Sorge vor Niederlage in Georgia

Republikaner drängen Trump, Kandidatur noch nicht zu verkünden

Der ehemalige Präsident Donald Trump spricht am Wahltag im Mar-a-Lago zu Unterstützern.

Der ehemalige Präsident Donald Trump spricht am Wahltag im Mar-a-Lago zu Unterstützern.

„Jeder Republikaner in Amerika wacht heute mit Bauchschmerzen auf“, sagte der republikanische Stratege David Urban, ein früherer Berater Trumps. „Mit Trump leben, durch Trump sterben“, sagte er. Ob die Einschätzung überhitzt ist, wird sich in den kommenden Wochen zeigen – beginnend am Dienstag. Für diesen Tag hat Trump eine „große“ Erklärung angekündigt.

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Die meisten Indizien deuten darauf hin, dass der Ex-Präsident seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2024 bekannt geben wird. Trotz des unerwartet schwachen Abschneidens seiner Republikaner bei den Midterms. Ein Grund, der einige seiner Parteikollegen jetzt dazu veranlasst, Trump dazu zu drängen, seine Verlautbarung zu verschieben.

Trumps Ankündigung einer „großen Erklärung“ vor den Zwischenwahlen habe viele Wählerinnen und Wähler mobilisiert, die ihre Stimme gegen den Ex-Präsidenten einem unabhängigen oder demokratischen Kandidaten gegeben hätten, analysiert beispielsweise der republikanische Stratege Scott Reed. Trumps ehemaliger Berater Jason Miller rät seinem Ex-Chef, die Stichwahl in Georgia abzuwarten. Dem Sender „Newsmax“ sagte er am Mittwoch (Ortszeit), alles müsse sich auf die Stichwahl am 6. Dezember im südlichen Bundesstaat Georgia konzentrieren, die darüber entscheiden könnte, ob Republikaner oder Demokraten künftig den Senat kontrollieren. „Ich empfehle dem Präsidenten, bis nach dem Rennen in Georgia zu warten“, sagte Miller. Priorität müsse nun die Unterstützung des republikanischen Kandidaten Herschel Walker haben. Auch Trumps ehemalige Sprecherin Kayleigh McEnany – jetzt Mitarbeiterin bei Trumps Haussender Fox News – empfiehlt, sich aktuell erst einmal bedeckt zu halten.

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„Mangelhafte Kandidaten ausgewählt“

Abzuwarten bleibt, was in Georgia passiert. Dort wird es allen Anschein nach am 6. Dezember zu einer Stichwahl um den Senatssitz kommen, den aktuell noch der Demokrat Raphael Warnock hält. Seinem republikanischen Herausforderer Herschel Walker, ein von Trump unterstützter Kandidat, wurde in den Umfragen ein Wahlsieg vorausgesagt. Jetzt liegt er knapp hinter dem Amtsinhaber.

Dabei könnte der Sitz in Georgia der Schlüssel für eine Mehrheit im Senat sein. „Wir haben eindeutig Rennen verloren, die wir hätten gewinnen sollen, weil Trump mangelhafte Kandidaten ausgewählt hatte“, sagte der Stratege Alex Conant, „Georgia hätte eine sichere Sache sein sollen.“ Trumps Herausforderung sei, dass seine Gegnerschaft mit jeder Niederlage wachse.

Midterms in den USA: Enges Rennen um US-Bundesstaat Georgia
08.11.2022, USA, Washington: Der Senat am Wahltag im Kapitol. Nach Monaten der Vorwahlen, Wahlkampfveranstaltungen und Spendenaufrufe werden die heutigen Zwischenwahlen über das Kräfteverhältnis im Kongress entscheiden. Foto: J. Scott Applewhite/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Kontrolle über den US-Senat und damit auch die Mehrheitsverhältnisse im Kongress entscheiden sich womöglich erst am 6. Dezember.

Vor dem Hintergrund des politischen und wirtschaftlichen Klimas hätte es den Republikanern leicht fallen sollen, am Dienstag bei den Zwischenwahlen weitreichende Gewinne zu verzeichnen. Umfragen belegten, dass Wähler zutiefst pessimistisch über den Zustand der Wirtschaft und die Richtung dachten, in die sich das Land bewegt. Die Zustimmungsraten Bidens waren kläglich. Und die Geschichte legte nahe, dass die Partei, die das Weiße Haus hält, das Gros des Wählerunmuts abbekommt.

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Doch bei vielen Schlüsselwahlen gerieten die von Trump unterstützten Kandidaten ins Straucheln. Im klassisch umkämpften Pennsylvania gewannen die Demokraten die Rennen um den Senat und das Gouverneursamt gegen ein Duo von Trump-Loyalisten, das seine Lügen über angeblichen Betrug bei der Wahl Bidens zum Präsidenten 2020 beförderte.

Gegenkandidaten stehen bereit

Während von Trump unterstützte Kandidaten scheiterten, feierte der republikanische Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, bei seiner erneuten Bewerbung für das Amt einen durchschlagenden Erfolg. DeSantis ist ein potenzieller Rivale Trumps für die Präsidentschaftswahl 2024 – und wurde freilich von diesem nicht unterstützt. Er wird mehr und mehr als Trumps Thronfolger gehandelt. Sogar Trumps loyalste Anhänger und Verbündete des Ex-Präsidenten sehen in ihm den gefährlichsten potenziellen Herausforderer – gerade nachdem DeSantis so deutlich in Florida von Wählerinnen und Wählern bestätigt wurde.

Trump drohte Parteikollege DeSantis unlängst, unangenehme Informationen über ihn zu veröffentlichen, sollte er sich anschicken, ins Rennen um die Präsidentschaftskandidatur für die Republikaner einzusteigen. Er könne über DeSantis „Dinge erzählen, die nicht besonders schmeichelhaft sind“, sagte Trump am Dienstag Fox News Digital. „Ich weiß mehr über ihn als jeder andere – mit Ausnahme vielleicht seiner Frau.“

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Zwar hat DeSantis sich noch nicht für eine mögliche Präsidentschaftskandidatur positioniert, doch gibt es auch ohne ihn bereits einige mögliche alternative Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner. Dazu zählen Trumps seinerzeitiger Vize Mike Pence, Ex-Außenminister Mike Pompeo sowie die Senatoren Ted Cruz (Texas), Tom Cotton (Arkansas), Rick Scott (Florida) und Tim Scott (South Carolina). Sie alle könnten mit einer ähnlichen Stoßrichtung aufwarten wie der Ex-Präsident. Auf der Anti-Trump-Schiene gewinnen unter anderem die Abgeordnete Liz Cheney (Wyoming) und Marylands Gouverneur Larry Hogan zunehmend an Profil.

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Die Ex-Gouverneurin von South Carolina, Nikki Haley, und andere haben erklärt, dass sie nicht antreten werden, sollte Trump ins Rennen gehen. Wiederum andere, etwa Chris Christie, ehemaliger Gouverneur von New Jersey, würden sich nicht scheuen, ihn herauszufordern. „Ich denke sehr ernsthaft darüber nach“, sagte er kürzlich bezüglich einer möglichen Kandidatur in einem Interview. „Ich werde mich wahrscheinlich bis Ende des Jahres entscheiden.“ Die Partei müsse eine neue Richtung einschlagen, weiterhin jemanden mit „starker Führungskraft“ haben, aber ohne „all das andere Drama“, sagte Christie offensichtlich mit Blick auf Trump.

Die Sorge der Republikaner, Trump könnte mit einer Verkündung seiner Kandidatur am Dienstag die Stichwahl in Georgia Anfang Dezember beeinflussen, zeigt, dass nicht mehr alle in der Partei uneingeschränkt an das Zugpferd Trump glauben.

RND/fw mit Agenturmaterial

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