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IGeL-Leistungen: Ein glänzendes Geschäft - auf Kosten der Patienten

  • Patienten werden in den Arztpraxen immer wieder Untersuchungen aufgedrängt, die sie selbst zahlen müssen.
  • Die große Mehrheit dieser Leistungen ist nicht nur überflüssig, sondern auch gefährlich.
  • Der Gesetzgeber muss endlich eingreifen, kommentiert Tim Szent-Ivanyi
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Berlin. Die Ermahnung ist zwar schon ein paar Jahre alt, doch sie ist aktueller denn je: 2012 redete der damalige Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe seinen Kollegen ins Gewissen: „Wir sind keine Kaufleute und die Patienten keine Kunden.“ Hoppe wollte erreichen, dass die Mediziner aufhören, ihren Patienten überflüssige Untersuchungen aufzuschwatzen, die diese selbst bezahlen müssen. Doch der Ruf, bei den „Individuellen Gesundheitsleistungen“ (IGeL) zurückhaltender zu sein, blieb ungehört.

Nach wie vor erleben Patienten, dass ihnen diese Untersuchungen regelrecht aufgedrängt werden. Das passiert häufig aber auch auf eine ganz perfide Art und Weise. Eher beiläufig werden die Patienten auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht. Nein, wirklich notwendig sei es zwar nicht, aber wer alle Eventualitäten ausschließen wolle, sollte doch besser eine Augeninnendruckmessung machen lassen, eine Lungenfunktionsprüfung oder einen Hirnleistungs-Check. Da greift der Patient zu – wer will sich schon vorwerfen, nicht genug für die eigene Gesundheit oder die seiner Kinder getan zu haben.

Bedenkzeit vorschreiben

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Für die Ärzte ist das ein glänzendes Geschäft. Doch nicht für die Patienten. Statt Gewissheit über ihren Gesundheitszustand zu bekommen, werden sie verunsichert. Mitunter lösen derartige Untersuchungen Fehlalarme aus, die dann zu unnötigen Folgebehandlungen führen. Oder die Patienten wiegen sich in falscher Sicherheit, weil bei IGeL-Untersuchungen Probleme gar nicht erkannt wurden.

Das Niveau der von den gesetzlichen Kassen bezahlten Versorgung ist so hoch, dass zusätzliche Leistungen in der Regel überflüssig sind. Die wenigen medizinisch sinnvollen IGeL-Untersuchungen sollten Kassenleistung werden, der Rest gehört aus der Arztpraxis verbannt. Zumindest aber sollte endlich die seit Jahren von Krankenkassen und Verbraucherschützern vorgetragene Forderung ins Gesetz geschrieben werden, wonach zwischen dem Angebot für eine IGeL-Leistung und der Behandlung eine „Bedenkzeit“ von 24 Stunden liegen muss. Dann kann kein Patient mehr von seinem Arzt überrumpelt werden.

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