Ein bisschen Freiheit

  • Bundesgesundheits­minister Jens Spahn verspricht sich von der Zulassung neuer Schnelltests für den Privatgebrauch eine Rückkehr in Restaurants und Theater.
  • Allerdings bleibt offen, wann die Kits für jeden Bundesbürger zur Verfügung stehen.
  • Die Bundeswehr hat derweil ganz andere Sorgen: Ihr geht, im übertragenen Sinn, die Munition aus.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

kalendarisch ist es vielleicht noch etwas früh für den Start in den Frühling. Das Wetter fühlt sich trotzdem so an. Und wer trotz Lockdown da draußen unterwegs ist, sieht ein Leben, das, mal abgesehen von geschlossenen Restaurants und Geschäften, ein wenig präsentiert pandemisch wirkt: Die Menschen zieht es nach draußen. Während ich diesen Newsletter schreibe, tobt im Park vor meinem Fenster eine Gruppe von Kindern laut juchzend über den Rasen. Ob das eine gute Idee ist? So viele Kinder gemeinsam? Diese Frage stellen sich Eltern mehrmals täglich – und es ist fast unmöglich, eine richtige und gute Antwort darauf zu finden. Einerseits ist gerade jetzt angesichts steigender Infektionszahlen und besonders ansteckender Mutationen die Gesellschaft anderer wieder sehr gefährlich. Andererseits gibt es nichts Schöneres, als vom Dauerlockdown geplagte Kinder mal wieder ausgelassen und glücklich spielen zu lassen. Nikolaus Knoepffler, Professor für angewandte Ethik der Universität Jena, erklärt im Interview mit meiner Kollegin Leonie Schulte, wie Eltern in der Corona-Krise mit ethischen Dilemmata wie diesen umgehen können.

Auch Jens Spahn hat sich gestern mit den ersten Schritten in die Freiheit befasst. Die neuen Schnelltests, die ab jetzt für den Privatgebrauch zugelassen sind, sollen diese ermöglichen. Der Bundesgesundheit­sminister ging sogar so weit, Theaterbesuche mithilfe von Selbsttests in Aussicht zu stellen. Was für ein schöner Gedanke! Dass diese Hoffnung allerdings jäh zerplatzen könnte wie eine Seifenblase, gibt unser Hauptstadt­korrespondent Andreas Niesmann in seinem Leitartikel zu bedenken, in dem er fordert, dass Spahn endlich seinen Job machen müsse. Schließlich war eine ähnliche Hoffnung auch mit dem Impfstart verbunden – dessen Erfolge nun, vorsichtig gesagt, auf sich warten lassen. „Spahn, dessen Corona-Politik lange Zeit von einer Mehrheit der Bevölkerung getragen worden war, hat die Lage erkennbar nicht im Griff“, schreibt Niesmann. „Bei Lichte betrachtet, stolpert der Minister seit Beginn der Pandemie von Fehler zu Fehler.“

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Etwas Ähnliches lässt sich über die Bundeswehr berichten. Dort sorgt mal wieder das Kommando Spezialkräfte (KSK) für Aufregung. Der Kommandeur hatte eine Amnestie für Soldaten angeordnet, die Munition zurückgeben, die sie eigentlich nicht haben sollten. Die Angelegenheit kann ein Problem werden für Verteidigungs­ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, die dem KSK eigentlich neue Transparenz verordnet hatte. Und das ist nicht die einzige Baustelle. Auch die Beschaffung eines der zentralen Ausrüstungs­gegenstände der Soldaten zieht sich hin – des neuen Sturmgewehrs. RND-Chef­korrespondentin Daniela Vates beobachtet den Prozess seit Jahren. Sie beschreibt die Geschichte eines Machtkampfs voller Überraschungen, in dem sonst oft öffentlichkeitsscheue Rüstungsfirmen plötzlich im Scheinwerferlicht stehen. Und in dem einmal mehr auch das Beschaffungsamt der Bundeswehr in die Kritik geraten ist. In den kommenden Tagen muss es in der Sache eine weitere Entscheidung fällen.

PS: An dieser Stelle habe ich noch eine persönliche Empfehlung für Sie: Meine Kollegen aus dem Berliner Büro des Redaktions­Netzwerks starten am heutigen Donnerstag den neuen Newsletter „Hauptstadt-Radar“. Darin geht es, passend zum Superwahljahr, um die großen Fragen der deutschen Politik. Wie verlaufen die Frontlinien zwischen den Parteien trotz und mit Corona? Wie bewerten die Demoskopen die Stimmung im Land? Und wer wird bei den Grünen Kanzlerkandidat/-in? Eva Quadbeck, Kristina Dunz und Andreas Niesmann werden künftig jeweils dienstags, donnerstags und samstags Antworten auf diese und andere Fragen geben. Abonnieren können Sie den Newsletter schon jetzt unter diesem Link.

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