Ein ganz besonderer November

  • Deutschland fährt am Montag das öffentliche Leben wieder herunter.
  • Heute erklärt Bundeskanzlerin Angela Merkel die neuen Maßnahmen in einer Regierungs­erklärung im Bundestag.
  • Jetzt geht es um Überzeugungsarbeit: Werden alle die strengen Regeln akzeptieren?
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

Angela Merkel hat in den 15 Jahren ihrer Kanzlerschaft manche Themen falsch eingeschätzt. In den großen Krisen aber lag Merkel zumeist sehr richtig: Anders als viele andere Politiker schlägt sich Merkel wenig mit Moment­aufnahmen herum. Sie interessiert immer das Ende einer Entwicklung – und darauf steuert sie mit mathematischer Genauigkeit zu.

Merkel wusste schon vor zwei Wochen bei ihrem Treffen mit den Minister­präsidenten, dass nicht reichen würde, was da beschlossen wurde. Nun also das (virtuelle) Treffen in gleicher Runde mit einem neuen Ergebnis: Deutschland geht am kommenden Montag wieder in einen Lockdown – auch wenn es anders heißen soll. Es gibt strenge Kontakt­beschränkungen auch im privaten Bereich, Gaststätten und Kinos müssen schließen, Zuschauer im Profisport sind nicht mehr erlaubt. Der November wird also noch ein wenig dunkler werden, als er es ohnehin schon ist. Aber vielleicht werden der Dezember und Weihnachten dann schon wieder etwas leichter.

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Heute um 9 Uhr wird Merkel den Deutschen die Maßnahmen in einer Regierungs­erklärung im Bundestag erklären. Es ist sicher der richtige Ort dafür – steht doch immer der Vorwurf im Raum, die Corona-Maßnahmen kämen auf wenig demokratischem Weg zustande und würden zu wenig erklärt. Merkel hat einiges zu erklären, bei der Mehrheit der Deutschen allerdings muss sie wohl nicht viel Überzeugungs­arbeit leisten. Nach jüngsten Umfragen hat eine Mehrheit der Bürger mit einem Lockdown gerechnet – und härtere Maßnahmen befürwortet.

Aber werden sie auch von allen akzeptiert werden? Weil die Widerstände wachsen, werden die nächsten Tage auch von der Debatte geprägt sein, wie die neuen Regeln umgesetzt und kontrolliert werden – vor allem im privaten Bereich.

Trumps Bilanz – jetzt sind die Wähler am Zug

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Heute in einer Woche werden wir (hoffentlich) wissen, wer in den kommenden vier Jahren die USA regiert. Schafft der Demokrat Joe Biden den Machtwechsel – oder bekommt Donald Trump eine zweite Amtszeit? Viele Beobachter wundern sich, dass Trump bei der Wahl überhaupt noch eine Chance hat. Oder fällt die Bilanz seiner Regierung vielleicht besser aus als gedacht? Ein Team von RND-Autoren hat die vergangenen vier Jahre Revue passieren lassen und eine Bilanz nach unterschiedlichen Themenfeldern gezogen. Wie verlässlich war die Außenpolitik? Wie hat sich die Wirtschaft entwickelt? Wie war das Management der Corona-Krise? Die Ergebnisse sind in einigen Bereichen erschreckend, in anderen überraschend. Und vor allem: Das Versagen in der Corona-Krise schlägt inzwischen durch in viele andere Bereiche.

Wahlkämpfer Donald Trump: Seine Bilanz fällt äußerst durchwachsen aus. © Quelle: Morry Gash/AP/dpa
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Eine Woche vor der Präsidentenwahl in den USA haben bereits mehr als 70 Millionen Amerikaner ihre Stimme abgegeben. Das entspricht mehr als der Hälfte aller Stimmen, die bei der Wahl vor vier Jahren insgesamt abgegeben wurden. Und das führt dazu, dass traditionell republikanische Staaten plötzlich hart umkämpft sind. So befindet sich Joe Biden aktuell in Georgia auf Stimmenfang. Vor wenigen Wochen wäre das noch undenkbar gewesen. RND-Korrespondent Karl Doemens hat Biden auf seiner Wahlkampftour im tiefen Süden der USA begleitet. Und er erlebte einen Anti-Trump im Trump-Land.

Zitat des Tages

Deshalb ist das heute ein schwerer Tag, auch für politische Entscheidungs­träger, ich will das ausdrücklich sagen, weil wir wissen, was wir den Menschen zumuten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), am Mittwoch nach Beratungen von Bund und Ländern über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise

Leseempfehlungen

Meinung: Die neuen Maßnahmen gegen die Pandemie sind hart, ungerecht und wahrscheinlich nötig – doch es braucht jetzt noch mehr: eine längerfristige Strategie, die Versäumnisse der letzten Monate tilgt. Auch weil Deutschland nach dem Ende der Maßnahmen vor ähnlichen Problemen stehen wird wie zuvor, kommentiert RND-Chefreporter Thorsten Fuchs.

Update: Sind Corona-Patienten nach einmaliger Infektion immun gegen das Virus? Wer eine Corona-Infektion übersteht, scheint nicht lange gegen das Virus geschützt zu sein, zitiert RND-Autorin Laura Beigel aus einer neue Studie des britischen Imperial College in London.

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Hintergrund: Moderatorin Ariane Alter zieht ab heute Abend mit ihrer Show “Late Night Alter” ins lineare Fernsehprogramm ein – auf den früheren Sendeplatz von Jan Böhmermann auf ZDF neo. Deshalb wird sie von vielen als Erbin des Satirikers bezeichnet. Als solche sieht Alter sich selbst aber nicht und lässt sich durch den prominenten Sendeplatz nicht aus der Ruhe bringen, wie sie RND-Redakteurin Hannah Scheiwe im Gespräch erzählt hat.

Interview: Die Corona-Pandemie bedeutet häufig auch den Verzicht auf direkte Freundschafts­kontakte. Viele Menschen empfinden die Isolation als das größte Problem. Welche Rolle digitale Kommunikation spielt und wie sich Corona auf Freundschaften auswirkt, das hat das amerikanische Social-Media-Unternehmen Snap Inc. in einer internationalen Studie untersuchen lassen. Der deutsche Soziologe Janosch Schobin, der an dem Projekt beteiligt war, erläutert im Interview mit unserer Volontärin Lena-Marie Walter, wie sich die Krise auf Freundschaften auswirken könnte.

Die Termine des Tages

Corona-Politik: Bundeskanzlerin Angela Merkel gibt um 9 Uhr im Bundestag eine Regierungs­erklärung ab.

Zinsentscheidung: Die Europäische Zentralbank (EZB) will ihre Zinspolitik der aktuellen Entwicklung anpassen.

Arbeitsmarkt: Die Bundesagentur für Arbeit will ihre Arbeits­marktzahlen für Oktober mitteilen. Die spannende Frage: Wie stark wirkt sich die Corona-Pandemie bereits auf den Arbeitsmarkt aus? Auch die Zahl der Deutschen, die neu in Kurzarbeit sind, wird Auskunft darüber geben, wie stark die Krise auf die Wirtschaft durchschlägt.

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Prozess: In Frankfurt geht der Prozess um den rechtsextremistisch motivierten Mord am Kasseler Regierungs­präsidenten Walter Lübcke weiter.

Wer heute wichtig wird

EU-Ratschef Charles Michel versammelt die Staats- und Regierungschef der EU-Staaten heute zu einer Videokonferenz. Einziges Thema ist die Bekämpfung der Corona-Pandemie in Europa. Brüssel will auf alle Fälle verhindern, dass die Fehler aus dem Frühjahr wiederholt werden. Die Grenzen sollen offen bleiben, es soll so wenig nationale Alleingänge wie möglich geben. Verständigen will man sich daher auch auf einheitliche Quarantäneregeln. Die Rückverfolgung von Infektionen und Teststrategien. © Quelle: imago images/Xinhua

Jede Stunde neu: die News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Jörg Kallmeyer, RND-Newsroom

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