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  • Donald Trump und WHO: Drohungen lassen Einfluss der USA kleiner werden

Trump und die WHO: Es ist ein Kreuz

  • Chinas Präsident gibt der Weltgesundheitsorganisation (WHO) neue Milliarden, der amerikanische Präsident erhebt nur drohend die Faust.
  • Donald Trump merkt nicht, dass ausgerechnet seine “America first”-Politik den Einfluss der USA auf die Welt verringert. In Wahrheit kann jetzt nur Kooperation weiterführen.
  • Die Welt, nicht zuletzt die westliche Welt, braucht eine besser funktionierende globale Virenabwehr.
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194 Mitgliedsländer sind derzeit, meist über ihre Gesundheitsminister, zugeschaltet bei der zweitägigen Jahresversammlung der Weltgesundheitsorganisation in Genf. Per Streaming erlebten sie in den vergangenen Stunden eine eindrucksvolle Lehrvorführung in der Frage, wie Weltpolitik gemacht wird – und wie nicht.

  • Chinas Präsident Xi Jinping trat persönlich in der Runde auf. Erstmals sagte er auf WHO-Ebene eine internationale Aufarbeitung von Versäumnissen zu, “aber nicht nur in China”. Und dann legte er überraschend viel Geld auf den Tisch: 2 Milliarden US-Dollar für die WHO, für die kommenden zwei Jahre. Xi hob noch hervor, dass inzwischen “200 Millionen Menschen aus Afrika medizinische Behandlungen durch Teams aus China” bekommen hätten.
  • US-Präsident Donald Trump blieb fern und stieß nur Drohungen aus. Dass man ein Fehlverhalten Chinas untersuchen müsse, fordert Trump seit Langem. Jetzt verband er dies mit der Drohung, die USA würden die WHO anderenfalls verlassen und überhaupt kein Geld mehr geben.

Die USA hätten 400 Millionen zahlen sollen. Durch den verblüffend hohen Beitrag Chinas aber wird dieser Betrag überkompensiert. Wer also beeinflusst die Weltorganisation nun stärker, wer nimmt sie an die Hand?

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Es ist ein Kreuz mit Donald Trump. Mit seiner Kritik, dass China zu großen Einfluss gewonnen habe auf die WHO, hat er ja recht. Doch was Trump jetzt tut, macht das von ihm selbst beklagte Problem noch größer.

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Trump droht WHO mit Austritt
1:37 min
Trump veröffentlichte auf Twitter ein Schreiben, in dem er die WHO zur “sofortigen Besserung” aufforderte.  © Matthias Koch/Reuters

Zudem liegt darin eine Art erhobener Mittelfinger für den gesamten Rest der Welt: Viele erfolgreiche Programme der letzten Jahrzehnte, von der Ausrottung der Pocken bis zur Eindämmung von Ebola, wären ohne die engagierte Hilfe der Amerikaner nicht möglich gewesen. Sowohl unter dem Demokraten Barack Obama als auch unter dem Republikaner George W. Bush war die parteiübergreifende Unterstützung für Projekte der WHO eine Selbstverständlichkeit.

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Niemand hat sich mit Ruhm bekleckert

Gewiss, auch die WHO ist nicht perfekt. Kritiker sagen, die Warnung der WHO vor dem neuen Coronavirus Ende Januar hätte schon eine Woche früher kommen müssen. Selbst wenn man dies gelten lässt, ist dies nur ein sehr kleiner Teil eines weltweiten Versagens der Staatengemeinschaft. Die WHO habe es “vermasselt”, sagt US-Präsident Donald Trump. In Wahrheit aber hat niemand sich mit Ruhm bekleckert.

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  • China ließ zur Jahreswende 2019/2020 drei wertvolle Wochen verstreichen, in denen die Behörden sich erst mal darauf konzentrierten, nicht die Verbreitung des Virus zu verhindern, sondern die Verbreitung von Nachrichten darüber. Als China aber seinen Kurs endlich änderte und die WHO immerhin Ende Januar den Rest der Welt warnte, geschah noch immer zu wenig.
  • In Europa schlug damals die EU-Kommission den Mitgliedsstaaten den massenhaften Kauf von Schutzmasken vor. Doch die Regierungen erwiderten, sie hätten alles im Griff, und erinnerten daran, dass Gesundheitsschutz nicht in die Gemeinschaftszuständigkeit der EU falle. Schon damals, Ende Januar, wurden die Weichen gestellt für das beschämend uneuropäische und unsolidarische Durcheinander in den ersten Tagen und Wochen der Krise.
  • In den USA wiederum äußerte sich Trump zur gleichen Zeit noch immer witzelnd über das “chinesische Virus”, das zum Glück “nur 15” seiner Landsleute angesteckt habe – und gewiss die Sonne des amerikanischen Frühjahrs nicht überstehen werde. Viel zu spät riss die US-Regierung das Ruder herum.

Niemand hat sich also mit Ruhm bekleckert. China war zu wenig transparent. Europa war uneins und ineffizient. Und in den USA störte – und stört bis heute – die systematische Verhöhnung der Wissenschaft durch Trump.

Was nun? Seriöse politische Führung darf sich nicht aufs Management der bereits entstandenen Notlage beschränken. Es muss auch darum gehen, eine Wiederholung systematisch auszuschließen. Dazu gehört ein Neustart der Virenabwehrpolitik auf globaler Ebene. Die Staatenwelt muss der WHO mehr Geld geben, gute neue Leute und vor allem eine neue Autorität.

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WHO setzt auf gemeinsames Handeln
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Die WHO-Mitglieder setzen in der Corona-Krise nach Kritik und Drohungen seitens der USA auf gemeinsames Handeln.  © Matthias Koch/Reuters

“Immunsystem des Planeten”

Die nächste Pandemie kann bald folgen. Soll dann erneut ein nationalistisches Chaos anheben, mit der Folge der nächsten Weltwirtschaftskrise? Eigentlich müsste die Lektion jetzt gelernt sein. Eine global vernetzte Wirtschaft braucht auch eine global vernetzte Virenabwehr. Alles muss so laufen wie bei Rauchmeldern: Wenn irgendwo Gefahr ist, muss jeder es erfahren, nicht irgendwann, sondern in Echtzeit.

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Die Technologie steht längst zur Verfügung. In amerikanischen Denkfabriken wie dem Atlantic Council nehmen bereits Strukturen für ein “Immunsystem des Planeten” Gestalt an. Man will Erreger extrem früh aufspüren und unschädlich machen, in einem zwar global koordinierten, aber stets dezentral bleibenden Abwehrkampf, immer mit dem Ziel maximaler Eindämmung.

Wer, bitte, hätte im Prinzip etwas dagegen – abgesehen von diversen Verschwörungstheoretikern, etwa aus der deutschen Pandemie-Pegida?

Das Thema gehört ganz nach oben bei den nächsten Gesprächsrunden der Weltmächte, bei G 7 im Juni und bei G 20 im Juli. Washington und Peking täten gut daran, in den kommenden Wochen eine Vermittlung durch die Europäer zuzulassen: Wäre nicht am Ende ein weltweites Virenwarnsystem ebenso wie eine weltweite Impfstoffpolitik im Interesse aller Beteiligten?

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Merkel stärkt WHO den Rücken
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Kanzlerin Angela Merkel wirbt für weltweite Zusammenarbeit gegen Corona. Sie richtete diese Worte an die WHO-Koferenz in Genf per Videobotschaft.  © Matthias Koch/Reuters

Zusätzliche Strahlkraft brächte neues Personal an der Spitze der WHO. Die amerikanische Aids-Stiftung brachte einen sehr prominenten Namen ins Spiel: Barack Obama. Solange Trump regiert, erscheinen Erwägungen wie diese als pure Tagträume. Doch nichts und niemand in der Politik bleibt ewig machtvoll. Jene jedenfalls, die jetzt allem lärmenden Nationalismus zum Trotz für einen großen Schritt in Richtung weltweite Vernetzung werben, haben mächtige Fürsprecher in der Wirtschaft. Eins zumindest steht fest: Gemessen an den derzeit entstehenden Milliardenverlusten wären die Investitionen in eine Stärkung der WHO überschaubar.


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