Ein bisschen Wandel wäre jetzt gut

  • Die SPD hat den Koalitionsvertrag der Ampelparteien angenommen.
  • Der designierte Kanzler Scholz will seine Partei zu neuer Stärke führen.
  • Die Sozialdemokraten sind aber bei Weitem nicht die Einzigen, die einen Aufbruch in bessere Zeiten vertragen könnten.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

von allen Sorgen, die man gerade so haben kann, habe ich eine tatsächlich gern: Allmählich müsste ich mal Klarheit darüber gewinnen, was ich meiner Familie zu Weihnachten schenke. Immerhin ist heute schon der zweite Advent, und die Tage bis Weihnachten sind schneller vergangen, als man „Infektionsschutz­gesetz“ sagen kann.

Abseits davon will die Weihnachtsstimmung noch nicht so recht aufkommen. Denn noch ist die vierte Corona-Welle nicht gebrochen, die Lage auf den Intensivstationen angespannt und die Zahl der Neuinfektionen hoch.

Kein Wunder, dass auch Angela Merkel die Leichtigkeit in ihrer letzten wöchentlichen Videobotschaft als Bundeskanzlerin fehlt. „Wir sind mitten in dieser vierten Pandemiewelle in einer sehr ernsten Lage“, sagt sie zur aktuellen Situation, „in manchen Teilen unseres Landes kann man sie nur dramatisch nennen.“ Und das ist spürbar dieser Tage.

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Merkel: „Nehmen Sie das tückische Virus ernst“
1:24 min
Die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zu Solidarität im Kampf gegen die Corona-Ausbreitung aufgerufen.  © dpa

Stattdessen sind die Nerven vielerorts strapaziert, das zeigte sich auch bei den jüngsten Corona-Protesten. In Berlin kam es gestern zu Angriffen auf Journalisten, bereits am Freitag zog ein Mob mit Fackeln vor das Privathaus der sächsischen Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD). Bundesweit reagierten Politikerinnen und Politiker unterschiedlicher Parteien empört: „Das, was bei Petra Köpping vor dem Haus passiert ist, ist ja nicht aus dem Nichts gekommen“, sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) dem RND. Den scheidenden Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) erinnerte die Aktion „an die dunkelsten Kapitel unserer deutschen Geschichte“. Keine Chance für die friedliche Besinnlichkeit der Vorweihnachtszeit, es bleibt fassungslose Betroffenheit.

Optimismus bei der SPD

Zumindest die SPD fand gestern einen Grund für Optimismus. Immerhin steht die Partei kurz davor, in einer Koalition mit Grünen und FDP das Land zu regieren: Mit 98,8 Prozent hat die Partei gestern den gemeinsamen Koalitionsvertrag angenommen.

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SPD-Parteitag stimmt für Ampelkoalition im Bund
1:18 min
Als erste der Ampelparteien stimmt die SPD dem Koalitionsvertrag zu. Zweifler melden sich kaum zu Wort.  © dpa

Der wohl künftige Kanzler Olaf Scholz führte seine Partei in einer Rede aus dem Tal der Selbstzweifel, berichtet die stellvertretende Leiterin des RND-Hauptstadtbüros, Kristina Dunz. Im Gegensatz zur amtierenden Kanzlerin sprach Scholz gestern „frei und auch fröhlich“ – und wollte eine „Aufbruchstimmung“ verbreiten für die SPD und das ganze Land.

Den zweiten Corona-Winter wird Scholz damit nicht retten können. Doch vielen würde es schon reichen, wenn es im kommenden Jahr keinen dritten mehr gibt.

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Zitat des Tages

Du und ich haben, wenn die Kamera nicht lief und wir Mist gebaut haben, oft so sehr gelacht, dass wir keine Luft bekommen haben und wieder in die Maske mussten. Das werde ich unglaublich vermissen. Dich werde ich unglaublich vermissen, Großer!

Comedien Ralf Schmitz zum Tod seines Kollegen Mirco Nontschew

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Bei „Rosamunde Pilcher“ wird das Image entstaubt – zumindest ein bisschen. So ist in der neuesten Folge „Im siebten Himmel“ am Sonntagabend etwa eine gleichgeschlechtliche Hochzeit zu sehen. RND-Journalistin Hannah Scheiwe hat mit Dauerproduzent Michael Smeaton über die ZDF-Reihe gesprochen.

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Parteichef Christian Lindner wird heute mit der FDP ebenfalls über den Koalitionsvertrag abstimmen. Damit würde die nächste Hürde in der Regierungsbildung genommen. © Quelle: imago images/Jürgen Heinrich

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