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„Du, alles gut“ – FDP-Chef Lindner stellt das neue Merz-Buch vor

  • Friedrich Merz lässt sein neues Buch vom FDP-Vorsitzenden Christian Lindner vorstellen.
  • Der bescheinigt dem CDU-Vorsitz-Kandidaten und langjährigem Merkel-Kritiker, dass er sich gar nicht mehr so richtig unterscheide von der Kanzlerin.
  • Merz wiederum beteuert, er unterscheide sich nicht besonders von seinen Vorsitzmitbewerbern.
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Sie sitzen ganz zufrieden nebeneinander. „Wir kennen uns seit vielen Jahren“, sagt Friedrich Merz und dass er sich gewünscht hätte, dass die FDP schon in dieser Bundesregierung mitgemacht hätte. „Wir sind beide Schwarz-Gelbe“, stellt Christian Lindner fest.

Der eine will gerne CDU-Vorsitzender werden, der andere ist schon Chef der FDP. In einem Jahr würden sie ganz gerne an einem gemeinsamen Kabinettstisch sitzen, am besten als Kanzler und Vizekanzler vermutlich. Aber erst einmal stellt der eine nur das Buch des anderen vor.

„Neue Zeit. Neue Verantwortung“, hat Merz sein Buch betitelt, auf dem er historische und wirtschaftliche Betrachtungen mischt mit der ein oder anderen Forderung, etwas detaillierter bei Steuer- und Rentenpolitik, etwas oberflächlicher etwa beim Thema Integration.

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Gemeine Zwischentöne

„Ein außerordentlich relevantes Buch“ sei das, sagt Lindner. Ein „authentisches Friedrich-Merz-Buch“ obendrein.

Das klingt sehr freundlich, aber die Zwischentöne sind dann doch etwas gemeiner.

In der Steuerpolitik könne er Merz sehr zustimmen, vor allem weil dessen neue Offenheit für Steuererhöhungen darin nicht mehr vorkomme.

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Bei der Rentenpolitik konzentriere sich Merz auf die Botschaft des Aktiensparens – das sei die einfachste Botschaft für einen Wahlkämpfer. Seine Idee einer europäischen Arbeitslosenversicherung, die die FDP nicht teile, habe Merz immerhin „etwas ‚abgesoftet‘“.

Und noch etwas: „Schule taucht auch auf.“

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„Kein Bruch mit Merkel“

Eine Art Selbstvergewisserung sei dieses Buch, fasst Lindner zusammen. „Man muss nicht den Anspruch haben, jede Debatte neu zu prägen und auf Teufel komm raus neue Ideen zu beschreiben.“

Neue Ideen stehen ja auch nicht im Buchtitel.

„Der Reformfuror des Friedrich von vor zehn bis 15 Jahren“ sei einer mehr staatsmännischen Pose gewichen, sagt Lindner. Auch das könne in einem Wahlkampf ja hilfreich sein.

Der Furor ist es allerdings, dem viele seiner Fans über Jahre nachgetrauert haben. Immer noch wird Merz mit seinem Vorschlag einer Steuererklärung auf dem Bierdeckel verbunden, von dem er sich längst distanziert hat.

Und immer noch gilt Merz als Gegenmodell zu Bundeskanzlerin Angela Merkel. Lindner macht auch diese Vorstellung zunichte: „In keinem Politikfeld habe ich einen Bruch gesehen“, sagt er. Nur zitiert habe Merz Merkel eben nicht besonders häufig.

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Fehlte nur noch, dass Lindner die Zuschreibung „Mini-Merkel“ hervorkramt, die die derzeitige CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer von ihren Gegnern oft bekam. Macht er aber nicht.

Merz erzählt, er habe das Buch geschrieben, weil er durch die Corona-Krise mehr Zeit gehabt habe als gedacht. „Ich habe in den Terminkalender geschaut. Da war Osterpause, Sommerpause.“ Und außerdem wollte er eben mal seine Prioritäten aufschreiben: Die Klimapolitik etwa brauche ein eigenes Kapitel.

Fridays for Future sollen zuhören

Er finde es gut, dass sich die Demonstranten von Fridays for Future bei dem Thema so engagierten. Aber das sei auch noch gesagt: „Hört auch mal zu. Bitte akzeptiert auch mal, dass es auch andere Meinungen gibt.“

Als Lindner dem Thema ausweichen will, erinnert Merz, der FDP-Chef habe mit Blick auf die Demonstranten ja mal gesagt, man müsse den Klimaschutz „den Profis überlassen“ – ein kleiner Seitenhieb zurück.

Sie sprechen über Emissionshandel und Wasserstoffstrategien und landen irgendwann bei der Kalkproduktion in Norwegen, Lindner stellt fest, die Zinspolitik habe dazu geführt, dass „der Wirtschaft die Tauben automatisch ins Maul geflogen“ sind.

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Was Merz berührt

Positiv denken müsse man, sagt Merz. Deutschland sei ein so tolles Land, „landschaftlich schön, die Lebensleistung so positiv“. Lindner blättert in dem Buch. „Das berührt mich auch emotional“ fährt Merz fort. „Warum haben die Deutschen so eine Angst?“, fragt die Moderatorin.

Lindner sagt: „Wir haben viel zu verlieren.“ Merz sagt, es sei schwieriger, etwas zu bewahren, als etwas aufzubauen. Dadurch seien politische Entscheidungen früher auch einfacher gewesen. Zu Zeiten von Ludwig Erhard etwa „konnten Entscheidungen getroffen werden und den Menschen ging es sofort besser“.

Trotz dieser Schwierigkeiten will Merz Vorsitzender werden. Er sagt, er unterscheide sich nicht groß von seinen Konkurrenten. Und er wolle sich „jeder Herabsetzung meines politischen Gegners enthalten". Es sei ja nicht hilfreich: „Das schreckt die Menschen eher ab.“

Vor ein paar Tagen erst hat er Armin Laschet und Teilen der CDU-Spitze Foulspiel vorgeworfen.

Lindner erinnert Merz noch daran, dass er bei der Aufzählung großer politischer Errungenschaften neben Westbindung, sozialer Marktwirtschaft und Nato-Doppelbeschluss die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze vergessen habe, mit der sich die CDU so schwergetan habe.

Er nehme das in die zweite Auflage seines Buches auf, sagt Merz. „Aber Genscher habe ich fair behandelt“, fügt er hinzu.

„Du, alles gut“, antwortet Lindner.

Merz, Friedrich: „Neue Zeit. Neue Verantwortung“. Econ-Verlag. 240 Seiten, 22 Euro.

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