union vorbeiziehen konnte, ob wir gerade zu lässig mit Corona umgehen und wie die Lastenrad-Prämie der Grünen zum Aufreger wurde.

„Der Tag“ als Podcast

Die News zum Hören

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Ihr Jörg Kallmeyer

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