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Trumps Umgang mit dem Mob: an Verlogenheit nicht zu überbieten

  • Aggressive Trump-Anhänger stürmen das Kapitol und bedrohen die Demokratie der USA.
  • Der US-Präsident nennt den mehrheitlich weißen Mob derweil „besondere“ Menschen.
  • Vergleicht man das mit seiner Reaktion auf die Ausschreitungen rund um Black-Lives-Matter-Proteste, wird die Ungleichheit wieder einmal deutlich, meint Alisha Mendgen.
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Hannover. Ein mehrheitlich weißer Mob geht auf das Herzstück der US-amerikanischen Demokratie los, zerstört Fenster, bedroht Kongressmitglieder und die Polizei. Danach spazieren die Randalierenden wieder raus – unbekümmert und zum Großteil unverletzt.

„Wir alle wissen, was mit ihnen geschehen würde“

Der schwarze US-amerikanische Autor Ibram X. Kendi schreibt auf Twitter: „Das weiße Privileg ist im US-Kapitol zu sehen wie nie zuvor. Wenn diese Leute schwarz wären ... Nun, wir alle wissen, was jetzt mit ihnen geschehen würde.“

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Kendi hat recht. Die ungleiche Behandlung der Kapitol-Eindringlinge, im Gegensatz zur schwarzen Black-Lives-Matter-Bewegung, ist bemerkenswert. Trumps Verlogenheit ist es auch: So wurde die Nationalgarde am Mittwoch zum Beispiel erst eingesetzt, nachdem die Trump-Anhänger schon im Kapitol waren. Durch Vizepräsident Mike Pence wurde der Einsatz der Truppen genehmigt, da Trump sich geweigert hatte.

Nationalgarde in Camouflage-Uniformen

Erinnern wir uns an eine friedliche Black-Lives-Matter-Demonstration vor dem Lincoln Denkmal in Washington D.C. am 2. Juni 2020: Damals standen Mitglieder der Nationalgarde in Camouflage-Uniformen auf den Stufen des Denkmals bereit. Zahlreiche Bilder zeigen die riesige, machtvolle Präsenz der Streitkräfte.

Ein Tag zuvor, am 1. Juni, wurden friedliche Black-Lives-Matter-Demonstrierende nahe des Weißen Hauses von der Nationalgarde und der U.S. Park Police mit Pfefferspray vertrieben: Denn Trump wollte sich einen Wahlkampftermin und das dazugehörige Fotoshooting an der benachbarten St. John’s Kirche nicht entgehen lassen.

„Ihr seid etwas ganz Besonderes“

Auch das gestrige Statement des US-Präsidenten zeigt, dass er scheinbar mehr Sympathien für den weißen Mob hegt als für Menschen, die gegen belegte Ungerechtigkeiten wie Polizeigewalt auf die Straße gehen. Nachdem er fälschlicherweise wieder von einer „gestohlenen Wahl“ sprach, seine Anhängern bat, sie sollten nach Hause gehen, und auf „Recht und Ordnung“ bestand, sagte er zum Mob: „Wir lieben euch, ihr seid etwas ganz Besonderes”.

Trumps Reaktionen auf Ausschreitungen während einiger BLM-Demonstrationen waren jedoch ganz anders. Im Mai 2020 schrieb er auf Twitter beispielsweise: „Wenn die Plünderung beginnt, beginnt die Schießerei”. Natürlich verharmloste er seine eigene Aussage im Nachgang wieder, dennoch ist sein konträrer Umgang mit BLM-Anhängern und dem weißen Mob, der das Kapitol stürmte, schockierend.

Trumps Verhalten ist nicht überraschend

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Die Rhetorik des Präsidenten ist allerdings nicht überraschend: Immerhin ist das der gleiche Mann, der sich während der ersten TV-Debatte weigerte, rechtsextreme Gruppen wie die „Proud Boys“ zu verurteilen. Viel schlimmer noch, er sagte ihnen: „Haltet euch zurück, haltet euch bereit“. Auch wenn er später wieder mal seine Aussagen relativierte, scheinen sie Wirkung gehabt zu haben – wie das Schreckensereignis am Mittwoch zeigte. Wie sagt man im Englischen noch mal? „The damage is done“.

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