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E-Fuels: Für die einen Hoffnungsträger, für andere ein Irrweg

  • Sprit aus Wasserstoff und CO₂ soll Deutschland helfen, den Waren- und Personenverkehr klimaneutraler zu gestalten.
  • Die Regierungsparteien CDU/CSU und SPD befürworten die Technologie. Bis auf die AfD lehnt sie die Opposition hingegen ab.
  • Aber wie effektiv sind E-Fuels?
Fabian Boerger
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Berin. Deutschland streitet über die Mobilität der Zukunft. Doch gehen die Vorstellungen darüber, wie sie aussehen soll, auseinander. Immer mehr Aufmerksamkeit bekommt nun ein neuer Kraftstoff: der sogenannte E-Fuel. „Fuel“ ist der englische Begriff für Kraftstoff. Das „E“ steht für erneuerbaren Strom. Doch ist der Kraftstoff im Bundestag umstritten – für die einen ein Hoffnungsträger, für die anderen ein Irrweg.

E-Fuels unterscheiden sich in ihren chemischen Strukturen und Grundeigenschaften nicht vom herkömmlichen Diesel oder Benzin aus Erdöl. Allerdings wird der Treibstoff anders hergestellt – noch in kleinen Forschungslabors. Dazu wird mit einer großen Menge Strom aus Wasser Wasserstoff gewonnen. Mit Kohlendioxid (CO₂) wird im Anschluss aus dem Wasserstoff der Treibstoff erzeugt. Im Idealfall stammt das CO₂ aus der Luft, wodurch ein Kreislauf entsteht und die Verbrennung im Motor klimaneutral abläuft.

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130 Millionen Euro investierte das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) seit 2017 in die Erforschung dieser strombasierten Kraftstoffe. Mit dem Klimapaket der Regierung sollen nun weitere Schritte folgen. „Darin wird unter anderem die Entwicklung von flüssigen und gasförmigen regenerativen Kraftstoffen aus Biomasse und deren großtechnische Erzeugung ausdrücklich unterstützt“, sagt die umweltpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Marie-Luise Dött.

E-Fuels können schlechte CO₂-Bilanz aufbessern

Der Vorteil an den künstlich erzeugten Treibstoffen ist, dass sie auch in modernen Verbrennungsmotoren verwendet werden können. „Die Markteinführung durch die Nutzung der bestehenden Tank-Infrastruktur ist dadurch relativ einfach möglich“, sagt Marie-Luise Dött. Für die Regierungsparteien als auch FDP und AfD ist das ein entscheidender Punkt. Das bedeutet, dass ein Auto nicht erst umgebaut werden muss, damit es den neuen Sprit tanken kann. In einer Antwort auf eine kleine Anfrage der FDP-Fraktion bestätigte die Bundesregierung diese Annahme.

Wie steht Ihre Partei zur Forderung, synthetische Kraftstoffe zu fördern? „Die SPD-Bundestagsfraktion sieht in synthetischen Kraftstoffen großes Potenzial für den Klimaschutz sowie der deutschen Wirtschaft. Deutschland ist in der Erforschung synthetischer Kraftstoffe führend. Mit dem Klimapaket werden wir weitere Mittel für Förderung synthetischer Kraftstoffe bereitstellen.“ Worin sehen Sie Vor- und worin Nachteile? „Synthetische Kraftstoffe können einen Beitrag leisten, insbesondere im Luftverkehr, im Schiffsverkehr sowie schwere Nutzfahrzeuge klimaschonend zu betreiben. E-Fuels helfen ferner, Deutschland unabhängiger von Energieimporten zu machen und Erneuerbare Energien zu speichern. Die Kraftstoffe könnten künftig etwa in windreichen Regionen an heimischen Küsten hergestellt werden. Hierzu laufen derzeit vielversprechende Pilotversuche. Dadurch ergeben sich völlig neue Wertschöpfungsketten insbesondere in strukturschwachen Regionen. Derzeit sind entstehende E-Kraftstoffe jedoch vergleichsweise teuer. Es werden kaum ausreichend Kraftstoffe produziert, es braucht daher weitere Forschung und Entwicklung in diesem Bereich. Finden Sie, dass dieser Thematik zu wenig Beachtung geschenkt wird? In der Energiebranche werden synthetische Kraftstoffe seit einigen Jahren intensiv diskutiert. Immer mehr Verbraucher und andere Marktakteure werden nun auf die Thematik aufmerksam. In einigen Jahren kann es zu einem regelrechten Boom der E-Fuels kommen.  @ Quelle: Jan Woitas/ZB/dpa
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Eine weitere Eigenschaft spricht für den neuen Kraftstoff. Denn erneuerbare Energien, die etwa durch Windkraftanlagen erzeugt werden, ließen sich in Form der E-Fuels über längere Zeiträume speichern und im Anschluss auch transportieren. Der Preis dafür ist hingegen hoch: „Von den erneuerbaren Energien, die in die Herstellung investiert werden, bleibt am Ende nicht viel übrig“, sagt Wolf-Peter Schill vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Klimabilanz, die man durch den neuen Kraftstoff verbessern will, verändert sich kaum. Um das zu umgehen, fordert Sören Bartol, SPD-Vize-Fraktionsvorsitzender, weitere Forschung und Entwicklung in diesem Bereich.

Zu ineffizient: Linke und Grüne gegen E-Fuels

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Das Problem bei E-Fuels: „Die Prozesskette ist mit hohen Wandlungsverlusten verbunden und braucht eine irre Menge erneuerbaren Stroms“, sagt Schill. Außerdem dürfte günstiger erneuerbarer Strom nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit dauerhaft knapp bleiben. Auch bundesweit würde es zu wenige regenerative Stromquellen geben, damit die Herstellung der E-Fuels effizient wird, sagt der DIW-Experte. Deshalb schließt er eine Produktion des Treibstoffs in Deutschland vorerst aus. „Wir sollten uns durch die E-Fuels nicht verleiten lassen, die Elektrifizierung des Verkehrsbereichs weiter voranzutreiben.“

Ein Punkt, den auch Götz Lange, Sprecher der Linke-Fraktion, aufnimmt. Seine Partei lehnt die neue Technologie ab: „Forderungen nach Investitionen in synthetische Kraftstoffe sind vor allem ein Ablenkmanöver, um die dringend erforderliche Verkehrs- und Energiewende hinauszuzögern.“ Bei der Herstellung von E-Fuels würde die fünffache Energiemenge im Vergleich zu direktem Einsatz von Ökostrom in batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen verbraucht, sagt Lange.

Mehr zum Thema: Verbrenner gegen E-Auto: Welcher Auto hat denn nun die bessere Klimabilanz?

In diesem Punkt steht die Linke im Schulterschluss zu Bündnis 90/Die Grünen. „Während Elektrofahrzeuge schon heute verfügbar sind und zum Klimaschutz beitragen können, gibt es bislang nur Pilotanlagen für die Produktion von E-Fuels“, sagt Stephan Kühn, Sprecher für Verkehrspolitik der Grünen-Bundestagsfraktion. Selbst Hersteller würden davon ausgehen, dass E-Fuels frühestens im Jahr 2025 im industriellen Maßstab zur Verfügung stünden. „Für die Erfüllung der 2030er-Klimaziele werden E-Fuels daher kaum einen Beitrag leisten.“

Effektive Anwendung im Flug- und Schiffsverkehr

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Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Oliver Luksic, sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „EU und Bund fördern zwar Investitionen in E-Fuels. Allerdings schaffen andere Länder noch bessere Rahmenbedingungen.“ Deshalb fordert er von der Bundesregierung, in Bezug auf E-Fuels nachzubessern und Deutschland als Leitmarkt zu etablieren. „Eine Befreiung von der Energiesteuer, die Markteinführung und -verbreitung würden dies erleichtern“, so Luksic.

Völlig unnütz sei der Einsatz der alternativen Kraftstoffe jedoch nicht. Vor allem dort, wo der Einsatz von Batterien auf absehbare Zeit technisch nicht möglich ist, biete sich die neue Technologie an. Das sind aus heutiger Sicht der Flug- und Schiffsverkehr sowie diverse Hochtemperaturprozesse in der Industrie. Darin sind sich der DIW-Experte Schill sowie alle Bundesfraktionen einig.

Wie stehen die Deutschen zu den neuen Kraftstoffen? Eine Umfrage: